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Cannes-Report: Frische Ohrfeigen aus Cannes

Filme "Made in Germany" wurden beim wichtigsten Festival der Welt wieder mal abgewatscht. Die Deutschen sind trotzdem nach Cannes gereist und arbeiten und feiern einfach weiter.

Von Matthias Schmidt, Cannes

Veronica Ferres (r.) und die Produzentin Claudia Bluemhuber auf einer Yacht vor Cannes

Veronica Ferres (r.) und die Produzentin Claudia Bluemhuber auf einer Yacht vor Cannes

Jetzt drehen sie wieder durch, in Südfrankreich. Matthew McConaughey will sich umbringen und wird ausgebuht. Cate Blanchett muss sich fragen lassen, ob sie schon mal mit einer Frau im Bett war. Und einer der Hubschrauberpiloten, die pausenlos Neuankömmlinge von Nizza nach Cannes wuppern, erzählt von kotzenden Passagieren und einem Starlet ohne Höschen und Schamgefühl.

Es ist Festivalzeit. Zum 68. Mal versammelt sich Hollywood und der Rest der Kinowelt in dem ehemaligen Fischerdorf und lässt die Puppen tanzen - und die Medien. Rosé zum Frühstück, Austern zu Mittag und spätestens gegen Abend leuchtet der Himmel viagrablau. Nur die Deutschen schmollen. Zum erneuten Mal wurden sie ignoriert im offiziellen Programm des elegantesten aller Filmfeste. Mal wieder fühlen sie sich wie die bucklige Stiefschwester beim Familientreffen. Ein Skandal? Möglicherweise. Zumindest ein Gesichtsverlust der staatlichen Filmförderung, die regelmäßig über 300 Millionen Euro Steuergelder in hiesige Produktionen pumpt.

"Es ist beschämend", schimpft denn auch Volker Schlöndorff, sogar aus Italien komme momentan aufregenderes, lebendigeres Kino. "Das ganze Jahr über kann man das wunderbar verdrängen, aber in Cannes folgt dann die Ohrfeige." Dann wendet sich der Regisseur der "Blechtrommel" wieder den beiden französischen Produzenten zu, mit denen er sein nächstes Projekt besprechen will. Die Wellen schluppen sanft in den Sand der Croisette, und weiter draußen tanzt die Mega-Yacht von Microsoft-Milliardär Paul Allen Slowfox mit dem Mittelmeer.

Cannes im Frühsommer. Traumhaft schön, sündhaft teuer und viel zu wichtig, um am Ende nicht doch für ein paar Stunden oder Tage einzufliegen - mit oder ohne Höschen. Trotz oder gerade wegen der andauernden kreativen Watschen sind sie nämlich dennoch vor Ort, die Germanen. Zum "Konnäkten", wie das auf Neudeutsch heißt. Und für den Import-Export. Schließlich werden hier der gierig schubsenden Weltpresse nicht nur pausenlos brandneue Filme vorgeführt. In den Suiten der Nobelhotels und im Bauch des Festivalpalais, das eher an eine missratene Shopping-Mall erinnert, wird zugleich die Zukunft verhandelt. Drehbücher, Auswertungsrechte, Besetzungslisten von frischer Ware, die mal mehr, mal weniger weit gediehen ist.

Regisseur Volker Schlöndorff beim deutschen Empfang

Regisseur Volker Schlöndorff beim deutschen Empfang

Hauptsache Eiskrem

Und so steht dann plötzlich auch Veronica Ferres im Foyer eines angejahrten Hinterhofkinos und streckt sich wie eine Katze nach einem langen Mittagsschlaf. "Für mich ist es mitten in der Nacht", sagt sie. Gerade hat sie noch mit Werner Herzog gedreht. In der Salzwüste von Bolivien auf 4000 Meter Höhe und an der Seite von Michael Shannon und Gael Garcia Bernal. Ein paar Anschlussflüge und eine hastige Umziehaktion in einer Flughafentoilette später, hakt sie nun mit Pferdeschwanz und Chucks Termine ab. Erst die allererste Vorführung von "Pay the Ghost", einem Thriller mit Nicolas Cage. Danach zur Verabredung mit Colin Firth auf einer Yacht im alten Hafen. "Schön, dass ich jetzt in einem Alter bin, wo ich mir die Sachen aussuchen kann", sagt sie und huscht davon.

