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Ethan Hawke: Dinge, die er will

Ethan Hawke ist Schauspieler, er schreibt Bücher, nun führt er bei einem Theaterstück Regie: "Things We Want" wird noch bis Mitte Dezember in New York gespielt, es geht um drei Brüder und die Sucht nach Jack Daniels. Geschrieben hat es ein Freund von Hawke, der einst schwer Alkoholabhängig war.

Von Ulrike von Bülow, New York

Der Schauspieler Ethan Hawke ist ja sehr vielseitig unterwegs. Derzeit ist er im Kino zu sehen, in "Before The Devil Knows You're Dead", einem Thriller, in dem er einen Typen spielt, der auf Wunsch seines Bruders das Juwelengeschäft der Eltern ausrauben soll. Außerdem hat Hawke den Film "The Hottest State" abgedreht, bei dem er Regie führte und für das Drehbuch verantwortlich war, denn der Film basiert auf seinem Roman "Hin und weg", in dem Hawke eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Intellektuellen im New York der 90er Jahre erzählt.

Hin und wieder muss er nämlich etwas anderes machen, sagt Ethan Hawke, denn immer nur am Filmset rum stehen, das bringe ihn nicht wirklich weiter. Also schreibt er Bücher, und wenn's passt, taucht er am Theater auf. So wie dieser Tage im "Acorn Theatre", West 42nd Street, New York. Dort wird noch bis zum 15. Dezember das Stück "Things We Want" aufgeführt, und der Regisseur des Stückes heißt Ethan Hawke.

Ein Stück voller Alkoholiker

Es tauchen vier Charaktere darin auf, drei davon sind Alkoholiker, und was die wollen ist trinken, am liebsten Jack Daniels. "Things we want" wurde von Jonathan Marc Sherman geschrieben, einem alten Freund von Ethan Hawke, der über Jahre furchtbar an der Flasche hing und den Hawke in dieser Zeit mehrfach zu den Anonymen Alkoholikern geschleppt hat, immer aber vergeblich. Sherman schrieb mit 18 ein Stück namens "Women and Wallace", für das er hier als Wunderkind gefeiert wurde; es wurde im Theater aufgeführt und fürs Fernsehen verfilmt, und dann passierte ihm das, "was vielen Wunderkindern passiert", sagt Ethan Hawke. "Er kam mit dem Druck nicht klar, dass plötzlich Gott weiß was von ihm erwartet wurde."

Also trank Sherman und hörte erst damit auf, als er im Mai 2001 mit einer heftigen Panikattacke ins Krankenhaus kam, die sich für ihn anfühlte wie ein Herzanfall. Seitdem ist er in Therapie und trocken. Er hat geheiratet und wurde in diesem Februar Vater eines Sohnes. "Er schreibt jetzt in einer sehr glücklichen, positiven Umgebung", sagt Hawke, "und nicht auf dem Grund einer Flasche." Als er "Things We Want" gelesen habe, sei es für ihn so gewesen, "als würde ich einen alten Freund nach zehn Jahren wieder treffen. Einen, dessen Stücke ich immer schon mal umsetzen wollte."

Hauptsache, er schreibt wieder

"Things we want" ist bisweilen sehr unterhaltsam. Es geht um die Brüder Teddy, Sty und Charlie, die ihre Eltern verloren haben: Beide begingen Selbstmord, in dem sie aus jenem Fenster sprangen, das auf der Bühne des Acorn-Theaters hinter einer plüschigen Couch-Garnitur zu sehen ist. Davor steht ein Tisch mit einem Bonsai-Bäumchen darauf. Die Bühne ist das Wohnzimmer der drei Brüder, und der jüngste, Charlie, kehrt heim von einer Schule, auf der er zum Koch ausgebildet wird. Er eröffnet Teddy, einem Yuppie-Typen, und Sty, einem Hardcore-Trinker, dass er nie wieder auf diese Schule gehen werde, weil ihn seine Freundin verlassen und er nun einen "heartbreakdown" habe.

Teddy lässt Sty und Charlie allein, Sty füllt Charlie mit Whiskey ab und lädt ein Mädchen aus dem Haus für ihn ein, das er bei einem offenbar überflüssigen Besuch bei den Anonymen Alkoholikern kennen gelernt hat: Stella, anders als er nun trocken. Sty lässt Charlie und Stella allein, die sich Geheimnisse erzählen. Sie: "Ich mache manchmal ins Bett" - Er: "Ich mag James Taylor" - Sie: "Ich finde Menschen attraktiv, die mich schlecht behandeln" - Er: "Ich mag Madonna" - Sie: "Ich mag dich". Dann wird wild geknutscht und der erste Akt ist vorbei.

Der zweite Akt spielt genau ein Jahr später und da ist das Stück dann ein bisschen seltsam, weil zu konstruiert: Charlie und Stella sind immer noch ein Paar, aber Teddy ist nun der Hardcore-Trinker, weil er seinen Job verloren hat, und Sty trinkt nicht mehr und gibt dafür den Yuppie-Typen. Dann gehen Sty und Charlie für ein Dinner einkaufen und Stella macht derweil mit Teddy rum, beide brennen miteinander durch. Dann ist "Things We Want" vorbei und lässt den Zuschauer ein wenig ratlos zurück.

"Es ist bei weitem nicht Mr. Shermans bestes Stück", schrieb die "New York Times", aber darum geht es ja vielleicht auch gar nicht. Ethan Hawke sagt, es gab Zeiten, in denen er nicht geglaubt hat, dass sein Freund Jonathan jemals wieder auch nur eine Zeile schreiben wird, "und es war mir auch egal - damals war nur wichtig, dass er am Leben bleibt."