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Kritik an Haferdrink-Hersteller Hat Oatly seine Ideale verkauft? Die Fans rufen zum Boykott

Bengt Anker-Kofoed
Oatly-Mitgründer Bengt Anker-Kofoed.
© Tomislav Miletic/PIXSELL / Picture Alliance
Das schwedische Unternehmen Oatly steht für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Ein Milliondeal mit einer US-Investorengruppe bringt die Vorzeigemarke jetzt aber unter Beschuss. Fans glauben, der Haferdrink-Hersteller habe seine Ideale verkauft.

Der schwedische Haferdrink-Hersteller Oatly gehört zu den Vorzeigeunternehmen im Kampf für einen nachhaltigeren Umgang mit dem Planeten. Mit seinen idealistischen Leitsätzen eroberte das Unternehmen mit Siebenmeilenstiefeln die Herzen der Post-Milch-Generation.

Das hat aus der kleinen südschwedischen Klitsche in den vergangenen Jahren einen Global Player gemacht - einem, dem die Kunden folgten, an den sie glaubten. Bis jetzt. Denn die glänzende Rüstung der vermeintlichen Nachhaltigkeitspioniere hat sich eine dicke Delle eingefangen. Schuld ist der Einstieg einer berüchtigten Investorengruppe. 

Oatly-Fans sind enttäuscht

Oatly will an die Börse. Für das ehrgeizige Ziel muss das Unternehmen weiter wachsen, neue Produktionsstätten bauen. Dafür verkauften die Schweden im Juli etwa 10 Prozent des Unternehmens an eine Investorengruppe. Zu den Geldgebern gehören auch der Rapper Jay Z, die Schauspielerin Natalie Portman und die Moderatorin Oprah Winfrey. 200 Millionen US-Dollar (etwa 175 Millionen Euro) sollen dabei geflossen sein.

Am Eklat zwischen den Fans und Oatly sind allerdings nicht die US-Stars schuld. Es ist das Unternehmen hinter dem Deal, Blackstone Growth, das die Haferdrink-Jünger entrüstet. Die Geschäftspraktiken von Blackstone widersprechen so ziemlich allen Werten, für die Oatly bislang einstand. Dass Blackstone jetzt bei Oatly eingestiegen ist, enttäuscht die Kunden. Sie rufen in den sozialen Medien zum Boykott der Marke auf.

Wer oder was ist Blackstone?

Die Blackstone Group ist eine, wenn nicht die weltweit größte Private-Equity-Firma. Solche sogenannten Heuschrecken stehen im Ruf, Firmen aufzukaufen, sie auszunehmen und dann wieder fallen zu lassen. Blackstone ist für solche Geschäftspraktiken bekannt.

Unter Feuer steht das Unternehmen unter anderem, weil Blackstone durch seine Investitionen in den Soja-Anbau in Brasilien und die damit zusammenhängenden Infrastrukturmaßnahmen zur weiteren Abholzung des Regenwaldes beitragen soll. Blackstone weist diese Vorwürfe von sich. Die Abholzung des Regenwaldes gehört zu den größten Problemen im Kampf gegen die Erderwärmung. 

Oatly und Trump

Blackstone-Mitgründer, Steve Schwarzman, soll ein enger Vertrauter des US-Präsidenten sein und war 2017 Vorsitzender des Wirtschaftsrats des Präsidenten. Er soll diesen auch mit einer Millionenspende beim Wahlkampf unterstützt haben. 

Donald Trump steht für vieles, Umweltschutz gehört nicht dazu. Mehrmals leugnete er sogar, dass Klimawandel überhaupt existiert. Mit den proklamierten Nachhaltigkeitsbestrebungen, mit denen Oatly angetreten ist, hat das alles wenig gemein. 

Alles für die gute Sache?

In den sozialen Medien ist im Zuge der Investition eine hitzige Debatte darüber entbrannt, ob das schwedische Unternehmen Geld vor Ideale stellt. Oatly aber verteidigt die Strategie, spricht davon, dass die Investition es ermögliche, mehr pflanzenbasierte Produkte herzustellen, wodurch die eigenen Ziele vorangetrieben werden könnten.

Die Investition von Blackstone in Oatly und damit in Nachhaltigkeit sei ein massiver positiver Schritt nach vorn, erklärt Oatly im Austausch mit einer Twitter-Userin, die diesen später in einem Video online teilte. Die Investition zeige, dass es möglich sei, Ziele und Werte in einen gemeinsamen Einklang zu bringen.

"Sie lenkt auch Kapital, das sonst in eine andere kommerzielle Investition geflossen wäre, stattdessen in die Nachhaltigkeit und macht ihre (Anm. d. Red.: Private-Equity) Investitionen umweltfreundlicher." 

Alles also nach Plan? Die Kunden sehen das anders. So kommentiert eine andere Twitter-Nutzerin: "Die Oatly-Twitter-Leute versuchen wirklich Kritiker davon zu überzeugen, dass schlechtes Geld von schlechten Menschen ein positiver Schritt in Richtung Klimawandel ist, weil so 'Kapital umgeleitet' wird." Viele sehen das ähnlich und kehren den Schweden den Rücken zu.

Hat Oatly seine Seele verkauft?

Oatly wurde in den 90er-Jahren mit dem Ziel gegründet, einen nachhaltigen pflanzlichen Drink auf den Markt zu bringen und schrieb sich den Umweltschutz groß auf die Fahnen. So wirbt das Unternehmen mit den Worten "Wir versprechen, ein gutes Unternehmen zu sein".  

Kritik an Haferdrink-Hersteller: Hat Oatly seine Ideale verkauft? Die Fans rufen zum Boykott

Dazu gehört, so ist es auf der Unternehmens-Webseite nachzulesen, Produkte zu liefern, die "minimale Auswirkungen auf die Umwelt haben". Außerdem sei es das "Bestreben, Menschen zu helfen und ihr Leben zu verbessern, immer vor dem rücksichtslosen Streben nach Profit".

Große Worte, die viele überzeugten. Vor allem in den vergangenen Jahren ist das schwedische Unternehmen rasant gewachsen und gehört zu den größten Herstellern auf dem Markt der Milchalternativen weltweit. Die Kooperation mit Blackstone ist für viele Fans daher nicht nur eine Überraschung, sondern Verrat an den eigenen Werten.

Quellen: Business InsiderDie ZEIT , FAZ, The Guardian, HandelsblattOatly, Manager Magazin


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