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Selbstfahrende Autos: Roboterauto fährt Radfahrerin um – Bericht sagt, einfach alle sind schuld

Schlampige Programmierung, laxe Gesetze, eine TV-schauende Fahrerin und schwere Drogen – all dies kam zusammen, als ein selbstfahrendes Uber die Radfahrerin Elaine H. tötete.

Der von Uber umgerüstete Volvo war auf Radfahrer und Fußgänger jenseits von Zebrastreifen nicht vorbereitet.

Der von Uber umgerüstete Volvo war auf Radfahrer und Fußgänger jenseits von Zebrastreifen nicht vorbereitet.

Commons

Im Jahr 2018 wurde die Radfahrerin Elaine H. von einem autonom fahrenden Uber überfahren und erlag ihren Verletzungen. Dieser tragische Unfall wurde von einem Ermittlerteam akribisch aufgeklärt. Ihr überraschendes Urteil: Es gibt keine Unschuldigen. Die Verantwortung für den tödlichen Unfall liegt ihrer Meinung nach vor allem bei Uber, der Firma, die das Fahrzeug stellte, aber auch die Insassin des Autos, Rafaela V., trug zum Unfall bei. Der Bundesstaat Arizona steht wegen seiner laxen Regeln in der Verantwortung. Die verunglückte Frau schließlich radelte unter Drogeneinfluss.

Abgelenkt von "The Voice"

Rafaela V. sollte eigentlich auf den Verkehr achten und das autonome System überwachen. Weil das aber tödlich langweilig war, schaute sie lieber die TV-Show "The Voice" auf ihrem Handy an. 34 Prozent der Fahrzeit war sie mit ihrem Smartphone beschäftigt, auch unmittelbar vor dem Unfall. Als sie den Blick hob, blieb nur noch eine Sekunde bis zum Aufprall. Zu wenig, um einzugreifen.

Das Auto von Uber überwachte Rafaela V. mit einer Kamera. Die Kontrolle ist auch bei anderen Herstellern üblich, bei ihnen wird ein Alarm ausgelöst, wenn der Fahrer nicht mehr auf die Straße schaut. Der Uber tat dies nicht, dieses Sicherheitsfeature war nicht eingerichtet.

Drogen auf dem Fahrrad

Die Sicherheitsmängel waren kein Versehen, sondern zu erwarten, denn bei Uber gab es überhaupt keinen Verantwortlichen, der die Risiken hätte abschätzen können. Geschweige denn einen Plan, um Risiken zu minimieren. Damit war ein Unfall eigentlich vorprogrammiert. Für den Passagier musste die Fahrt in dem Roboter-Uber außerordentlich langweilig werden. Er sollte sich zwar auf den Verkehr konzentrieren, aber hatte gar nichts zu tun. Der Griff zum Smartphone war zu erwarten. Der Bundesstaat Arizona bekommt in dem Bericht auch sein Fett weg, weil er kaum Auflagen für den Betrieb autonomer Fahrzeuge machte. Bleibt die Radfahrerin. Sie ist auch nicht schuldlos. Sie überquerte die Straße unter dem Einfluss von Methamphetamin.

Unfallfotos aus der Schweiz: Ein einfacher Dorfpolizist und der Auto-Irrsinn der 1960er-Jahre
Arnold Odermatt: Karambolage  Herausgegeben von Urs Odermatt.  Deutsch, Französisch, Englisch.  Steidl Verlag, Göttingen 2003.

Arnold Odermatt: Karambolage
Herausgegeben von Urs Odermatt.
Deutsch, Französisch, Englisch.
Steidl Verlag, Göttingen 2003.

Quellen: The Verge, Reuters

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Die Untersuchung zeigte, dass weder Uber noch der Bundesstaat Arizona das Thema Sicherheit besonders ernst nahmen. Ein Beispiel: Die Uberfahrzeuge waren so programmiert, dass sie Fußgänger nur an Zebrastreifen erwarteten. Ein kreuzendes Fahrrad oder ein querender Fußgänger außerhalb von definierten Übergängen war schlicht nicht vorgesehen. Genau so wollte Elaine H. aber über die Straße.

Einen Tag nachdem der Bericht veröffentlicht wurde, sagten ehemalige Mitarbeiter von Uber dem Fachportal "Automotive News", dass Uber außerdem den Bremsassistenten des Volvo XC90 absichtlich deaktiviert habe. Dieses Sicherheitsfeature des Volvos löst eine Bremsung aus, wenn das Auto zu dicht auffährt oder wenn ein Radfahrer oder Fußgänger plötzlich in Fahrtrichtung auftaucht. Diese Notbremsung sei Uber nicht "sanft" genug gewesen.

kra

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