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Atomkraft Britische Regierung will eigenen Fusionsreaktor in Rekordzeit bauen

So soll die Anlage einmal aussehen.
So soll die Anlage einmal aussehen.
© PR
London will in der Fusionstechnik führen. Bereits in 20 Jahren soll ein kommerzieller Fusionsreaktor ans Netz gehen. Nun wird ein Standort gesucht.

In Sachen neuer Energiequellen ist die britische Regierung sehr aktiv. Wind- und Sonnenenergie sollen in Form von Flüssigluft gespeichert werden. Andere Länder ziehen sich aus der Atomkraft zurück, in Großbritannien soll ein ganzer Schwarm von kleinen in Serie gebauten Atomkraftwerken entstehen ("Renaissance der Atomkraft - Rolls Royce will mindestens 15 Mini-Reaktoren bauen")

Nun sucht die Regierung einen Standort für das erste kommerzielle Fusionskraftwerk. Weltweit wird an der Kernfusion geforscht. China meldet regelmäßig Fortschritte dabei, eine kontrollierte Kernfusion zu beherrschen, und in Südfrankreich beginnt der Bau des ITER – eines internationalen Projekts ("Wettlauf um die Kernfusion – Reaktor-Gebäude in Frankreich wurde fertiggestellt"). Doch hier handelt es sich um riesige Forschungsanlage. Die Briten wollen etwas ganz anderes: Nämlich einen Fusionsreaktor, derim Regelbetrieb laufen kann und kommerziell erfolgreich Strom erzeugt. Die Ablage soll bereits im Jahr 2040 in Betrieb gehen.

Traum seit den 1950ern

Von der Form her handelt es sich um einen sphärischen Tokamak-Reaktor zur Energieerzeugung (STEPP), der Kern der Anlage sieht in etwa aus wie ein in sich verdrehtes Donut. In diesem Ring soll das Plasma beschleunigt, erhitzt und von Magnetfeldern gebändigt werden. Für die Fusion werden Wasserstoffisotope Temperaturen ausgesetzt, die zehnmal höher sind als die im Kern der Sonne. Zusätzlich werden sie von einem Magnetfeld komprimiert und verschmelzen dann zu Heliumatomen, dabei wird die Energie freigesetzt.

Ein Fusionsreaktor ist der Heilige Gral der Kernphysik. Wasserstoff ist in großen Mengen vorhanden, es fällt sehr viel weniger radioaktiver Abfall an, und es kann zu keinem Unfall, wie einer Kernschmelze kommen. Eine Störung der komplizierten Abläufe würde zum sofortigen Ende der Fusion führen.

Doch wie das Wort "Gral" andeutet, ist es nicht leicht, ans Ziel zu kommen. Es wird sehr viel Energie benötigt, um den Prozess zu starten, und auch ist es schwierig, das Hochtemperatur-Plasma zu bändigen. Die grundlegenden Arbeiten zur Form des Tokamak gehen auf Arbeiten sowjetischer Wissenschaftler zu Beginn der 1950er-Jahre zurück. Damals dachte man, es würde etwa 25 Jahre bis zum Bau eines Reaktors dauern. Leider ist es trotz unleugbarer Fortschritte dabeigeblieben, dass der große Durchbruch auch 70 Jahre später weiterhin in der Zukunft liegt.

Schneller als die ITER-Planung

Die Briten sind überraschend zuversichtlich. "Bei STEPP geht es darum, von der Forschung und Entwicklung zur Lieferung überzugehen", sagt der CEO der britischen Atomenergiebehörde, Professor Ian Chapman. "STEP wird beweisen, dass die Fusion kein ferner Traum, sondern eine anbrechende Realität ist, da Großbritannien bei der kommerziellen Entwicklung der Fusionsenergie führend ist und sich selbst als Vorreiter bei der nachhaltigen Fusionsenergie positioniert." Nun können sich Gemeinden bewerben, die gern einen Fusionsreaktor in ihrem Gewerbegebiet ansiedeln würden.

Gemessen an den vorsichtigen Einschätzungen etwa beim ITER scheint die Vorstellung, schon bis 2040 einen funktionsfähigen Fusionsreaktor zu bauen, reichlich vermessen. Doch neben den staatlichen Großanlagen gibt es weltweit eine ganze Reihe kleinerer mit Risikokapital finanzierter Projekte, die an dem gleichen Ziel arbeiten. Allen gemein ist die Hoffnung, auf einem anderen Weg als die großen Konkurrenten billiger und weit schneller zum Ziel zu kommen.

Die Verlockung ist groß. Die Kombination von regenerativer Energie aus Sonne und Wind mit der Fusionstechnik würde alle Energiesorgen beenden, und es wäre kein Problem, dann komplett auf fossile Brennstoffe zu verzichten.

Quelle: Gov.uk

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