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Britney Spears: Die Geister, die ich rief

Das Spiel mit den Medien hat Britney Spears verloren. Längst bestimmt nicht mehr sie, sondern die Papparazzi, welche Fotos von ihr veröffentlicht werden. Einen Großteil der Schuld an diesem medialen Albtraum trägt nicht sie selbst, sondern ihr Umfeld.

Von Carla Quick

Kennen Sie das? Man fährt an einem schlimmen Unfall vorbei, auf der Autobahn oder einer kurvenreichen Landstraße. Auch wenn einige von uns den Impuls verspüren, helfen zu wollen, muss man vor allem eines: hinsehen. So ähnlich wie die hilflosen Opfer in ihrem Auto muss sich Britney Spears fühlen, wenn ihr alle Welt zusieht, wie ihr mehr und mehr der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Hat Britney an diesem Albtraum selbst schuld? Oder ist sie das Opfer der Geschäftemacherei ihrer Familie und Fotografen?

Die einen sagen, sie hat ihr Schicksal selbst gewählt. Sie ist ein Popstar und damit automatisch eine Figur öffentlichen Interesses. Sie hat sich gewünscht, ein Star zu sein, im Rampenlicht zu stehen, Autogramme zu geben und auf der Straße erkannt zu werden. Und dafür hat sie bereitwillig in Kauf genommen, kein Privatleben mehr zu haben und ständig unter Beobachtung von Fotografen zu stehen. Und Britney trägt einiges dazu bei, dass Papparazzi leichtes Spiel haben. Kein Star macht es Hobbyfotografen so leicht, sie auf der Fahrt ins Starbucks-Café, auf Sauftour oder ohne Höschen abzulichten.

Doch was sie jetzt erlebt, bringt den naiven Traum eines Kindes, ein Popstar sein zu wollen, zum Platzen. Längst hat sie die Kontrolle über ihr Bild in den Medien verloren. Fotos, wie sie verwirrt und völlig erschöpft aus dem eigenen Haus getragen wird. Nach einem Stunden andauernden, verzweifelten Versuch, seine Kinder bei sich zu behalten. Beobachtet von einer unzähligen Menge Paparazzi, die selbst im Krankenwagen um ein kurzes Statement betteln. Die kaum die Einfahrt zum Haus freimachen können, weil sie sich gegenseitig auf die Füße treten. Die Geister, die Britney rief, sie wird sie nicht mehr los.

Das Perverse daran ist: Vielleicht hat Britney diese Situation sogar tatsächlich genossen. Sie ist das öffentliche Interesse an ihrer Person seit Jahren gewöhnt. Es scheint, als sei dies für sie die Bekundung von Zuneigung. Seit ihrer Trennung von Justin Timberlake gibt es kaum eine Person in ihrem Umfeld, die sie mag für das, was sie ist und nicht für das, was sie erreicht hat.

Ihr Umfeld ist an allem Schuld, sagen die anderen. Zum einen ihre Mutter, die sie seit schon von Kind an auf Erfolg getrimmt hat, für ihr einst unschuldiges Schulmädchen-Image sorgte, scheint Britney nur noch auszunutzen. Nach dem Zusammenbruch ihrer 26-jährigen Tochter wendet sie sich äußerst medienträchtig an einen TV-Psychologen, um Hilfe für das Kind zu erbitten, ein Fernseh-Special war bereits in der Mache, wurde in letzter Minute abgesagt, weil Britney beim öffentlichen Seelenstriptease nicht mitmachen wollte.

Was ist mit dem Menschen, den Britney nach Entlassung aus dem Krankenhaus "meinen einzigen Freund auf der Welt nennt"? Adnan Ghalib ist ein britischer Paparazzi. Einer, der es sich zum Beruf gemacht hat, aus Britneys Leben Profit zu schlagen. Wie groß kann sein Interesse an ihrer Person sein, wenn er mit seiner Agentur Millionenbeträge für Fotos der Sängerin aushandelt? Manch einer wird sich fragen, wie sie nur so dumm sein kann. Wieso sie immer und immer wieder Menschen ihr Vertrauen schenkt, die sie so offensichtlich benutzen. Aber wie sollte eine Britney Spears denn die guten von den schlechten Freunden unterscheiden können, wenn ihr komplettes Umfeld aus der einen Sorte besteht?

Mit Ghalib zieht Britney also nun um die Häuser. Lächelt, nur einen Tag nachdem sie das Krankenhaus verlassen hat, wieder freudig in unzählige Kameras. Hoffen wir, dass sie ehrlich lächelt. Nicht alles spricht dagegen: Ihr Vater soll Britney im Krankenhaus und in den Stunden danach zur Seite gestanden haben. In ihrem Blut sollen keine Spuren von Alkohol oder Drogen gefunden worden sein. Hoffen wir, dass es sich bei Britneys Problemen um Blechschäden handelt, die sich beheben lassen - wir wollen sie nicht irgendwann als Totalschaden vermelden müssen.

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