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TV-Tipps des Tages für den 4.3.: Bin ich schön? Scheißegal!

Kann man wirklich alles schaffen, wenn man es nur will? Das wunderbare Roadmovie "Little Miss Sunshine" ist ein Plädoyer fürs Träumen - und fürs Loslassen. Ein würdiger TV-Tipp des Tages.

Die Fahrt von Dwayne (Paul Dano), Olive (Abigail Breslin), Frank (Steve Carell), Richard (Greg Kinnear) und Sheryl (Toni Collette) nach Kalifornien endet in einem großen Chaos

Die Fahrt von Dwayne (Paul Dano), Olive (Abigail Breslin), Frank (Steve Carell), Richard (Greg Kinnear) und Sheryl (Toni Collette) nach Kalifornien endet in einem großen Chaos

"Little Miss Sunshine" 20.15 Uhr, SuperRTL
KOMÖDIE Eigentlich mag ich mein kleines Bäuchlein. Aber seitdem alle Menschen um mich herum angefangen haben, Sport zu treiben, ertappe ich mich dabei, wie ich morgens vor dem Spiegel stehe und es plötzlich loswerden will. "Bin ich schön?" fragt sich auch die kleine Olive (Abigail Breslin) in "Little Miss Sunshine", diesem außerordentlichen Film, den ich Ihnen heute ans Herz legen möchte. Und nein - wenn man jene perversen Maßstäbe anlegt, die in der Welt der Kinderschönheitswettbewerbe als Messlatte gelten, ist Olive nicht schön. Sie ist ein ganz normales Mädchen. Ein bisschen pausbäckig, ein ziemlich großes Brillengestell auf der Nase, aber, Mann, was für ein unbändiger Wildfang.

Glücklicherweise hält ihr Großvater genau den richtigen Rat bereit, um erst gar nicht ins Grübeln zu kommen: "Ein wirklicher Loser ist jemand, der soviel Angst davor hat zu verlieren, dass er es erst gar nicht versucht." Und tatsächlich: Als sich Olive eine Chance bietet ihren Traum zu erfüllen, rauft sich die Familie des Mädchens trotz aller Probleme zusammen, quetscht sich in den altersschwachen, senfgelben T2-Bulli und knattert los ins 800 Meilen entfernte Los Angeles. Unterwegs werden Lebensträume zerplatzen, Menschen werden ihr Leben verlieren. Und Opa Edwin (Alan Arkin) wird seinem schweigsamen, Nietzsche-verehrenden Teenagerenkel raten, so viele Frauen wie möglich im Leben flachzulegen. Ja, Komik und Tragik gehen Hand in Hand in diesem wohl besten Roadmovie der letzten Dekade, das ganz beiläufig den American Dream in Stücke reißt und uns lächelnd erklärt: Gar nicht so schlimm.

Denn wenn die geschundene Gruppe schließlich doch - so viel sei verraten - das Ziel ihrer Odyssee erreicht, schlägt ihnen eine künstliche Welt entgegen, in der die Erwachsenen die Träume ihrer Kinder unter spachtelweise Makeup und Erwartungen begraben haben. Wie kleine Püppchen stolzieren die viel zu jungen Teilnehmer auf der Bühne herum, Zerrbilder einer aus den Fugen geratenen Welt. Und wir schauen ihnen dabei zu und müssen lachen und gleichzeitig fühlen wir uns schuldig, weil wir lachen, obwohl wir am liebsten weinen würden.

Selbst Olive ist kurz davor, von dieser Welt verschlungen zu werden, an sich selbst zu zweifeln. Doch dann erinnert sie sich wieder an die Worte ihres Großvaters - und an die ganz besonderen Tanzmoves, die er ihr beigebracht hat. Und wir gehen mit ihr auf die Bühne. Und tanzen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Beerland"
22.00 Uhr, Bayern
DOKUMENTARFILM Ist das Bier der Schlüssel zur Seele der Deutschen? Der Amerikaner Matt Sweetwood geht in seiner amüsanten Doku "Beerland" genau dieser Frage nach. Mehr über den Film im stern.de-Bierblog.

"Memento"
22.15 Uhr, Tele 5

PSYCHOTHRILLER Rückwärts erzählte Geschichten oder faltbare Straßenviertel: Regisseur Christopher Nolan ("Inception") ist immer für eine Überraschung gut. Hier kommt sein cineatisches Puzzle über einen Mann ohne Gedächtnis (Guy Pearce) auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau. (bis 0.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo