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Atom-Energie CAP 1400 - dieser Atomreaktor soll China klimaneutral machen

Die Reaktoren sollen auch exportiert werden.
Die Reaktoren sollen auch exportiert werden.
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2060 will Peking klimaneutral sein. Dazu ist auch ein Ausbau der Kernenergie geplant. Mit dem CAP 1400 wird China komplett unabhängig vom Westen.

Viele westliche Staaten steigen aus der Kernenergie aus. Anders China. Die extrem ehrgeizigen Klimaziele des Landes beinhalten sowohl den breiten Einsatz von regenerativer Energie wie auch den Bau von neuen Kernkraftwerken. Chinas State Power Investment Corp (SPIC) hat nun offiziell das Reaktordesign CAP1400 vorgestellt. Hier handelt es sich nicht um eine unsichere Zukunftstechnologie wie die der Fusionsreaktoren. Der CAP 1400 ist ein klassischer Druckwasserreaktor und eine vergrößerte Weiterentwicklung des AP1000-Reaktors der US-Firma Westinghouse. Es ist kein Zufall, dass das Reaktordesign vorgestellt wurde, nachdem der chinesische Premierminister Präsident Xi Jinping angekündigt hatte, dass China im Jahr 2060 klimaneutral sein wolle. Die CAP 1400-Reaktoren werden etwa 1.500 MW Elektrizität erzeugen. Jeder Reaktor ist auf eine Einsatzdauer von 60 Jahren ausgelegt.

Reaktor der dritten Generation

CAP 1400 gilt als Reaktor der dritten Generation. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls soll 100-mal geringer als bei Modellen der zweiten Generation sein. Die größte Herausforderung bei der Entwicklung des CAP 1400 war, die ausländische Technologie so zu adaptieren, dass die Bauteile des Reaktors in China hergestellt werden können. Und zwar nicht als Kopie der Originale, sondern als eigenständige Entwicklung. Insgesamt sollen 1052 Patente und 6513 Anmeldungen für geistiges Eigentum bei der Entwicklung des Reaktors angemeldet worden sein.

Zheng Mingguang, der Hauptkonstrukteur des CAP1400, sagte, dass die Entwicklung des Reaktors eine Reihe "technologischer Monopole" gebrochen habe, etwa bei den Hauptpumpen, Ventilen, Druckbehältern, Dampferzeugern, Reaktoreinbauten, Steuerstabantriebsmechanismen, großen Schmiedeteilen, Schweißmaterialien in Nuklearqualität und anderen Schlüsselausrüstungen. Es wurde eine "unabhängige Konstruktion und eine in China lokalisierte Fertigung" erreicht. Derzeit werden mehr als 90 Prozent der Komponenten in China hergestellt. Daher können die Reaktoren, auch wenn sie auf einem US-Entwurf basieren, an andere Länder ohne die Zustimmung des amerikanischen Herstellers verkauft werden. Außerdem macht sich Peking so unabhängig von Restriktionen des US-Präsidenten.

Kostenvorteil durch Fernwärme

In der Provinz Shandong wird bereits an zwei CAP-1400-Demonstrationseinheiten gebaut. Parallel läuft der Genehmigungsprozess für den Reaktor auf chinesischer und internationaler Ebene. Die Reaktoren sind auch für den Export vorgesehen. Hao Hongsheng, Generaldirektor der Kernenergieabteilung von SPIC, sagte, die Technologie werde auf dem globalen Markt mit einem relativ hohen Maß an Sicherheit und niedrigen Kosten wettbewerbsfähig sein. In Peking wird mit einem spitzen Bleistift gerechnet. Die Stromerzeugungskosten der CAP1400 betragen geschätzte 6 US-Cent pro Kilowattstunde. Ein Wert, der in China von Solar-Anlagen unterboten wird.

Warum also Kernkraftwerke? Da Solar- und Windenenergieanlagen keine bedarfsgerechte Stromversorgung sicherstellen können, muss zu den Erstellungskosten noch der Aufwand für eine Back-up-Lösung etwa in Form von Gaskraftwerken hinzuaddiert werden. Der CAP1400 rechnet sich aber vor allem, weil er neben dem Strom auch Fernwärme produziert und das zu einem Bruchteil der Preise anderer Energieträger. Die Kombination von Strom und Wärmeerzeugung macht den Cap 1400 finanziell so interessant. Sollte der CAP 1400 in Serie hergestellt werden, erwarten die Konstrukteure eine 20-prozentige Reduktion der Energiekosten.

Zugang zur Nukleartechnologie

Die Entwicklung der Kernenergie wurde in China nach dem Unglück von Fukushima zunächst auf Eis gelegt. Nun meldet sich die Atomkraft machtvoll zurück. China will das Kunststück hinbekommen bei weiter wachsendem Energieverbrauch bis 2060 klimaneutral zu werden. Gleichzeitig will das Land weiter Produktionsstandort bleiben, und das Klimaproblem nicht durch eine Deindustrialisierung lösen. Dafür ist es unumgänglich, dass Peking Alternativen zur Kohle schafft.

Hinzu kommt die außenpolitische Dimension. Ein Atomkraftwerk ist kein Exportprodukt wie jedes andere. Wer Kernkraftwerke exportieren kann, bildet nukleare Allianzen. Mit Reaktoren wie dem CAP 1400 entscheidet Peking unabhängig vom Westen welche Länder Zugang zu der Nukleartechnologie bekommen.

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