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Rund ums Klo: Welttoilettentag: Sieben Fragen zum (manchmal gar nicht so) stillen Örtchen

Wer hat's erfunden? Wie viele Menschen müssen ihr Geschäft im Freien verrichten? Und warum droht den Briten bei einem No-Deal-Brexit ein Klopapier-Engpass? Am Welttoilettentag drängen sich einige Fragen auf. 


Toilette

Für viele Menschen weltweit ist eine Toilette keine Selbstverständlichkeit.  

Picture Alliance

Sie ist für uns selbstverständlich – gehört zum alltäglichen Leben wie Essen und Schlafen: die Toilette. Für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung gilt das nicht. Der Welttoilettentag am 19. November soll darauf aufmerksam machen, dass einem großen Teil der Menschheit noch immer der Zugang zu ausreichend hygienischen Sanitäreinrichtungen fehlt. Sieben Fragen und Antworten rund ums Klo. 

Wer hat's erfunden?

Die ältesten bisher bekannten Kanalisationen sind 3500 bis 3000 v. Chr. von den Sumerern im Zweistromland erbaut worden. Von 3000 bis 500 v. Chr. bauten Babylonier und Assyrer Klos aus zwei kleinen Mauern mit einem schmalen Zwischenraum, in den die Fäkalien fielen. Mit dem Badewasser wurden sie in die Kanäle gespült. Im alten Griechenland und in Rom gab es einige öffentliche Abortanlagen mit ständiger Wasserspülung. Das erste Klo mit Spülung soll der Brite John Harington Ende des 16. Jahrhunderts erfunden haben. 1775 ließ sich Alexander Cumming ein Patent auf die Toilette mit Spülung ausstellen. Seine Toilette hatte als erste einen sogenannten Siphon, der als Geruchsverschluss dient.

Wie viele Menschen haben keinen Klo-Zugang?

Nach Daten der Vereinten Nationen leben 4,2 Milliarden Menschen weltweit ohne sichere Sanitärversorgung. 893 Millionen Menschen machen ihr Geschäft im Freien. Werden menschliche Ausscheidungen nicht hygienisch entsorgt, können darüber Krankheiten übertragen werden. Jährlich sterben dadurch nach Schätzungen rund 400.000 Menschen. Weltweit nutzen rund zwei Milliarden Menschen Wasserquellen, die durch Fäkalien verunreinigt sind. Die UN sprechen von einer weltweiten Hygienekrise.

Saubere Toilette

Hilft kurzes Spülen beim Wassersparen?

34 Liter Wasser pro Kopf verbrauchen die Menschen in Berlin im Mittel pro Tag beim Spülen der Toilette. Viele Toiletten haben inzwischen zumindest Spartasten. Statt mit acht spülen sie dann mit rund 4,5 Litern Wasser. Das Spülwasser hilft dabei, den Dreck zum nächsten Pumpwerk zu befördern. Es müsse immer mal wieder nachgespült werden, sagt ein Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Das sei auch deshalb wichtig, weil insgesamt immer weniger Wasser benutzt werde, gleichzeitig aber viele Dinge im Klo landeten, die dort nicht hingehören. Unangenehme Folge zu geringen Spülens können demnach Verstopfungen und Fettablagerungen in den Abwasserleitungen sein.

Was sollte nicht im Klo entsorgt werden?

Essensreste, Medikamente, Tampons, Kondome, Slipeinlagen, Zigarettenkippen, Feuchttücher, Wattepads, Lösungsmittel, Farb- und Lackreste – all das hat nichts in der Toilette zu suchen. Derlei Dinge können für Verstopfungen und aufwendige Entsorgungsmaßnahmen sorgen sowie Schäden an den Pumpwerken bewirken. Im Klo entsorgte Essensreste locken Ratten an.

Wer wäscht sich "danach" die Hände – und wer nicht?

Eine repräsentative Befragung der Hochschule Stiftung Rehabilitation Heidelberg ergab, dass sich sieben Prozent der Menschen nicht die Hände waschen, wenn sie von der Toilette kommen. 27 Prozent waschen sich die Hände nur mit Wasser, 58 Prozent nehmen Seife dazu. Acht Prozent der Befragten waschen sich die Hände wie von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfohlen: 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife und auch zwischen den Fingern.

Sollte man Einjährige zum Toilettengang zu drängen?

Kinder gewöhnen sich in ganz unterschiedlichem Tempo an die Toilette. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung macht es keinen Sinn, sie dazu zu zwingen. Im Gegenteil: Bei vielen Kindern kann das Stress und Angst auslösen.

Brexit: Droht den Briten ein Klopapier-Engpässe?

Dass den Briten im Falle eines No-Deal-Brexits das Klopapier ausgehen könnte, hat selbst die Parlamentarier im Unterhaus schon beschäftigt. Die Regierung sagt, sie werde sich darum bemühen, die Warenströme aufrechtzuerhalten. Großbritannien importiert viele Hygieneartikel. Ein schwedischer Hersteller hatte gewarnt, dass bei einem Brexit ohne Abkommen Verzögerungen an den Grenzen und Hamsterkäufe schnell zu leeren Lagern führen könnten.

Anne Pollmann / deb / DPA
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