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Seit 20 Jahren ein Quoten-Hit: Die "Wer wird Millionär?"-Erfinder lüften das Erfolgsgeheimnis der Quiz-Show

"Wer wird Millionär?" ist ein Dauerläufer im deutschen Fernsehen. Doch warum fasziniert die Sendung auch mehr als 20 Jahre nach der Erstausstrahlung? In einem Interview erklären die Macher die Erfolgsformel.

Die beiden "Wer wird Millionär?"-Erfinder David Briggs (links) und Michael Whitehill (rechts).

Die beiden "Wer wird Millionär?"-Erfinder David Briggs (links) und Michael Whitehill (rechts).

Die Sendung "Wer wird Millionär?" ist ein echter Dauerbrenner im deutschen Fernsehen. Seit mehr als 20 Jahren moderiert Günther Jauch die Quizshow, Tausende Kandidaten saßen auf dem legendären Stuhl und erspielten viele Millionen Euro. Auch nach so vielen Jahren erzielt die Wissens-Show noch gute Quoten. Doch warum fasziniert die Sendung auch nach so vielen Jahren die TV-Zuschauer? Darüber sprachen die beiden Erfinder David Briggs und Michael Whitehill vor einigen Jahren in der RTL-Sendung Extra.

So erzeugen die Macher Spannung

Das Prinzip von "Wer wird Millionär?" ist simpel: Der Kandidat muss 15 Fragen beantworten, der Gewinn verdoppelt sich nach jeder Frage - am Ende geht es um eine Million. Doch die hohe Summe allein macht es noch nicht spannend, erklärt Briggs: "Es geht darum, anderen bei ihrem Triumph oder ihrem persönlichen Desaster zuzusehen. Das ist es, was die Zuschauer wollen." Vier Faktoren spielen eine entscheidende Rolle: der Spielaufbau, die Inszenierung, der Moderator und die Kandidaten.

Als die Sendung 1998 in Großbritannien erstmals ausgestrahlt wurde, war die wesentliche Neuerung, dass die Kandidaten die Fragen zunächst lesen konnten, bevor sie aussteigen. Das führt zu längeren Entscheidungen, aber auch zu mehr Spannung. Briggs: "Das erste Problem, das wir hatten, ist, dass Menschen nicht zocken würden. Sie würden ab einer gewissen Summe aussteigen und keine Frage mehr beantworten. Also haben wir überlegt, ihnen erst eine Frage zu stellen und vier Antwortmöglichkeiten zu geben. Alles was du machen musst, ist eine auszuwählen." Doch das reichte nicht. "Also haben wir die Joker entwickelt, weil wir wollten, dass die Leute weiterspielen. Wir wollten ihnen ein Grund geben, es weiter zu probieren."

Allein gegen den Moderator

Dass die Sendung weltweit ein Erfolg ist - insgesamt lief die Show in mehr als 120 Ländern -, liegt an dem Studio, das überall gleich aussieht. "Der Vergleich mit einem Kolosseum ist sehr gut", sagt Whitehill. "Es ist ein Ort, in dem der Kandidat unter enormen Druck steht. Druck, es richtig zu machen." Bei der Inszenierung wurde nichts dem Zufall überlassen: "Wir wollten, dass sie allein sind. Sie im Scheinwerferlicht, Dunkelheit um sie herum. Nur sie allein gegen den Moderator und die Fragen. Man muss bedenken, dass sie ja nicht um Kleingeld spielen, sondern um eine Summe, die ihr Leben verändert. Dieses Studio war der beste Weg, um diese Angst, diesen Druck durch die Kameralinse zu den Menschen am Fernseher zu transportieren."

Besonders zelebriert wird der Moment, wenn die Kandidaten bei schweren Fragen mit hohem Gewinn die Antwort einloggen. Dazu sagt Briggs: "Wenn die Lichter heruntergehen, sind immer zwei Kameras auf den Kandidaten gerichtet. Wir wollten die kleinen Schweißperlen sehen, die sein Gericht herunterrannen, die Angst in seinen Augen."

Der Moderator und die Kandidaten

Nicht immer geht die Zockerei gut, einige Kandidaten krachten in der Geschichte von "Wer wird Millionär" von 125.000 oder gar 500.000 Euro auf 500 Euro. Für den Moderator ist es eine schwierige Situation, den Kandidaten nach so einer Enttäuschung wieder aufzubauen. Doch auf solche Momente kommt es an, ist sich Whitehill sicher. "Wir wollten immer, dass die Verlierer höflich und behutsam behandelt werden. Das war eine spezielle Anforderung an den Moderator, beides zu können - Spannung aufzubauen und Milde walten zu lassen."

Den wahren Millionengewinn landeten Briggs und Whitehill. Allein durch den Verkauf der weltweiten Lizenz und einem Gerichtsprozess verdienten sie laut "Extra" bis zum Jahr 2017 355 Millionen Euro. Dazu sagt Briggs: "Zwei Tage nach der ersten Sendung in Großbritannien riefen Produzenten aus Amerika an. Das ist etwas, was sie normalerweise niemals machen würden, eine britische Sendung einzukaufen."

Günther Jauch gehört zu "Wer wird Millionär?"

Günther Jauch ist mittlerweile der weltweit dienstälteste Moderator. Doch die Zuschauer können offenbar immer noch nicht genug von ihm bekommen: "Wer wird Millionär?" ist die erfolgreichste Quiz-Sendung Deutschlands, und die Zuschauerplätze im Studio sind heiß begehrt. In der Regel steht man mehrere Jahre auf der Warteliste.

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