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Cannes 2015 - Tag 4: Amy ist zum Heulen, und Salma Hayek flippt aus

Die Amy-Winehouse-Doku "Amy" bricht einem das Herz. Salma Hayek weiß, was Männer wollen. Und Cate Blanchett ist einfach nur traumhaft.

Von Sophie Albers Ben Chamo, Cannes

"Mit Ruhm könnte ich nicht umgehen, ich würde verrückt werden": Die Dokumentation "Amy" erzählt die Chronik des angekündigten Todes der einzigartigen Jazz-Sängerin/Pop-Ikone Amy Winehouse.

"Mit Ruhm könnte ich nicht umgehen, ich würde verrückt werden": Die Dokumentation "Amy" erzählt die Chronik des angekündigten Todes der einzigartigen Jazz-Sängerin/Pop-Ikone Amy Winehouse.

Oh, "Amy"! Die Dokumentation über Amy Winehouse hat am vierten Tag des Filmfestivals in Cannes das Publikum schluchzen lassen. Bild- und Tonaufnahmen von Winehouse in fast jedem Alter sowie Interviews mit eigentlich jedem aus dem Umfeld der tragisch früh gestorbenen Ausnahmesängerin zeichnen das Porträt eines fragilen Mädchens, das am Ruhm zerschellt ist. Diese Phrase bekommt dank des britischen Regisseurs Asif Kapadia eine Kraft, die zuweilen kaum zu ertragen ist, wenn man Amy Winehouse dabei zusieht, wie sie in den Abgrund rennt und gleichzeitig diese einzigartige Stimme hört, die für ihre Besitzerin Geschenk und Fluch zugleich war. "Wenn ich könnte, würde ich sie zurückgeben", soll Winehouse kurz vor ihrem Tod zu ihrem Bodyguard gesagt haben.

Nein, tears don't dry on their own.

"Amy" ist aber auch Anlass für Streit, denn Winehouses Vater Mick hat sich bereits vom Film distanziert, angeblich weil dieser impliziere, dass er mit Schuld sei am Ende seiner Tochter. Bleibt abzuwarten, ob der Film es, so wie er in Cannes gezeigt wurde, ins Kino schafft.

Außerdem lief am Samstag "Carol", Todd Haynes unerhörter, wunderbar klassischer Liebesfilm mit Cate Blanchett und Rooney Mara. Noch nie wurde die Liebesgeschichte zweier Frauen so bodennah und selbstverständlich erzählt. Und Cate Blanchetts Perfektion wird langsam gruselig.

Derweil in der Welt abseits von Cannes:

In Hollywod dürfte Elizabeth Banks (Effie Trinket in "Tribute von Panem") gerade durchdrehen vor Freude, weil ihr Regiedebüt "Pitch Perfect 2" in den Kinocharts mal eben "Mad Max: Fury Road" abgehängt hat.

Und in Nizza hat am Samstagabend Sylvester Stallone eine Ausstellung eröffnet. Yup! Der "Expendable" war nämlich Maler, bevor er Schauspieler und Regisseur wurde. Sagt er. "Real Love" (Wahre Liebe) heißt die Gemäldeshow im Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain und zeigt eine Auswahl seiner Werke von 1975 bis heute.

Kinotrailer: "Pitch Perfect 2"

Die News des Tages:

- "Iron Sky 2", der Nachfolger zum Nazis-im-Mond-Wahnsinn von 2012, ist finanziert und startklar: 14 Millionen Dollar hat das Team um Regisseur Tim Vuorensola. Los geht es im September, und ins Kino kommen soll "The coming Race" (Nazis und Dinosaurier, wenn man den Teasern trauen darf) 2016.

- Und es gibt doch gute Nachrichten für deutsche Filme in Cannes: Der Kurzfilm "Herman the German" von Michael Binz wird auf der Croisette hochgelobt. Die Geschichte eines Bombenentschärfers, der Angst hat, seinen Job nicht mehr machen zu können, weil er keine Angst mehr hat, gilt als Geheimtipp. Nicht schlecht für einen Abschlussfilm!

- Und noch was Positives: Am Samstagabend war der Deutsche Empfang, was auch heißt, dass die Kulturstaatsministerin spricht. Und auch wenn Sie vielleicht mit dem Namen Monika Grütters nicht so viel anfangen können, diese Frau war wohl die erste deutsche Politikerin, die ihr Publikum auf so einer Veranstaltung mit ihrer Rede gleich mehrfach zum Lachen gebracht hat. Monika Grütters ist offensichtlich Bayern-Fan.

- Zuguterletzt: Ja, Paris Hilton ist gelandet und verunsichert die Clubs. Und Robbie Williams ist auch hier - ganz in Grau, auch auf dem Kopf.

Wenn Salma Hayek wütend wird, ist das ein Film für sich. Auf dem #link;variety.com/2015/film/news/salma-hayek-parker-posey-blast-hollywood-sexism-cannes-1201498475/;Frauen-Panel der US-Zeitschrift "Variety"# saßen Schauspielerinnen (neben Hayek auch Parker Posey und Aishwarya Rai) und Produzentinnen Elizabeth Karlsen und Christine Vachon ("Carol", "Boys don't cry") und sprachen über Geschlechtergleichheit in Hollywood. Neben Fakten wie "Frauen werden in Filmen doppelt so häufig nackt gezeigt wie Männer" und Vachons trockener Feststellung, dass sie so häufig bevormundet werde, dass sie es schon nicht mehr merke, wurde der Austausch schlechter Erfahrungen - so wahr sie auch sind - bald ermüdend. Es war Hayek, die zunehmend laut darauf hinwies, dass Frauen starke Konsumentinnen sind, und dass Geld die einzige Sprache sei, die Männer verstehen. Frauen sollten aufhören, darüber nachzudenken, was Männer sehen wollen, ihr eigenes Ding und damit viel Geld machen. Dann würde der Markt sich auch ändern. Im Fernsehen sei das schon der Fall, wo definitiv mehr Frauen auch hinter der Kamera erfolgreich sind. Freundliche Worte und Aktionen, um Aufmerksamkeit zu erringen, seien sinnlos. "Es ist ihnen egal!"

Und Parker Posey warf ein: "Das ist jetzt ekelig, aber wusstet ihr, dass es Produzenten gibt, die Viagra einwerfen, bevor sie in Meetings gehen?"

Wütende Salma Hayek

Wütende Salma Hayek

Ein Gesicht in der Menge:

Gary, 39, aus England, lebt seit fünf Jahren in Cannes, weil ihm der Lebensstil so gut gefällt. Er arbeitet im Street-Marketing, heute morgen verteilt er den "Hollywood Reporter" auf der Croisette.

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