Im Fall Collien Fernandes berichtet die Wochenzeitung „Zeit“, sie habe in einem stundenlangen Interview mit Christian Ulmen, dem Ex-Mann von Fernandes, über die Anschuldigungen gegen ihn gesprochen. Doch sie dürften dies weder veröffentlichen noch daraus zitieren.
Es wäre die erste öffentliche Reaktion des Schauspielers auf die Vorwürfe seiner Ex-Frau gewesen. Fernandes wirft ihm unter anderem sexualisierte digitale Gewalt vor und ging im März im Magazin „Spiegel“ damit an die Öffentlichkeit. Der Fall hatte deutschlandweit für einen Aufschrei gesorgt, auch internationale Medien berichteten. Auch im stern hatte Collien Fernandes in einem Interview ausführlich über ihren Fall gesprochen. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Die „Zeit“ besuchte nach eigenen Angaben für Recherchen zu dem Fall auch Ulmen. Seine Worte dürften aber „nicht dokumentiert“ werden. Ende März habe man fünf Stunden mit dem 50-Jährigen und seinem Anwalt, dem Medienrechtler Christian Schertz, auf Mallorca gesprochen. Ulmen habe dabei „umfassende Antworten“ gegeben.
„Zeit“: Christian Ulmen und Christian Schertz
Danach sei eine „wochenlange Auseinandersetzung über Formulierungen“ gefolgt, so die „Zeit“. Es sei vereinbart worden, dass Ulmen entscheiden darf, welche Zitate veröffentlicht werden.
Im Journalismus ist dieses Verfahren üblich und wird „Autorisierung“ genannt. Befragte erhalten, wenn gewünscht, das Interview noch einmal zur Ansicht und können die Zitate freigeben oder Änderungen verlangen.
Laut „Zeit“ kassierten Ulmen und Schertz jedoch alle Zitate. Später habe man ein weiteres Gespräch mit dem Medienanwalt allein geführt. Auch danach seien alle Zitate zurückgezogen worden.
Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt
Der Fall Fernandes ist komplex: Die 44-Jährige wirft Ulmen neben körperlichen Übergriffen auch sexualisierte digitale Gewalt vor. Als Reaktion auf den „Spiegel“-Bericht, in dem auch Streitigkeiten des Paares in Spanien geschildert wurden, hatte Ulmens Anwalt Christian Schertz Ende März betont: „Es kam zu keinerlei einseitigen Gewalthandlungen und/oder Bedrohungen unseres Mandanten.“ Vielmehr sei die Polizei in Spanien von beidseitigen Verfehlungen ausgegangen.
Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es gehe um den Vorwurf der Körperverletzung im Rahmen häuslicher Gewalt, sagte eine Sprecherin der Behörde Ende Mai. Konkret gehe es um mehrere Vorfälle, die sich in den Jahren 2022 und 2023 in Spanien ereignet haben sollen. Die Vorwürfe der „digitalen Gewalt“ würden weiterhin geprüft. Zuvor hatte der Fall bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe gelegen. Ulmen selbst bestreitet die Anschuldigungen. Auch hier gilt für ihn die Unschuldsvermutung.