Max Riemelt hat in Cannes sogar ein paar Minuten auf dem Roten Teppich. In dem Weltkriegsbewältigungsdrama "Amnesia", einer schweizerisch-französischen Koproduktion spielt der Berliner die männliche Hauptrolle. Ein Achtungserfolg, immerhin.

Andere deutsche Schauspielerinnen lassen es derweil deutlich ruhiger angehen. Josefine Preuß hat sich von Ellen von Unwerth fotografieren lassen und macht nun als Lolita oder Vamp kokett Reklame für zwei neue Geschmacksrichtungen einer Eis am Stil-Marke. "Das Festival ist mir egal", kichert sie und schaut aufs Meer, "ich bin nur hier, um möglichst viel Eis zu essen." Heike Makatsch dreht als Botschafterin für eine Pariser Kosmetikfirma ihre Runden und verkündet via Internet, dass Verwandlung, Schönheit und Pflege schließlich seit jeher zu ihrem Beruf gehörten. Ein paar Worte zur Misere des deutschen Films in Cannes? Pardon, keine Zeit.

Christian Friedel hingegen könnte sich lange auslassen über die Misere. Sein "Elser - Er hätte die Welt verändert" hat sich gerade in 30 Länder verkauft und läuft noch immer in vielen Kinos. Vom deutschen Film wünscht er sich dennoch mehr Mut, mehr Kompromisslosigkeit und lobt das Beispiel Österreich. Warum Friedel auch ohne aktuellen Film im Gepäck in Cannes ist? Er singt in der Band Woods of Birnam, die mit ihrem gefühlvollen Pop auf dem Empfang von German Films für ein wenig bessere Stimmung sorgen soll.

Wie der FC Bayern

Eines soll man den Deutschen nicht vorwerfen können. Dass sie das Feiern verlernt hätten. Und so laden die Vertreter von deutschen Filmfestivals und diverse Filmförderstiftungen munter weiter ein zu Risotto mit Jakobsmuscheln und Pasta mit Gambas. Im weißen Strandzelt des Hotels Majestic steigt wie jedes Jahr eine Cocktail- und Weinsause mit rund 1000 Gästen. Zur Einstimmung redet Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Dem deutschen Film ergehe es gerade wie dem FC Bayern in der Champions League, sagt sie allen Ernstes: "Stark gespielt und dennoch ausgeschieden." Nun ja.

Keine Deutschen im Finale von Cannes? Also an seinem Job ändere das wenig, winkt Martin Moszkowicz ab, Vorstandschef der Münchner Filmfirma Constantin und verantwortlich für Hits wie "Fack ju Göhte", "Das Parfum" oder aktuell "Ostwind 2". Im Freizeitlook sitzt er beim frisch gepressten Zitronensaft auf der Terrasse des für seine hohen Preise berüchtigten Grand Hotels und berichtet vom Alltag an der Côte d'Azur. Bereits eine Woche vor Start des Festivals würden die aktuellsten Drehbuchfassungen verschickt und am Wochenende vor dem eigentlichen Auftakt seien dann die heißesten Deals schon durch. Im Laufe der ersten Cannes-Woche bewältigen er und sein Team dann dennoch bis zu 70 Termine im Halbstundentakt. Ein Beispiel: Sean Penn, hauptsächlich angereist aus Haiti um seiner Freundin Charlize Theron bei der "Mad Max"-Premiere das Händchen zu halten, sucht gerade Geldgeber.

