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Helfen statt Gaffen - so handeln Sie bei einem Unfall richtig

Absichern, melden und handeln statt gaffen: Wer bei einem Unfall helfen will, muss schnell tätig werden. Hier erfahren Sie, was zu tun ist.

Richtig Helfen ist gar nicht so einfach 

Richtig Helfen ist gar nicht so einfach 

Unsplash

Ein schwerer Verkehrsunfall, viele gaffen, manche fahren vorbei und nur wenige helfen. Das ist eine Katastrophe für die Opfer, dabei ist die Hilfe sogar gesetzlich vorgeschrieben, wenn Menschen in Gefahr sind. Wer einfach weiterfährt, macht sich also strafbar. Dabei muss man zwar nicht Leib und Leben für andere riskieren, aber Termindruck reicht als Grund nicht, um die Hilfe zu verweigern. In Deutschland stehen übrigens alle Helfer unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Was muss man also tun, wenn sich ein schwerer Unfall ereignet hat?

Kühlen Kopf bewahren

Wer einen schweren Unfall erlebt, steht sofort unter Stress: Puls und Atmung gehen hoch. Kommen Sie zu sich und überlegen kurz, bevor Sie loslegen.

Unfallfotos aus der Schweiz: Ein einfacher Dorfpolizist und der Auto-Irrsinn der 1960er-Jahre
Arnold Odermatt: Karambolage  Herausgegeben von Urs Odermatt.  Deutsch, Französisch, Englisch.  Steidl Verlag, Göttingen 2003.

Arnold Odermatt: Karambolage
Herausgegeben von Urs Odermatt.
Deutsch, Französisch, Englisch.
Steidl Verlag, Göttingen 2003.

Den Unfall melden

Entscheidend ist es, als erstes den Unfall unter 112 zu melden. Von dem Alarm hängt das Eintreffen professioneller Retter ab. Sie müssen schnell die klassischen Meldungsbausteine parat haben: Wo hat sich der Unfall ereignet? Was ist passiert? Wie viele Personen sind beteiligt? Welche Verletzungen gibt es? Warten Sie die Nachfragen der Notrufzentrale ab. Nicht Sie sondern die Zentrale beendet das Gespräch.

Übrigens: Unfall-Apps dienen meist dazu einen Unfall für die Versicherung zu protokollieren, dem Erst-Helfer nützen sie nichts.

Denken Sie an Eigenschutz

Niemand muss sich in Gefahr begeben, um anderen zu helfen. Die größte Gefahrenquelle am Unfallort sind allerdings nicht explodierende Tanks, sondern andere Fahrzeuge. Auf Autobahnen und Landstraßen ist höchste Vorsicht geboten. Laufen Sie auf keinen Fall unkontrolliert über die Fahrbahn, achten Sie auf Lücken. Bewegen Sie sich möglichst nicht auf der Fahrbahn, sondern auf dem Seitenstreifen.

Gefährlich wird es, wenn die Straße abgesperrt werden muss. Bleiben Sie am Straßenrand, versuchen Sie nicht wie im Film herannahende Autos mit Körpereinsatz zu stoppen.

Sichern Sie die Unfallstelle ab

Schalten Sie Warnblinker und Beleuchtung an, dann halten Sie sicher am rechten Fahrbahnrand. Wenn möglich noch vor der Unfallstelle. Ziehen Sie möglichst weit rechts rüber, und halten Sie auf dem Randstreifen oder dem Bürgersteig. Liegen Unfallopfer auf der Fahrbahn, können Sie mit Ihrem Fahrzeug den Weg blockieren. Danach müssen Sie Ihren Wagen sofort verlassen.

Wenn vorhanden, sollten Sie eine Warnweste anziehen. Stellen Sie das Warndreieck innerorts etwa 50 Meter, sonst mindestens 100 Meter (auf der Autobahn 150 Meter) vor der Unfallstelle auf. Wenn genügend Helfer zur Verfügung stehen, kann eine weitere Person neben dem Schild Warnsignale geben.

Eine Gruppe muss koordiniert werden

Sind mehrere Personen am Unfallort, müssen die Tätigkeiten abgestimmt werden. Hat schon jemand das Kommando übernommen, übernehmen Sie eine Ihnen zugedachte Aufgabe. Wenn nicht, müssen Sie die Aufgaben verteilen. Haben Sie keine Scheu, es wichtig die Lähmung der Passanten zu durchbrechen. Gehen Sie arbeitsteilig vor. Sprechen Sie die Personen direkt an, adressieren Sie nicht an die Gruppe. Lassen Sie sich jeden Auftrag bestätigen.

