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Wetten, dass ..?: Zwischen Peinlichkeiten und Pop-Helden

Trotz etwas dröger Paten auf der Couch war das fünfte "Wetten dass...?" unter Markus Lanz gute Unterhaltung – unter anderem, weil es Entertainer wie Justin Timberlake gibt.

Von Jan Zier

Man kann jetzt natürlich immer mäkeln und lästern, gerade bei "Wetten, dass...?". Keine Hollywood-Stars auf der Couch, weil: Es ist ja die Oscar-Nacht. Dafür mit Axel Prahl und Simone Thomalla zwei Schauspieler aus dem "Tatort", die grad ihre neuen Filme promoten müssen. Wie das in B-Promi-Talkshows halt so üblich ist. Dazu Alt-Torwart Oliver Kahn und Ex-Skifahrer Hermann Maier, also zwei längst gewesene Sport-Stars (die älteren unter uns erinnern sich noch). Ein bisschen Witzrecycling - Brüderle, Pferdefleisch, so Sachen eben - kombiniert mit einem Komiker, dessen beste Zeiten eben leider auch vorbei sind: Michael Mittermeier. Und dann diese "schrulligen Wetten", wie die "New York Times" mal schrieb. Nicht zu vergessen: die peinliche Auto-Werbung am Ende.

Man kann aber auch sagen: Justin Timberlake, ja, der ist großes Kino, also: nicht nur als Sänger., sondern auch als Entertainer. Wenn er beispielsweise DJ Bobo verarscht, in dessen Vorband er mal auftrat. Oder wenn er mit Markus "Schwiegersohn" Lanz spontan mal Elvis' "Suspicious Minds" singt. Dann ist da Heino, der mit 74 Jahren nochmal "Junge" von den Ärzten covert - mal ehrlich: Nie war reaktionäre Musik so selbstentlarvend. Vor allem aber: Nie war sie so witzig! Und schließlich: Skurril zu sehen, wie der amerikanische R&B-Sänger Bruno Mars in seinem Outfit Michael Jackson und Lenny Kravitz auf einmal covern kann.

Cindy im schrillen Outfit

Auch schön: Lanz, der sich beim Versuch, ein bisschen zu turnen mal wieder zum Affen macht und auf die Schnauze fällt. Liebenswert, wie er zuvor mit feiner Ironie über Joey Heindle lästert. Ja, das war der aus dem Dschungelcamp, aber jetzt behauptet der 19-Jährige tapfer, er sei ja "hauptberuflich Sänger". Bald wird Herr Heindle vergessen sein, weswegen sein neues Album - Achtung, Werbepause - auch "Jeder Tag zählt" heißt. Zum Glück darf er nicht singen, für sowas gibt es ja DSDS bei der Konkurrenz. Arg blass sieht er aus, der Heindle, neben Cindy von Marzahn, genauso wie ihr Pendant Lanz.

Sein Smalltalk mit den Gästen auf der Couch ist auch nicht schlechter als früher der vom ewigen Gottschalk. Cindy aber kommt, im rosa Dirndl ebenso wie im goldenen Glitterfummel, optisch mindestens so schrill daher wie er einst. Ihre Witze sind dafür meist nicht gar so ältlich wie seine es manchmal waren.

Wetten, die die Welt nicht braucht

Ach ja, und die Wetten - natürlich waren das alles Fertigkeiten und Talente, die die Welt nicht braucht. Aber großen Respekt haben sie allemal verdient. Zumal alle gewannen, die da antraten. Ein 66-jähriger Bayer etwa, der mehrere Krebserkrankungen überstand und als "bester Wagenheber der Welt" in die Sendung eingeht, weil mit seiner Muskelkraft drei Karts, jedes gut 170 Kilo schwer, in drei Minuten die Räder gewechselt bekamen.

Anschließend ein siebenjähriges Mädchen, das wie ein Computer "denken" und Wörter im Kopf fast problemlos in Binärcodes übersetzen kann. Also aus einem "a" die "01100001" macht, aus dem "e" die "01100101". Und so weiter. Etwas später erkennen zwei 19-jährige Turnerinnen auch blind ihre Vereinskolleginnen beim Handstand-Überschlag - an der Akustik von Anlauf, Absprung, Plattfüßen und der Landung.

Busfahrer und Freizeittransen

Zu guter Letzt machen zwei Hamburger Amateurfußballer nach, wofür die Profis von Borussia Dortmund in der Werbung einst Computertechnik brauchten: Einer schießt, noch dazu an seinem Hochzeitstag, aus der Beifahrertür eines fahrenden Reisebusses einen Fußball gegen eine Holzwand, und der andere, ein Busfahrer, fängt den Ball dann mit der offenen Hintertür wieder ein. Zehn Mal, in drei Minuten.

Dazwischen ist da noch Daniel, 26, ein verschnupfter Radfahrer, der 20 Bierflaschen mit der Speiche seines Fahrrades öffnet. Und anschließend wunderbar authentisch seinen toten Vater, mit dem er diese Wette einst erdachte, im Fernsehen beweint. Da werden sogar die 100 Drag Queens vom Bodensee, die sich spontan um Olivia Jones scharen, irgendwie nebensächlich. Immerhin, es gibt sie, diese Freizeittransen, sogar rund um Friedrichshafen.