HOME

Dokumentarfilm: Die Trauer danach - wenn Simsen tötet

Sie telefonieren am Steuer? Tippen auch mal eine SMS? Sehen Sie sich Werner Herzogs Dokumentarfilm "From One Second To The Next" an, und Sie werden im Auto nie wieder zum Handy greifen.

Der Film beginnt mit der jungen Aurie, die gerade die Straße überquert. Ein Fuß ist schon auf dem Gehweg, die hintere Hand liegt in der Luft. Da war eben noch ihr Bruder Xavier. Sie hielt ihn, "bis meine Hand plötzlich leer war". Eine junge Frau am Steuer blickte kurz auf ihr Handy, damit war Xaviers Schicksal besiegelt. Seitdem hält nur intensive medizinische Betreuung den Achtjährigen am Leben.

Auch wenn der Ausdruck vielleicht unpassend ist: "From One Second To The Next" ist großes Tränenkino. Niemand kann sich seiner Tragik entziehen. Wenn man ihn gesehen hat, ist man aufgewühlt und zutiefst erschüttert. Werner Herzog beobachtet in seinem 35 Minuten langen Film Opfer und Verursacher schwerer Unfälle, die geschahen, weil Fahrer von SMS abgelenkt wurden. "From One Second To The Next" wurde von dem US-Telefongiganten AT&T für seine "Texting and Driving - It can wait"“-Kampagne in Auftrag gegeben. Mehr als 100.000 Unfällen sollen in den USA jährlich durch SMS verursacht werden - eine schwere Imagebelastung für das Telefonunternehmen. Und auch wenn der Film eigentlich als Lehrmaterial für Schulen und Schulungen gedacht war, explodieren seine Zugriffzahlen auf Youtube.

"Was AT&T sich wünscht, hat mich sofort berührt", sagte Herzog der Nachrichtenagentur AP. Dabei versteht der deutsche Filmemacher nichts von der Handykultur. "Ich simse nicht beim Fahren. Ehrlich gesagt, simse ich überhaupt nicht. Aber ich spüre die Veränderung in der Gesellschaft. Es ist schwer, heutzutage ein klingelndes Telefon zu ignorieren." Und von der Perspektive der Verkehrsopfer ist die SMS eine tödliche Neuerung. In dem Film beschreiben vier Opfer und ihre Angehörigen minutiös, wie der Unfall geschah und wie er ihre Welt in Trümmern legte. Herzog erreicht dabei eine Intensität, die kaum zu ertragen ist. "In einer Sekunde werden Leben ausgelöscht oder für immer verändert. Über diese Form von emotionaler Resonanz wollte ich erzählen."

Hier zeigt sich die Klasse des Filmemachers Herzog. Bei ihm gibt es keine öligen Kommentare aus dem Off, die erst mal die große Erklärmaschine zum Thema "Siegeszug des Mobiltelefons" abspulen. Auch auf das sonst übliche Werkzeug, sperrige Stoffe publikumswirksamer zu trimmen, verzichtet er einfach. Herzog braucht keine dramatische Musikeinsätze und verschmäht das actionreiche Nachstellen des Geschehens. Es kommen auch nicht die obligatorischen Experten zu Wort. Es ist nichts gescriptet und inszeniert. Herzog hört und sieht zu. Er filmt die Szenen mit der gleichen Sorgfalt, mit der er großes Kino aufgenommen hat. Aus diesem Material komponiert er einen der packendsten Dokumentarfilme überhaupt.

Herzog mutet dem Zuschauer viel zu, er quält ihn. Er schildert haarklein, wie eine Sekunde der Unachtsamkeit Leben zerstören kann. Man erlebt die Nachhaltigkeit des Schreckens. Ein Unfall geschieht in einem Augenblick. Die Beteiligten leben danach jede Sekunde ihres Lebens mit diesem Moment, er gibt sie nie wieder frei. Fast noch schlimmer als das Leiden der Opfer wirken die schuldbeladene Todesfahrer. Chandler Gerber hat drei Menschen getötet. Aus Achtlosigkeit, wie er selbst sagt, weil er nicht nachdachte, weil ihm das Risiko egal war. Der Mann quält sich vor der Kamera und wartet auf eine Erlösung, die nie kommen wird. Drei Kinder mussten sterben, weil er seiner schwangeren Frau eine SMS von unterwegs schickte. Die SMS konnte nicht warten und lautete: "Ich liebe Dich."

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.