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Angelina Jolie: Die gefallene Heilige

Angelina Jolie hat ein Problem. Hollywoods schönste Schauspielerin findet sich plötzlich im Hagel der Kritik wieder: Sie sei arrogant, abgehoben, divenhaft. Titel, für die es keine Auszeichnungen gibt in Hollywood, sondern nur Negativ-Schlagzeilen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Die renommierte New York Times widmet dem neuen zweifelhaften Image der fast schon heilig gesprochenen Queen aller Adoptionen (obwohl diese Ehre doch eigentlich Woody Allen gebührt, der insgesamt vier Kinder adoptiert hat) fast eine ganze Seite: Angelina Jolies gute Intentionen seien "zweifelhaft". Und selbst das Celebrity-Sprachrohr "US Weekly" greift ein in die plötzlich anschwellende Jolie-Kritk, und beschreibt das Verhalten der dreifachen Mutter bei einem Foto-Shooting als "Albtraum". Warum die plötzliche Kritik an einer, die auszog, um die Welt zu verändern? ¬Was hat Angelina Jolie falsch gemacht? Ist es der Neid der "Pitt-losen", die Jolie plötzlich in die Ecke der Buhmänner stellen wollen?

"Sie hat sich schon verändert in letzter Zeit", weiß Hollywood-Filmkritiker Bob Strauss zu berichten. Früher, so erinnert er sich, "tauchte Jolie ohne Manager und ohne Publizist zu Presseterminen auf, schwatzte einfach drauf los, ohne sich große Gedanken zu machen, ob ihre Aussagen Konsequenzen haben könnten". Heute, so fährt der Reporter fort "ist das anders. Sie ist umringt von Beschützern, lässt vor Interviews mitteilen, dass Fragen nach Pitt und den Kindern tabu sind".

Vor den Golden Globes kommt Müsli

Wie sehr sich die 31-Jährige in den letzten Monaten gewandelt hat, wurde unlängst beim Besuch der Golden Globes deutlich. Auf die Frage eines TV-Reporters, wie sie sich denn den Morgen vor dem Event vorbereitet hatte, reagierte die sonst so warmfühlige und "fast schon heilig gesprochene Jolie" (New York Times) mit Stirnrunzeln. "Wir haben Müsli gegessen". "Müsli", grummelte sie ins Mikrofon und zog kopfschüttelnd weiter. Jeder kann mal schlecht drauf sein. Komisch nur, dass kurz nach dem Auftritt plötzlich von Überall her Geschichten auftauchten, die der Öffentlichkeit ein Bild einer Frau zeichneten, die nicht nur durch Entwicklungsländer reist und helfend ihre Arme ausbreitet, sondern eine echte Zicke ist.

Bei der Premiere des Films "God Grew Tired of Us", einem Dokumentarfilm über verlorene Jungen im Sudan (Co-Produzent ist Brad Pitt), drängelte sich Jolie durch die wartenden Fans, ohne auch nur eine Frage zu beantworten. Und was war da los, als Pitt bei einer After-Party freundlich mit Courtney Cox Arquette plauderte und Jolie ihn recht rüde während der Unterhaltung zur Seite zog. Sollte es etwas damit zu tun haben, dass Cox Arquette die beste Freundin von Jennifer Aniston ist? ¬Das ist bekanntlich die Ex-Frau vom "Sexiest Man Alive".

Keine Minute, um den Tod der Mutter zu verdauen

Sicher, eine Frau wie Jolie steht unter enormem Druck. Findet sie doch noch nicht einmal eine ruhige Minute, um den Tod ihrer Mutter Michelle Bertrand alleine zu verdauen. Schon beim Verlassen des Hospitals schießen die Blitzlichter der Fotografen ins Auto einer verheulten Jolie. Aber das Image der selbstlosen Frau, die einer Mutter Theresa näher stehen will als einer Oscar-Gewinnerin, ist angeknackst. Und von ihrer wilden Vergangenheit will sie plötzlich auch nichts mehr wissen. War es doch Jolie, die einst das Blut ihres Ehemannes Billy Bob Thornton in einer Hülse um den Hals trug und in voller Ledermontur zugab, dass Schmerzen manchmal auch schön sein können.

Vielmehr lässt sie sich heute von TV-Kameras in Afrika begleiten. Sie redet mit Anderson Cooper von CNN über Flüchtlingslager und "will einfach nur Gutes tun". Ihr schmutziges Kopftuch, das sie für ein Fernsehinterview in einem afrikanischen Auffanglager trug, passt nur leider gar nicht zu den perfekt geschminkten Lippen und den dem tadellosen Make-Up. Hat sie das schmutzige Tuch mit Absicht angezogen, wie die New York Times mutmaßt? Angelina Jolie ist ein Hollywood-Star. Gefangen zwischen zwei Welten. Glamour und Reichtum auf der einen, Botschafter für die Unterprivilegierten auf der anderen Seite. Offensichtlich kann sich die Oscargewinnerin nicht so recht entscheiden, auf welche Seite sie sich stellen soll. Und das bereitet ihr ein Imageproblem, das zumindest die Karriere als Moviestar derzeit enorm gefährdet. Vielleicht ist sie auch deshalb so mies gelaunt. Menschen wie Jolie wollen wie Normalbürger leben, aber dann doch bitteschön so fürstlich wie Superstars behandelt werden.