Mit Sarah Engels betritt beim ESC in Wien (Samstag, 16. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) eine Künstlerin die Bühne, die seit Jahren fest zur deutschen Poplandschaft gehört. Geboren 1992 in Köln und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, wurde sie durch die Teilnahme bei "Deutschland sucht den Superstar" bekannt, wo sie hinter ihrem baldigen Ehemann Pietro Lombardi 2011 den zweiten Platz belegte. Einen besseren Start für eine große Boulevardkarriere gibt es wohl nicht. Auch in anderen Contest-Shows wusste die kämpferische Kölnerin zu überzeugen. Nun allerdings steht der 33-Jährigen die größte Bühne ihres Lebens bevor: Die zweifache Mutter vertritt Deutschland mit ihrem Song "Fire" beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Wie hält man es aus, wenn das "Schicksal" eines ganzen Landes an den eigenen Stimmbändern hängt?
teleschau: Wie nervös werden Sie vor dem Auftritt sein?
Sarah Engels: Ich glaube, eine gewisse Nervosität gehört immer dazu – und das ist auch gut so. Das zeigt ja, wie viel mir das bedeutet. Ich versuche aber, diesen Zustand eher als Energie zu sehen und nicht als Druck.
teleschau: Gibt es bei Ihnen so ein Gefühl wie: Das ist jetzt der wichtigste Auftritt meines Lebens?
Sarah Engels: Natürlich ist das ein ganz besonderer Auftritt für mich. Ich denke auch, dass es eine der größten Chancen meiner bisherigen Karriere ist. Aber ich versuche, mir da nicht zu viel Druck zu machen. Für mich geht es eher darum, diesen Moment bewusst zu erleben und wirklich bei mir zu bleiben.
"Ich habe über die Jahre gelernt, mehr auf mich selbst zu hören"
teleschau: Können Sie etwas mit dem Gefühl anfangen, Deutschland zu repräsentieren?
Sarah Engels: Ja, absolut. Es ist eine große Ehre für mich, Deutschland vertreten zu dürfen. Man spürt schon diese besondere Verantwortung, für so viele Menschen auf der Bühne zu stehen. Gleichzeitig ist es mir aber wichtig, dabei ganz bei mir zu bleiben und authentisch zu sein. Ich glaube, genau das macht es am Ende aus.
teleschau: Den Song "Fire" haben Sie als sehr persönlich bezeichnet. Es geht ums Wiederaufstehen und innere Stärke nach Niederlagen. Auch um toxische Beziehungen. Was haben Sie aus solchen Lebenssituationen gelernt?
Sarah Engels: Ich habe über die Jahre gelernt, mehr auf mich selbst zu hören und meine eigenen Grenzen ernst zu nehmen. Gerade nach schwierigen Phasen merkt man oft erst, wie wichtig es ist, wieder zu sich selbst zu finden. Für mich bedeutet Stärke heute nicht, immer perfekt zu sein, sondern ehrlich mit sich zu sein und Dinge loszulassen, die einem nicht guttun. Und genau daraus entsteht dann auch diese Kraft, weiterzugehen.
"Ich möchte, dass die Menschen ihr inneres Feuer wiederfinden"
teleschau: Sie haben fast Ihr gesamtes Erwachsenenleben in der Öffentlichkeit und oft bei Contests verbracht. Dabei schnitten Sie oft sehr gut ab und haben viele "Contests" gewonnen. Haben Sie ein Persönlichkeitsmerkmal, das dafür verantwortlich ist?
Sarah Engels: Ich habe nie aufgehört, an mich zu glauben – auch in schwierigeren Momenten. Und ich bin jemand, der sehr viel fühlt, und das lasse ich auch in meine Musik einfließen. Ich denke, genau das hilft mir, auf der Bühne wirklich ehrlich zu sein.
teleschau: Mal ganz einfach gefragt – was könnte Ihnen der ESC bringen?
Sarah Engels: Ich glaube, gerade in diesen wenigen Minuten geht es darum, dass etwas Echtes rüberkommt. Man kann viel planen, aber am Ende spüren die Menschen, ob es ehrlich ist oder nicht. Genau darauf versuche ich mich zu konzentrieren. Ich möchte, dass sich die Menschen in "Fire" wiederfinden und es schaffen, ihr inneres Feuer wiederzufinden. Wenn dies passieren würde, wäre es für mich das Allerschönste.
"Ich wünsche mir, dass wir als Land hinter unserem Künstler stehen"
teleschau: Wie verbringen Sie die letzten Stunden vor dem Auftritt?
Sarah Engels: Ich versuche, bei mir zu bleiben und mir bewusst Ruhe zu nehmen. Vielleicht noch mal die Stimme aufwärmen, mich sammeln, eine kleine Meditation – und einfach in das Gefühl reinkommen, was ich auf der Bühne zeigen möchte.
teleschau: Deutschland hat beim ESC in den letzten Jahren meist schlecht abgeschnitten. Warum?
Sarah Engels: Ich glaube, es gibt dafür nicht den einen Grund. Beim ESC spielen so viele Faktoren eine Rolle – der Song, der Moment, die Verbindung zum Publikum. Am Ende kann man das Ergebnis nicht komplett steuern – aber man kann beeinflussen, wie ehrlich, wie authentisch und mit wie viel Gefühl man auf der Bühne steht. Ich wünsche mir einfach, dass wir als Land auch hinter unserem Künstler stehen und ein Stück weit stolz darauf sind, wer uns dort repräsentiert. Diese Unterstützung kann unglaublich viel bewegen.
teleschau: Muss man sich das als deutsche Künstlerin nicht zweimal überlegen, sich der Häme im Zuge einer ESC-Teilnahme auszusetzen?
Sarah Engels: Also ich habe nicht zweimal überlegt (lacht). Für mich überwiegt ganz klar die Chance, diese Erfahrung zu machen. Es ist die größte musikalische Bühne der Welt – und ich einfach wahnsinnig dankbar, dort stehen zu dürfen.