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Kampagne: Blaues Auge, blutige Lippe: Was es mit diesem krassen Foto von Detlef D! Soost auf sich hat

Als Jugendlicher erfuhr er Mobbing am eigenen Leib. Diese Erfahrung will er anderen ersparen – deshalb setzt sich Detlef D! Soost mit einer neuen Kampagne gegen Mobber und für deren Opfer ein. Das Plakatmotiv erschüttert.

Erschreckendes Foto: Plakatmotiv von Detlef D! Soost gegen Mobbing

Erschreckendes Foto: Das Plakatmotiv von Detlef D! Soost gegen Mobbing

Blut rinnt an seinem Hals hinunter. Die Unterlippe aufgeplatzt und blutverkrustet, das rechte Auge zugeschwollen und blau angelaufen. Auf der Stirn ein Kreuz und der in die Haut geritzte Schriftzug: "Ballerina". Neben seinem Porträt prangt der Schriftzug: "Nigger". Wer dieses Foto von "Popstars"-Coach und Profitänzer Detlef D! Soost zieht, zuckt unweigerlich erschrocken zusammen. 

Die gute Nachricht: Das Bild rührt nicht von einer brutalen Attacke auf den 48-Jährigen her, sondern wurde für eine Plakatkampagne bearbeitet. Die schlechte Nachricht: Aus der Luft gegriffen ist das Motiv nicht. Die Kampagne richtet sich gegen Mobbing, will dazu aufrufen, sich für die Opfer unfairer Attacken stark zu machen. Und Soost zeigt auf dem Foto in drastischer Form lediglich, wie er als Jugendlicher unter Mobbing zu leiden hatte. 

Der Tänzer macht sich für Mobbingopfer stark

"Jeder Mensch hat Stärken und jeder Mensch hat Dinge, für die andere ihn angreifen können", schreibt der Tänzer und Choreograf in einem Facebook-Post, in dem er seinen Fans die Plakatkampagne vostellt. Er selbst wuchs als dunkelhäutiges Kind in Ostberlin auf, zudem lebte er im Kinderheim, sein Erzeuger bestritt die Vaterschaft, das Verhältnis zwischen beiden war schlecht bis nichtexistent. Als wäre das alles nicht schwer genug, hatte Soost früh seine Leidenschaft fürs Tanzen entdeckt. So musste er sich immer wieder gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wehren. Heute macht er sich für Jugendliche, denen es ähnlich geht, stark. 

Doch auch für die Täter hat der Profi-Tänzer Verständnis. Er versucht, die Motivation fürs Mobben zu ergründen: "Warum? Um selbst nicht in den Focus des Angriffs zu geraten", erklärt er. Eine Taktik, die nicht notwendig wäre, wenn alle entspannter und toleranter miteinander umgehen würden – auch in der schwierigen Zeit der Pubertät. "Für alle Mobber: Stark bist du, wenn deine Umarmung kein Schwitzkasten sondern ein Schutz ist", stellt der 48-Jährige klar. Hoffentlich kommt das bei denen an, bei denen es am nötigsten ist.

Mehr Informationen: www.stoppt-mobbing.de

Keaton Jones
wt
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