HOME

Stern Logo Filmfestival in Cannes

Cannes 2015 - Tag 5: Da schwitzt sogar Natalie Portman

Gott lebt in Belgien und langweilt sich. Matthew McConaughey wird zickig. Und plötzlich steigt ohne jede Vorwarnung Natalie Portman aus den Fluten.

Von Sophie Albers Ben Chamo, Cannes

Bei diesem Wetter kommen auch Leinwandgöttinnen ins Schwitzen

Bei diesem Wetter kommen auch Leinwandgöttinnen ins Schwitzen

Heute knallte die Sonne wirklich erbarmungslos auf die Croisette. Kein Schatten nirgends. Zum Glück müssen alle ins Kino. Oder aber zu Interviews...

Sogar der immer so perfekten Natalie Portman stehen ein, zwei Schweißtropfen auf der feinen Stirn. Sie ist genau so fragil, wie man sich das vorstellt, mit strahlenden, bernsteinfarbenen Augen und dem Talent, sogar in einem durchsichtigen Röckchen nicht ordinär, sondern wie eine kleine Tänzerin in einer Schatulle auszusehen, die sich zu drehen beginnt, wenn man den Deckel öffnet.

Portman ist nicht bekannt dafür, dass sie sich gern öffnet. Aber heute ist das anders, denn es geht um ihren Film "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis", bei dem sie erstmals auch Regie geführt hat. Es ist die Verfilmung von Amos Oz' gefeierter Autobiografie und spielt zur Zeit der Staatsgründung Israels. Begeistert erzählt Portman von der Mythologie, die zu jeder Familie gehöre. Den definierenden Momenten, die wir auswählen, um uns zu erinnern. Gleichzeitig ist die 33-Jährige ehrlich pragmatisch. Auf die Frage, warum sie die Hauptrolle selbst übernommen habe, sagt sie: "Weil ich den Film sonst nicht finanziert bekommen hätte."

Kurz vor dem Interview hat ein Sicherheitsmann Portmans Filmpartner Gilad Kahana um Ruhe gebeten. Der Schauspieler und Sänger ist in Israel so etwas wie ein Indie-Popstar. Laut lachend erzählt er Humbug, um sich die Langeweile zu vertreiben, die solche Interviewtage immer mit sich bringen. Nächstes Mal werde er seinen ganz großen Auftritt haben, wenn er mit seinem "Horror-Bollywood-Porno" zurückkäme. Ein paar Leute gucken verschreckt. Alle anderen starren zum Strand, wo gerade Natalie Portman den Wellen entsteigt - für ein Foto.

Derweil im Kino: Gott ist nicht tot, sondern lebt schlechtgelaunt in Belgien. Das erzählt jedenfalls "The Brand New Testament" - eine lustige, schwarze Komödie, in der auch Catherine Deneuve Platz hat. Und ach ja, Jesus ist ein ziemlich cooles Mädchen.

Matthew McConaughey und Gus van Sant erleben gerade ihr eigenes Schlachtfest. Beeindruckend hart und leidenschaftlich wird das Drama "Sea of Trees" zerrissen. "Eine Zumutung" ist da noch die freundlichste Beleidigung. Als McConaughey in der Pressekonferenz zurückbeleidigen wollte, wurde ihm schnell das Mikro weggenommen.

La Deneuve in "The Brand New Testament"

La Deneuve in "The Brand New Testament"

Die News des Tages:

- WTF! Die Croisette-Luxus-Herberge Martinez schützt seine Gäste am Hotelstrand vor dreisten Tauben und Möwen auf die natürliche Art: mit Falken!

- Rund 15.000 Dollar kostet angeblich ein Ticket, um noch auf die Amfar-Gala zu kommen. Das Charity-Event "Cinema against Aids" trommelt jedes Jahr die Promis der Welt zusammen: von Sharon Stone über Uma Thurman bis Paris Hilton. Die Gästeliste finden Sie hier. Und der Dresscode ist dieses Jahr Schwarz-Weiß.

- Die Hofer Filmtage haben offensichtlich etwas gegen Frauen, anders ist das offizielle Poster nicht zu erklären, das das Dreamteam aus Regisseuren (von John Waters bis Detlev Buck) zeigt, bei dem Frauen nicht mal auf der Ersatzbank erlaubt sind.

Ein Gesicht in der Menge:

Nesta, 45, aus London, arbeitet als Produktionsdesignerin und zeichnet Storyboards für Filme. In Cannes zeichnet sie Promis und lässt sich die Skizzen von ihnen signieren. Wie diese hier:

Ein Sketch der "Variety"-Veranstaltung zum Thema Geschlechtergleichheit in Hollywood, unter anderem mit Salma Hayek, Parker Posey und Aishwarya Rai

Ein Sketch der "Variety"-Veranstaltung zum Thema Geschlechtergleichheit in Hollywood, unter anderem mit Salma Hayek, Parker Posey und Aishwarya Rai

Nestas erstes Mal Cannes: "Vor 13 Jahren."

Cannes-Erlebnis: "Einmal war ich auf einer Veranstaltung, und Harvey Weinstein ist mit mehreren Mädchen reingekommen, die haben meine Zeichnungen entdeckt und waren so begeistert, dass sie sie mir abgekaufen wollten. Weil ich das normalerweise nicht mache, habe ich gesagt '100 Dollar das Stück'. Sie haben vor Freude gekreischt, und ich hatte am Ende die Taschen voll mit Geld."