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Eco-Age: Kinoheld in Ökowelt

Bei Eco-Age in London kann man Dinge kaufen, die nicht nur schick, sondern auch ökologisch korrekt sind. Zum Erfolg trägt bei, dass ein Prominenter mitmischt: Schauspieler Colin Firth.

Von Cornelia Fuchs

Um die Eröffnung dieses kleinen Ladens in der Hauptstraße des West- Londoner Vorortes Chiswick gab es eine ziemliche Aufregung. Es ging um die Frage, ob hier der britische Schauspieler Colin Firth, berühmt für seine Rollen in "Mamma Mia" und den "Bridget Jones"- Verfilmungen, leibhaftig hinter der Kasse stehen würde. Das macht er nicht - auch wenn dieses Geschäft eine Familienangelegenheit für ihn geworden ist.

Der Laden Eco-Age war die Idee von Nicola Giuggioli, einem 26-Jährigen mit einer Leidenschaft für gutes Design aus nachhaltigen Materialien und mit dem Glück, dass seine Schwester Colin Firth geheiratet hat. Als Giuggioli vor etwas über einem Jahr seinem Schwager von dem Plan erzählte, eine Art Ideen-Supermarkt für das ökologische Eigenheim aufzumachen, riet Firth ihm, doch mit einem Geschäftsplan wiederzukommen.

"Verwöhnte Mittelklasse-Menschen"

Und nun steht er da, der Laden, neben einem Geschäft für chinesische Medizinkräuter und mehreren Bioläden. Chiswicks Einkaufsstraße macht ein gutes Geschäft mit Menschen, die bereit sind, beim Einkauf auf mehr zu achten als auf den Preis. Menschen, die gepflegte Dinner-Einladungen lieben und deren Kinder Fremdsprachen lernen, die der neuesten Mode folgen und sich gleichzeitig Gedanken darüber machen, woher die Baumwolle kommt, aus der sie hergestellt ist.

Colin Firth unterstützt seit Jahren Amnesty International und die Hilfsorganisation Oxfam und machte bereits mehrere Cafés mit fair gehandelten Produkten auf, als diese im Rest der Stadt nur in den Tiefen kirchlicher Wohltätigkeitsbasare zu finden waren. Er sagt: "Der Laden ist für ziemlich besorgte, aber eigentlich verwöhnte Mittelklasse-Menschen, die glauben, irgendwas müssten sie mal gegen Klimaerwärmung tun - Leute wie mich!"

Das Geschäft seines Schwagers (www. eco-age.com) kombiniert Design mit Öko - mit der Betonung auf Design. Nicola Giuggioli hat nie akzeptiert, dass ökologisch vernünftige Produkte nichts mit Ästhetik zu tun haben können. Er weiß auch um die Kritik an seiner Idee: Wie kann ein Geschäft, das den Spaß am Einkaufen fördert, umweltverträglich sein? Als Antwort erzählt er eine Anekdote: "Nach unserer Eröffnung bot uns ein junger Mann hässliche Hanftaschen an. Der Hanf stamme aus England, und die Tasche sei ein Zeichen gegen unsere Konsumgesellschaft." Nicola fragte ihn, ob er bisher eine einzige davon verkauft habe. Nein, sagte der Mann. "Was verändert man mit einer solchen Tasche?", sagt Giuggioli. "Wir wollen einen Markt schaffen für ökologische Produkte, welche die Leute tatsächlich wollen."

Individuelle Wunschlisten

Billig ist das nicht. Die Küchen-Arbeitsplatten aus fein gemahlenen grünen oder blauen Glasscherben kosten über 1000 Euro pro Meter. Im Eingangsbereich gibt es Solarzellen zum Aufladen von Mobiltelefonen für 75 Euro, im ersten Stock liegt eine wunderbar weiche Überdecke aus Bambusfasern und Seide für 190 Euro, auf dem Dach stehen Windturbinen, Preis auf Anfrage. Zusammen mit den Kunden wägen die Berater bei Eco-Age ab, was bei der Auswahl wichtiger ist: der Kohlendioxidausstoß bei der Produktion oder die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen? Oder sollen die Inhaltsstoffe der Produkte biologisch abbaubar sein? Das Ziel: Der Kunde bekommt einen Brief mit Vorschlägen, ganz zugeschnitten auf die individuell gewünschte Ökobilanz. Eco-Age wird seit der Eröffnung von Anfragen überhäuft.

Wie sehr hat der Einsatz seines prominenten Schwagers zu diesem Erfolg beigetragen? "Er hat geholfen", sagt Giuggioli. Colin Firth hat es selbst ein bisschen anders ausgedrückt: "Berühmt zu sein ist für nichts anderes gut, als einen besseren Tisch in ausgebuchten Restaurants zu bekommen." Also könne er wenigstens denen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden. Auch wenn dies in diesem Fall sein Schwager ist.

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