Die BAFTA-Awards wurden in diesem Jahr durch eine hochemotionale Debatte um einen rassistischen Ausruf überschattet: Während die "Blood & Sinners"-Co-Stars Michael B. Jordan (39) und Delroy Lindo (73) auf der Bühne standen, um die Kategorie "Beste visuelle Effekte" zu präsentieren, hallte das N-Wort aus dem Zuschauerraum durch den Saal. Urheber des Ausrufs war der Tourette-Aktivist John Davidson (54).
Moderator wies auf Zwischenrufe hin
Davidson ist die Inspiration hinter dem Biopic "I Swear", für das Hauptdarsteller Robert Aramayo (33) am selben Abend als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde. Davidson leidet an einer schweren Form des Tourette-Syndroms, die mit Koprolalie einhergeht - dem unwillkürlichen Ausstoßen von Tabu-Wörtern.
Im Einklang mit dem feierlichen Ton des Abends unterbrach Moderator Alan Cumming (61) während der Moderation mehrfach die Show, um die Zuschauer darauf hinzuweisen: "Sie haben vielleicht verstörende Sprache im Hintergrund bemerkt. Das kann Teil dessen sein, wie sich das Tourette-Syndrom bei manchen Menschen äußert", sagte er unter Bezugnahme auf "I Swear". "Danke für Ihr Verständnis und dafür, dass Sie dazu beitragen, einen respektvollen Raum für alle zu schaffen."
Tourette-bedingte Ausrufe von Davidson traten bereits in den ersten 20 Minuten der BAFTA-Zeremonie mehrfach auf, als er "Langweilig!" rief, während den Gästen der Ablauf vor Beginn der Show erklärt wurde, und "Schwachsinn!", als die geladenen Zuschauer gebeten wurden, nicht zu fluchen. Außerdem rief er "Halt die Klappe", während BAFTA-Chefin Sara Putt ihre einleitenden Worte sprach.
Scharfe Kritik von Jamie Foxx und weiteren
Delroy Lindo und Michael B. Jordan haben sich bislang noch nicht offiziell geäußert. "Vanity Fair" berichtet, dass Lindo dem Magazin bei einer Afterparty gesagt habe, er und Jordan hätten "getan, was wir tun mussten", indem sie auf der Bühne ruhig geblieben seien. Lindo äußerte jedoch den deutlichen Wunsch, "dass jemand von den BAFTA-Veranstaltern anschließend mit uns gesprochen hätte".
Schauspieler Jamie Foxx (58) wurde in seiner Kritik des Eklats deutlicher. Der Hollywood-Star kommentierte unter einem Social-Media-Post zu dem Vorfall und schrieb: "Nicht akzeptabel" und "Nein, das meinte er so".
Der Schauspieler Wendell Pierce (62), bekannt aus der HBO-Serie "The Wire", sagte: "Es ist ärgerlich, dass die erste Reaktion keine vollständige und deutliche Entschuldigung an Delroy Lindo und Michael B. Jordan war. Die Beleidigung ihnen gegenüber hat Vorrang. Es spielt keine Rolle, aus welchem Grund der rassistische Ausruf erfolgte."
Die Produktionsdesignerin von "Blood & Sinners", Hannah Beachler (55), erklärte in den sozialen Medien, dass auch sie selbst beim Verlassen der Veranstaltung mit einem rassistischen Ausruf von Davidson konfrontiert worden sei, und kritisierte die ihrer Ansicht nach unzureichende Entschuldigung der Verantwortlichen.
Preisträger nimmt Davidson in Schutz
Robert Aramayo, der den BAFTA als bester Schauspieler für seine Darstellung von Davidson im Biopic "I Swear" erhielt, erklärte verteidigend, dass der Ausruf, den Davidson den "Blood & Sinners"-Co-Stars entgegenrief, ein "Tic" war und "kein absichtliches Fluchen".
Besonders schwer wiegt auch die Kritik gegen den Sender BBC. Das Event wurde nicht live übertragen, sondern mit einer Verzögerung von zwei Stunden gesendet. Kritiker äußerten Unverständnis darüber, dass das N‑Wort hörbar blieb, während etwa ein Kommentar von Akinola Davies Jr., mit "Free Palestine" entfernt wurde. Ebenso wurde ein Witz von Cumming, der offenbar auf Donald Trump anspielte, sowie das Wort "piss", das von Preisträger Paul Thomas Anderson gesagt wurde, zensiert.
Am Montag veröffentlichte die BBC eine Entschuldigung. Die Szene werde nun aus der Version im BBC iPlayer entfernt. BAFTA erklärte in einer Stellungnahme, man erkenne den "angerichteten Schaden an, kläre den Vorfall auf und entschuldige sich bei allen Betroffenen".