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Kernenergie China entfacht 2020 die "Künstliche Sonne" – einen Fusionsreaktor

HL-2M  solle helfen eine dauerhafte Fusion zu erreichen.
HL-2M  solle helfen eine dauerhafte Fusion zu erreichen.
© Chinese Academy of Sciences / Commons
China besitzt wenig Rohstoffvorkommen, bei der Erforschung der Fusionsenergie gibt Peking daher Gas. Der neue Reaktor HL-2M geht 2020 in Betrieb – in ihm wird es 13-mal heißer als im Kern der Sonne.

Wer die Energie der Sonne zähmt, muss sich um die Energiewende weg von den fossilien Brennstoffen keine Sorgen machen – darum arbeiten weltweit Wissenschaftler an Fusionsreaktoren. Derzeit hat China in dem Wettrennen die Nase vorn. Der Bau des Reaktor HL-2M wurde fertiggestellt, 2020 soll er in Betrieb genommen werden. Das ist etwa fünf Jahre früher als der Zeitplan beim europäischen ITER. Gebaut wurde der Reaktor nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua News von der China National Nuclear Corporation und dem Southwestern Institute of Physics.

Heißer als die Sonne

In dem Gerät sollen Temperaturen erreicht werden, die 13-mal höher sind als die der Sonne. Unsere Sonne erreicht im Inneren 15 Millionen Grad Celsius, HL-2M soll auf bis zu 200 Millionen Grad Celsius aufheizen. Die enorme Temperatur kombiniert mit der Verdichtung des Plasmas führt zu einer spontanen Fusion der eingespeisten Atome. Im Prinzip hat die Fusionsenergie große Vorteile. Das Grundmaterial steht in beliebigen Mengen zur Verfügung, die Verschmelzung läuft sauberer ab und kontaminiert auch Technik und Gebäude nicht in dem Maße, wie es in Atomreaktoren geschieht. Außerdem ist ein Gau wie eine Kernschmelze ausgeschlossen.

Einfaches Prinzip - komplizierte Technik

Doch der Weg zur sauberen Sonnenenergie ist nicht einfach. Physikprofessor Gao Zhe von der Tsinghua Universität in Peking sagte zur "South China Morning Post", dass noch viele Probleme auf dem Gebiet der Kernfusion zu überwinden wären. "Es gibt keine Garantie dafür, dass wir all diese Probleme lösen können. Aber wenn wir es nicht probieren, werden diese Probleme ganz sicher nicht gelöst werden." Es ist also kein Zufall, dass das an Rohstoffen arme China mit Hochdruck an der Fusionstechnik arbeitet.

Bereits 1952 berechnet 

HL-2M folgt der Tokamak-Bauform, die zunächst von Wissenschaftlern aus der UdSSR berechnet wurde. Andrei Sacharow und Igor Tamm entwickelten schon 1952 dieses Konzept. Die Form gleicht einem verdrehten Bagel. In ihm wird das Plasma in einer Ringbahn beschleunigt und von starken Magneten im Zaum gehalten. Mit dem Projekt beteiligt sich China auch am Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER) mit Sitz in Frankreich. Chinas erstes Fusionsgerät, der HL-1, wurde bereits 1984 fertiggestellt. Das Southwestern Institute of Physics ist daher die älteste und größte Forschungs- und Entwicklungsbasis für kontrollierte Kernfusionsenergie in China. Ein weiterer Reaktor steht in der Provinz Anhui. Dieses Gerät hat es zum ersten Mal geschafft, die 100-Millionen-Grad-Marke zu erreichen. Das neue Gerät soll Plasmen erzeugen, die heißer als 200 Millionen Grad Celsius sind, so Duan Xuru, Leiter des Instituts. Gleichzeitig soll HL-2M eine längere Fusionsphase ermöglichen. Der Reaktor gilt als wichtiger Schritt hin zu einem kommerziellen Reaktor. In ihm soll nicht allein eine Fusion gelingen, HL-2M soll testen, wie Abwärme und Partikelstrom während des Fusionsprozesses beherrscht werden können.

Quelle: SCMP 

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