Broadway-Experiment "Ich habe mir beinahe in die Hosen gemacht"


Sie sind alle Hollywoodprofis, doch vor dem Broadway bekommen selbst sie das Zittern: Demi Moore, Ashton Kutcher, Eva Mendes und 19 weitere Stars haben sich in New York der Herausforderung gestellt, abends ein Theaterstück zu spielen, das es am Morgen noch nicht gab.
Von Nicole Krättli, New York

"Ich habe jede einzelne Textzeile versaut und mir vor der Aufführung beinahe in die Hosen gemacht, so aufgeregt war ich", berichtet Eva Mendes nach ihrem Bühnen-Debüt und wirkt dabei immer noch leicht überdreht. Da dürfte die Schauspielerin, bekannt aus Filmen wie "2 fast and 2 furios" oder "Hitch - Der Date Doktor", nicht die einzige gewesen sein. Denn nicht wenige der 24 nationalen und internationalen Stars betraten am gestrigen Abend im "American Airlines Theater" in New York unbekanntes Terrain.

Grund für das Star-Aufgebot war das neunte "24 hour plays on Broadway", eine alljährliche Benefizveranstaltung für "Urban Arts partnership", welche sich zum Ziel gesetzt hat, qualitativ hochwertigen Kunstunterricht in öffentlichen Schulen zu gewährleisten. Dank des gestrigen Abends konnten 350.000 Dollar Spendengelder gesammelt werden, welche insgesamt 60 Schulen und über 12.000 Studenten in ganz Amerika zugute kommen. Außergewöhnlich war allerdings nicht allein die Tatsache, dass sich Filmgrößen dieses Formats auf die Theaterbühne wagten, sondern viel eher der straffe Zeitplan, dem sie Folge zu leisten hatten. 22 Stunden vor der Aufführung existierte nämlich noch keines der Stücke.

Am Sonntagabend um 20 Uhr haben sich die Schauspieler, Stückeschreiber sowie Helfer erstmals getroffen und mögliche Handlungen diskutiert. Über Nacht dachten sich die sechs Nachwuchsschreiberlinge, welche sich aufgrund eines Talentwettbewerbs für diesen Anlass qualifizierten, je eine zehnminütige Szene aus und schrieben ein vollständiges Drehbuch dazu. Früh morgens kam das Team erneut zusammen und übte bis kurz vor Zuschauereinlass die entsprechenden Episoden. Episoden, welche noch nie zuvor und auch nie wieder danach aufgeführt werden.

Das Resultat dieses mutigen Experiments konnte sich zweifellos sehen lassen. Sechs völlig unterschiedliche aber gleichermaßen amüsante Sketche, die von den Ängsten vor dem ersten Rendezvous, einem versehentlich getöteten Kanarienvogel, Lästereien über den Ex bis hin zum Befall von Bettwanzen handelten. Trotz vereinzelt leicht holpriger Stellen konnten alle Schauspieler beweisen, dass sie nicht nur vor der Kamera bestehen können - nein, wenn es sein muss, dann klappt es auch vor Live-Publikum und ohne Szenen-Wiederholungen.

Doch warum wagen die Stars überhaupt eine allfällige Bühnen-Blamage? "Ich suche immerzu nach Möglichkeiten, mich außerhalb meines gewohnten Umfelds beweisen zu können. Deshalb bin ich hier", erklärt Demi Moore. Jennifer Aniston hingegen hatte einen ganz anderen Ansporn für ihre Teilnahme am "24 hour plays". "Ich würde unglaublich gerne ein zweites Mal mit Rosie Perez arbeiten. Sie ist ein Vorbild für mich."

Im Gegensatz zu Eva Mendes hatte Fisher Stevens (Only you, Uptown Girls und Lost) keine Angst seinen Text zu vergessen. Kein Wunder - er spielte schließlich Liev Schreibers Hund (bekannt aus X-Men Origins, Scream oder CSI), der lästige Bettwanzen aufschnüffelt. "Normalerweise wäre ich wegen des Textes wohl ziemlich nervös gewesen. Doch dieses Mal war es ein wenig anders. Ich musste mir lediglich merken, wann ich zu bellen habe", erzählt Stevens lachend.

Emmy Rossum (The Day after tomorrow und The Phantom of the Opera) hat schon im Voraus für allfällige Textpannen vorgesorgt. Dank ihrer Rolle als Kellnerin in einem Bistro, müsse sie ohnehin einen Block in der Hand halten. Darauf habe sie sich die eine oder andere Textnotiz gemacht, gab das 23-Jährige Nachwuchstalent nach der Vorführung zu. "Die letzten 24 Stunden waren großartig. Live vor Publikum zu spielen, ist eine große Herausforderung. Ich liebe den Nervenkitzel, denn du weißt nie, was im nächsten Augenblick passiert."


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