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Anwalt Christian Schertz im stern "Die Anonymität hat zu einer unfassbaren Verrohung im Netz geführt"

Medienanwalt Christian Schertz
Christian Schertz in seinem Büro am Berliner Ku'damm. Der Anwalt sammelt Fotokunst.
© Olaf Becker
Der Medienanwalt Christian Schertz vertritt Prominente wie Herbert Grönemeyer oder Jan Böhmermann. Im stern-Interview spricht er über die Verrohung im Netz - und verrät, was er für die größte Bedrohung der Privatsphäre hält.

Zu seinen Klienten gehören Herbert Grönemeyer, Maria Furtwängler, Günther Jauch oder Thomas Gottschalk. Christian Schertz ist Deutschlands bekanntester Medienanwalt, der seine Klienten dabei hilft, ihre Privatsphäre zu schützen. Ein Recht, das ihnen auch dann zusteht, wenn sie in der Öffentlichkeit tätig sind: "Nur weil jemand öffentlich auftritt, hat er nicht sein Recht auf Privatsphäre verloren", sagt Schertz im Interview mit dem stern. Er rate seinen Mandanten deshalb: "Geh auf die Bühne, dreh deine Filme und geh dann nach Hause." Die Gerichte seien da rigoros: "Die haben eine Regel: entweder Tür auf oder Tür zu." Wer die Tür zum Privaten weit geöffnet habe, verliere seinen Schutz. 

Als größte Bedrohung für die Privatsphäre in diesem Land sieht er neben den Geheimdiensten soziale Netzwerke wie Facebook und ihre Nutzer: Menschen, "die bedenkenlos Privates im Netz posten, um irgendwie stattzufinden", sagt Schertz dem stern. Das Problem an der Sache: "Das Netz vergisst nicht." Ein Rat, den er bei Vorträgen in Schulen immer wieder gibt: "Passt auf! Denkt zweimal nach, bevor ihr auf den Knopf drückt und Privates in ein weltumspannendes, kollektives Gedächtnis einspeist."

"Böhmermanns Text ist Kunst"

Im Netz sei es zu einer "unfassbaren Verrohung" gekommen, begünstigt durch die Anonymität. Sorge bereite ihm aber eine andere Entwicklung: "Immer mehr Leute beleidigen und beschimpfen andere mittlerweile unter ihrem Klarnamen, weil sie glauben, das sei okay."

Christian Schertz vertritt auch den Satiriker Jan Böhmermann gegen den türkischen Präsidenten Erdogan. Satire dürfe zwar nicht alles, so Schertz im stern-Interview, aber Böhmermanns Text sei Kunst und müsse im gesamten Kontext seiner Darbietung bewertet werden. "Er war nämlich - künstlerisch bewusst überhöht - eine Art Rechtsseminar über das, was in Deutschland erlaubt ist und was nicht."

Das komplette Interview mit Christian Schertz lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des stern.

che

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