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Kernfusion Oxford-Start-up will in nur zehn Jahren Billigstrom mit einem Fusionsreaktor produzieren

In einem Fusionsreaktor kann es nie zu einem nuklearen Störfall kommen. Bei Schwierigkeiten stoppt die Fusion sofort. 
In einem Fusionsreaktor kann es nie zu einem nuklearen Störfall kommen. Bei Schwierigkeiten stoppt die Fusion sofort. 
© First Light Fusion / PR
First Light Fusion will die Kernfusion anders herbeiführen als die großen staatlichen Versuchsanlagen. Schon in zehn Jahren soll ein Reaktor arbeiten, der auf einer Projektil-Technik basiert, die in Oxford entwickelt wurde.

Die Kernfusion ist der Heilige Gral der Physik, wer die Verschmelzung der Wasserstoffatome beherrscht, hält den Schlüssel zu unendlicher und sauberer Energie in der Hand. Doch während die Fusionsbombe relativ schnell nach der Atombombe entwickelt wurde, zieht sich die friedliche Nutzung hin (Lesen Sie hierzu. "Der "Zar" – diese Wasserstoff-Bombe war zu mächtig, um sie zu zünden"). Spötter sprechen davon, dass es immer 30 Jahre bis zum Durchbruch dauere. 1950 genauso wie im Jahr 2020.

Das trifft etwa auf den ITER in Frankreich zu. Großbritannien will es schneller schaffen, ein Regierungsprojekt will bis 2040 einen kommerziell einsatzfähigen Fusionsreaktor bauen. Nun will Oxford-Start-up First Light Fusion dieses sportliche Datum noch um zehn Jahre unterbieten. Es hat eine neue Tranche von 20 Millionen Euro frischen Geld bekommen.

Einfacher und billiger 

Neben den staatlichen Großprojekten gibt es eine ganze Reihe von Starts-ups, die sich an der Fusion versuchen. Allen gemeinsam ist, dass sie keinen ringförmigen Beschleuniger benutzen. Auch First Light wählt einen anderen Ansatz. Hier wird der für die Fusion nötige Druck durch einen Zusammenprall von Projektilen erzeugt. Die ganze Anlage kann daher wesentlich kleiner und weniger aufwendiger ausfallen als große Versuchsreaktoren. Das Prinzip wurde 2012 erstmals demonstriert, noch steht der Beweis aus, dass auf diese Weise ein Nettoertrag von Strom erzeugt werden kann.

First Light Fusion, wurde von der Universität Oxford gegründet und ausgegliedert. Mit dem Geld soll das Team von Wissenschaftlern und Ingenieuren auf mehr als 60 Mitarbeiter verdoppelt werden, um so die Entwicklung der Fusionsanlage zu beschleunigen. First Light Fusion plant, sein Kraftwerk in den 2030er-Jahren zu bauen, was bedeutet, dass die kommerzielle Fusion bis zu zehn Jahre früher möglich sein könnte, als die britische Regierung erwartet hat. Doch zunächst soll eine Versuchsanlage zeigen, dass die Firma mit ihrer Projektil-Technik auch tatsächlich Energie gewinnen kann. Der Prototyp soll also mehr Strom erzeugen, als zum Start des Prozesses benötigt werden. Das soll schon Mitte der 2020er-Jahre geschehen. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Nick Hawker sagte: " Wir haben keine Bürokratie, und das erlaubt uns, schneller zu sein."

Konzept aus der UdSSR

Denkbar ist ein Erfolg aber nur, weil Fusion Light Fusion die Verschmelzung auf anderem Weg, als die großen Versuchsreaktoren erreichen will. Der ITER ist ein Reaktor vom Typ Tokamak (Lesen Sie hierzu: "Wettlauf um die Kernfusion – Reaktor-Gebäude in Frankreich wurde fertiggestellt"). In einem donutförmigen Ring soll das Plasma gebändigt werden. Tokamak ist eine russische Abkürzung. Das Bauprinzip stammt aus der UdSSR und wurde schon 1952 entdeckt. In dem Ring soll ein Plasma aus Wasserstoffatomen fließen und von supraleitenden Magneten so verdichtet werden, dass eine Kernfusion eintritt. Heute arbeiten mehrere Anlagen nach dem Tokamak-Prinzip. Weit fortgeschritten ist auch Chinas Reaktor. Die Chinesen erreichten bereits Temperaturen von 100 Millionen Grad Celsius. 2016 gelang es ihnen, 102 Sekunden lang einen Plasmaring zu stabilisieren.

Die Tücke im Detail

Aber obwohl die Idee des Tokamak-Reaktors genial einfach zu sein schien, sind beim Bau immer wieder große Probleme aufgetaucht. Inzwischen fürchten Experten, dass auf diese Weise nie kommerziell Strom erzeugt werden kann. Denn selbst wenn alle technischen Schwierigkeiten gelöst sind, wären diese Reaktoren so teuer, dass sie nicht mit Strom aus Windkraftwerken konkurrieren können. Fusion Light rechnet dagegen mit Kosten, die bei einem Viertel der Kosten von Strom aus herkömmlichen Kernkraftwerken liegen, beziehungsweise der Hälfte des Stroms von Offshore-Windkraftanlagen.

Quelle:First Light Fusion

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