"Für uns Branchenleute kann hier alles passieren, und du weißt nie, welcher wichtige Mensch dir als nächstes über den Weg läuft", sagt Katja Eichinger

"Für uns Branchenleute kann hier alles passieren, und du weißt nie, welcher wichtige Mensch dir als nächstes über den Weg läuft", sagt Katja Eichinger

Obdachlose und Paparazzi

Katja Eichinger, Witwe von Kino-Mogul Bernd Eichinger, ist ebenfalls schon viele Jahre regelmäßig in Cannes unterwegs. Zunächst als Mitarbeiterin einer großen PR-Agentur aus London, dann als Reporterin für das US-Branchenblatt "Variety". Sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn Charlie Sheen erst die Hotelbar leer trinkt, um dann kurz darauf in Interviews zu erzählen, dass er gerade Gott gefunden habe. Heute entwickelt und schreibt sie Drehbücher, sucht einen Regisseur für die Verfilmung eines Kultbuchs und verhandelt die Rechte an ihrem ersten Roman. Cannes ist für sie ein völlig surrealer Ort, in dem die Strahlkraft des Kinos leuchtet wie nirgendwo sonst. "Für uns Branchenleute kann hier alles passieren, und du weißt nie, welcher wichtige Mensch dir als nächstes über den Weg läuft."

Um besser zu verstehen, warum Cannes nicht nur für die Deutschen nach wie vor der Nabel der Filmwelt ist, muss man sich nur ein paar Stunden über die Uferpromenade und ihre Nebenstraßen quetschen. Die Ruhmreichen und die Sonstwie-Reichen, der Wahn und die Wirklichkeit: Nirgends liegen sie so eng zusammen wie hier. Während sich auf dem Balkon gegenüber ein einheimisches Ehepaar über den Abwasch streitet, verlassen ein paar Meter weiter die Superstars gerade ihre klimatisierten Suiten, steigen in klimatisierte Limos, um dann nach einer kurzen, von Polizeimotorrädern eskortierten Fahrt über den Roten Teppich zu schreiten, mitten hinein in ein Gewitter aus Handyblitzen und Fankreischen. An der Strandmauer lehnen Obdachlose und warten auf den Sonnenuntergang, auf der Croisette stöckeln Edelnutten in Kürzestkleider ihrer Kundschaft hinterher, und in den Boutiquen von Dior und Chanel drängeln sich die Smokingträger. Überall Paparazzi und das Gefühl: Wer kann, der Cannes.

Drinnen Hölle, draußen Paradies

Ein überdrehter Zirkus der Eitelkeiten, bei dem der Direktor, Festivalchef Thierry Fremaux, Selfies auf dem roten Teppich am liebsten verbieten würde. Halten nur den Betrieb auf bei den allabendlichen Weltpremieren. Wie "The Sea of Trees". Ein US-Drama, das Matthew McConaughey in einen japanischen Selbstmörder-Wald am Fuße des Fujiyama verfrachtet. Dort will er sich in seiner Rolle als von Schuldgefühlen gepeinigter Professor das Leben nehmen und trifft auf einen Gleichgesinnten. Weinseliger Orientkitsch, urteilten die Kritiker und buhten herzhaft. "Carol" hingegen, eine lesbische Liebesgeschichte aus den konservativen 50er Jahren, als Homosexualität noch wie ein Verbrechen behandelt wurde, sorgte allein wegen der Auftritte von Cate Blanchett und Rooney Mara für das erste Oscar-Fieber des Jahres.

Klammheimlich, aber umso eindrucksvoller hat sich am Ende dann doch ein, leider, sehr deutsches Thema in den Wettbewerb um die Goldene Palme geschlichen. Es ist ein ungarischer Film, das Werk eines jungen Regiedebütanten, in dem viel Deutsch gesprochen wird und in dem neben Urs Rechn noch ein paar andere deutsche Schauspieler mittun und Befehle bellen. Was daran liegt, dass "Der Sohn von Saul" in Auschwitz-Birkenau spielt, zwischen Gaskammer und Krematorium. Dort übernimmt ein jüdisches Sonderkommando die Drecksarbeit der Nazis. Gefilmt mit einer Handkamera und vielen Unschärfen, aber so unmittelbar und wahrhaftig, dass die Beine weich werden und der Puls hektisch. Auch das gehört zum Reiz und den Gegensätzen dieses Festivals: der Glamour und der Trubel vor der Tür und der Horror des Holocaust hautnah auf der Leinwand. Drinnen die Hölle, draußen das Paradies.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(