Das Bergen von Opfern

Können alle Insassen das Fahrzeug eigenständig verlassen, helfen Sie dabei und achten darauf, dass sich alle von der Straße entfernen.

Schwieriger wird es, wenn Insassen schwer verletzt oder bewusstlos sind. Als Erstes müssen sie den Motor stoppen. Dazu drehen Sie Zündschlüssel um, aber lassen Sie ihn stecken. Vorsicht vor Airbags, die nicht ausgelöst haben. Mit Kopf und Oberkörper dürfen Sie nicht vor den Airbag kommen. Von der Rückbank aus kommen Sie leichter an Zündung und Gurt.

Schwerstverletzte und eingeklemmte Opfer müssen Sie im Wagen lassen. Wenn der Wagen nicht brennt, kein Benzin austritt, das Auto sicher steht und die Insassen eingeklemmt, aber bei Bewusstsein sind, sollten Sie alles so lassen. Läuft dagegen Benzin aus, brennt das Auto oder muss ein Insasse wiederbelebt werden, müssen die Menschen wenn möglich aus dem Fahrzeug transportiert werden. Dafür lösen Sie den Sicherheitsgurt und ziehen die hilflose Person aus dem Wagen. Scheuen Sie sich nicht fest zuzupacken, mehr Schaden als der vorhergehende Unfall werden Sie nicht anrichten. Sollte sich die passende Tür nicht öffnen lassen, probieren Sie, ob hintere Türen und Heckklappe zu öffnen sind.

Explosionsgefahr

Anders als im Kinofilm dargestellt, explodieren Unfallwagen nur selten, trotzdem ist die Gefahr nicht auszuschließen. In der Nähe der Fahrzeuge sollte daher auf keinen Fall geraucht werden. Verliert ein Fahrzeug Treibstoff oder steht gar in einer Lache, ist eine Bergung der Insassen gefährlich. Sie müssen entscheiden, wie viel Sie riskieren wollen. Einen größeren Treibstoffverlust können Sie meist riechen.

Erste Hilfe leisten

In der Regel dauert es kaum zehn Minuten bis zum Eintreffen der Retter. Diese Zeit müssen Sie überbrücken. Im Erste-Hilfe-Kasten finden Sie Verbandsmaterial und Einweghandschuhe. Um eine Unterkühlung zu vermeiden, werden die Opfer mit der Folie aus dem Verbandskasten zugedeckt. Wer geschult ist, sollte die lebenswichtigen Funktionen des Unfallopfers überprüfen. Bewusstlose Verletzte, die atmen, bringen Sie an einem sicheren Ort in die stabile Seitenlage.

Atmet das Unfallopfer nur noch unregelmäßig oder gar nicht, müssen Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Blutungen können Sie durch einen Pressverband verringern. Halten Sie sich nicht mit kunstvollen Verbänden auf, das ist Sache der Profis.

Tipps, wie Sie erste Hilfe am Unfallort leisten und auf was Sie dabei achten müssen, finden Sie hier.

Auch wenn Sie sich keine Erste-Hilfe zutrauen, müssen Sie beim Opfer blieben und den Kontakt mit ihm aufnehmen.

Was tun bei einem Kreislaufschock?

Häufig sackt der Kreislauf nach einem Unfall ab. Die Anzeichen sind: Angst, die Haut wird blass und schweißnass, dazu kommt Zittern, eventuell Teilnahmslosigkeit. Heben Sie die Füße des Verletzen hoch, um eine ausreichende Versorgung der lebenswichtigen Organe mit Blut sicherzustellen.

Vorsicht vor Panik

Auch äußerlich unverletzte Personen können nach einem Unfall unter Schock stehen und sich irrational verhalten. Sie sollten auch nach erfolgter Bergung unter Beobachtung bleiben, damit sie nicht etwa plötzlich über die Fahrbahn laufen.

Sei kein Gaffer

Es gibt Situationen, bei denen nichts zu tun ist. Wenn Polizei und Rettungskräfte bereits am Unfallort sind, werden Sie nicht benötigt. Sie sollten einfach umsichtig an der Stelle vorbei fahren. Sind keine Profis am Werk, sondern nur eine Menschenmenge, sollten Sie sich aber vergewissern, dass auch tatsächlich Rettungsmaßnahmen geschehen. Wenn es nichts zu tun gibt, sollten Sie sich vom Unfallort fernhalten. Es versteht sich von selbst, dass Handyaufnahmen und sinnloses Gaffen die Rettung behindern.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.