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ZDF- Programmreform Heino ruft zum Gebührenboykott auf


Mit seiner Ankündigung, wochentags keine Volksmusik mehr zu zeigen, löste das ZDF eine Welle der Empörung aus. Plötzlich steht der für sein Rentner-Programm geschmähte Sender in der Kritik, dem Jugendwahn zu fröhnen. Anführer der Rebellion: ausgerechnet Spießerbarde Heino.
Von Carsten Heidböhmer

Bislang war Heino nicht für sein rebellisches Verhalten bekannt. Im Gegenteil: Der Volksmusiksänger ("Schwarzbraun ist die Haselnuss") gilt eher als Vertreter deutscher Spießigkeit und Biedersinns. Doch manche Vorkommnisse sind so skandalös, dass selbst der bravste Bürger auf die Barrikaden geht und zum zivilen Ungehorsam aufruft.

Für Heino war dieser Tag gekommen, als er von der bevorstehenden Programmreform beim ZDF erfuhr. Der Mainzer Sender hatte endlich Konsequenzen aus der Überalterung seines Publikums gezogen. Während der TV-Konsument in Deutschland durchschnittlich knapp 51 Jahre alt ist, hat der ZDF-Zuschauer im Schnitt zehn Jahre mehr auf dem Buckel. Offenbar gelingt es dem Zweiten also immer schlechter, mit seinem Programmangebot jüngere Menschen zu erreichen. Als Konsequenz daraus will man nun in aller Behutsamkeit das Programm reformieren. Erste Maßnahme: Künftig soll innerhalb der Woche keine Volksmusik mehr gezeigt werden. Die Sendung "Lustige Musikanten" mit dem Duo Marianne und Michael wird eingestellt. Auch Dieter Thomas Heck wird seine Tätigkeit als Moderator beenden - auf eigenen Wunsch.

Sorge um das deutsche Liedgut

Betroffen sind gerade mal zwölf Sendungen pro Jahr - für Heino steht damit die Zukunft des deutschen Liedguts auf dem Spiel. "Ich finde es bedenklich, dass man beim ZDF offensichtlich Entscheidungen gegen den Willen des Gebührenzahlers fällt", sagt der Sänger der "Bild"-Zeitung. Das solle man sich nicht gefallen lassen: "Jeder Volksmusikfreund sollte ab sofort einen Volksmusik-Euro von seinen GEZ-Gebühren einbehalten. Ich werde das auch tun. Eine andere Sprache scheint man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht zu verstehen."

Auch die 12.000 Mitglieder zählende Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager und Volksmusik (ADS) hat Einwände gegen die Programmreform. Derzeit prüft die ADS eine Klage gegen das ZDF. Mit einem Rechtsgutachten wolle man klären lassen, ob die Begründung der Entscheidung gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoße. Dem von Heino initiierten Gebührenboykott will man sich aber nicht anschließen: Er sei nicht rechtens und zudem auch praktisch nicht zu handhaben, sagte Manfred Knöpke, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, im Gespräch mit stern.de. Dennoch will er den "Jugendwahn" beim ZDF nicht kampflos hinnehmen. Neben der Klage erwägt man beim ADS auch, den Petitionsausschuss des Bundestages einzuschalten.

Kein Richtungswechsel beim ZDF

Beim ZDF sieht man derlei Protesten gelassen entgegen. Sprecher Peter Bogenschütz sagte zu stern.de, Heino handele mit seinem Aufruf ungesetzlich und mache sich somit strafbar. Aus diesem Grund sei nicht damit zu rechnen, dass der Volksmusiker ernst mache. Die Absetzung von "Lustige Musikanten" begründet Bogenschütz mit den rückläufigen Quoten. Mit Marianne und Michael könne man sich eine weitere Zusammenarbeit hingegen durchaus vorstellen. Derzeit stehe der Sender mit dem Moderatorenduo in Verhandlungen. Dabei gehe es jedoch nicht um eine regelmäßige Sendung, sondern um "Eventprogramme". Von einem generellen Richtungswechsel hin zu einer jüngeren Zielgruppe will Bogenschütz nichts wissen: Nach wie vor mache das ZDF ein Programm, das sich an alle Altersgruppen richte. Konkrete Angaben zu speziellen Jugendprogrammen konnte er nicht machen.

So wird das ZDF in nächster Zukunft mit zwei parallelen Tendenzen leben müssen: Dem Desinteresse des jungen Publikums - und der Wut der von Heino angeführten Volksmusikfreunde.


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