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Autonomes Fahren Mercedes Roboter-Auto schützt zuerst den Fahrer

Keine schönen Aussichten. Von der Sicherheit des autonomen Autos profitieren vor allem die Insassen.
Keine schönen Aussichten. Von der Sicherheit des autonomen Autos profitieren vor allem die Insassen.
© Daimler AG
Fatale Äußerung eines Sicherheitsexperten von Mercedes: Er legt einen neuen Darwinismus auf der Straße nahe: Der Benz der Zukunft soll im Zweifel immer den Fahrer retten.

In einer Kundenbeziehung lösen sich ethische Dilemmas einfach auf: Ein autonom fahrender Mercedes wird zuerst den Fahrer am Steuer retten und erst in zweiter Linie auf Fußgänger achten. Das ist etwas überspitzt formuliert, aber genau das sollen die Sicherheitsexperten von Mercedes dem britischen "Auto Express" (Mercedes autonomous cars will protect occupants before pedestrians) gesagt haben. Gefragt wurde nach der Entscheidung des Systems in einer klassischen No-Win-Situation, in der ein Teilnehmer geopfert werden muss. Die Antwort des Mercedes-Experten Christoph von Hugo war überraschend deutlich: "Wenn du nur eine Person retten kannst, dann musst du einen retten. Also rettest du den im Auto." Das hört sich sehr nach folgender Situation an: Wenn der Wagen entscheiden muss, ob er einen Radfahrer überfährt oder frontal gegen eine Mauer prallt, muss der Radler halt dran glauben.

Komplexe Entscheidungssituation

Fairerweise muss man allerdings sagen, dass der Kontext ein anderer ist. Von Hugo sprach natürlich nicht davon, dass das Leben des zahlenden Kunde eben zuerst komme. Das wäre gewissermaßen die Fortführung des alten Witzes vom Mercedes-Stern mit eingebauter Vorfahrt. 

Von Hugo ging es um die Entscheidungsmöglichkeiten des Systems in hochkomplexen Situationen, die die Maschine nur teilweise beherrschen kann. In so einem Dilemma wird die Maschine versuchen, zumindest eine Person zu retten. Praktisch werden das die Insassen des Fahrzeugs sein, weil hier die Möglichkeiten des Automaten, der das Auto kontrolliert, weit größer sind, als bei anderen Beteiligten des Unfalls, deren Verhalten und Reaktionen die Maschine eben nicht kontrollieren oder abschätzen kann.

Entscheidet sich der Roboter, das Auto schnell zu opfern, gibt er damit jede Möglichkeit aus der Hand, weiterhin aktiv einzugreifen. "Man kann das Auto opfern, aber dann weiß man nicht, was mit den Personen weiter geschieht, denen man damit zunächst geholfen hat. Dafür sind diese Szenarien zu komplex. Also konzentriert man sich auf die Rettung derjenigen, denen man auch wirklich helfen kann." Praktisch gesehen, läuft es auf das Gleiche hinaus: Den Insassen im teuren Roboter-Auto werden die besseren Chancen gegeben.

Grundsätzlich wird es weniger Unfälle geben 

Grundsätzlich handelt es sich um eine akademische Frage, meint der Mercedes-Experte. "Wir glauben nicht, dass diese ethischen Dilemmas so wichtig sind, wie man heute vielleicht glaubt. Dazu wird es nur selten kommen."

Denn über 99 Prozent der Arbeit, die in den Fahrautomaten gesteckt werde, ziele darauf, dass es solche schweren Unfälle nicht mehr geben wird. "Es mag Situationen geben, die ein menschlicher Fahrer nicht bewältigt und die wir auch nicht verhindern können. Aber wir werden sehr viel besser reagieren als ein Mensch."

Davon profitieren dann auch Radfahrer - die heute häufig unter einen Truck kommen, nur weil der Fahrer nicht auf den Radweg achtet.

Update: Eine Mercedes-Pressesprecherin nahm noch einmal Stellung zu dem Bericht: "Für Daimler steht fest, dass weder Programmierern noch automatisierten Systemen eine Abwägung über Menschenleben zusteht. Der Fokus unserer Entwicklungsarbeit liegt darauf, Dilemma-Situationen gänzlich zu vermeiden, indem beispielsweise die Fahrzeuge auf eine entsprechend risikoarme Fahrstrategie ausgelegt werden.

Keinesfalls haben wir bereits eine Entscheidung zu Gunsten der Fahrzeuginsassen getroffen, sondern halten weiterhin an dem Grundsatz der möglichst hohen Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer fest. Eine Entscheidung für einen Menschen und damit gegen einen anderen ist in Deutschland rechtlich nicht zulässig. Auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Auffassungen.

Um diese Fragen von Recht und Ethik langfristig zu klären, brauchen wir einen breiten und internationalen Diskurs. Nur so bekommen wir ein umfassendes Bild und fördern die Akzeptanz für die Ergebnisse. Wir als Hersteller werden das umsetzen, was der jeweilige rechtliche Rahmen und das gesellschaftlich Akzeptierte gestatten."

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