Fall Günther Kaufmann Zeugin kannte die wahren Täter


Der Fall Kaufmann könnte aus einem Kriminalroman stammen: Die Hauptperson legte ein falsches Geständnis ab aus Liebe zu seiner Frau. Die einzige Zeugin schwieg aus Liebe zum wahren Täter. Jetzt brach sie ihr Schweigen.

Nach dem gewaltsamen Tod des Steuerberaters von Schauspieler Günther Kaufmann (57) kannte eine Berlinerin von Anfang an die wahren Täter. Ihr Partner habe ihr das Tötungsdelikt bereits einen Tag später gestanden, sagte die Frau am Donnerstag als Zeugin in Kaufmanns Wiederaufnahmeverfahren vor dem Augsburger Landgericht. Dennoch ging sie erst nach zweieinhalb Jahren zur Polizei, entlarvte so die drei wirklichen Täter und ermöglichte Kaufmanns Freilassung. Dieser war nach einem eigenen falschen Geständnis zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Nach der Festnahme der drei wirklichen Täter aus Berlin widerrief Kaufmann sein Geständnis und beantragte eine Wiederaufnahme seines Strafprozesses. Nach zwei Jahren und neun Monaten hinter Gittern kam der aus Fassbinder-Filmen bekannte Kaufmann wieder frei.

Zeugin brach ihr Schweigen

Sie habe es nicht übers Herz gebracht, zu einem früheren Zeitpunkt zur Polizei zu gehen und ihren über alles geliebten Partner zu belasten, sagte die Zeugin. Sie habe die Beziehung erhalten wollen, es dann aber nicht mehr ausgehalten.

Ihr Partner und zwei ebenfalls aus Berlin stammende Komplizen waren im vergangenen November für den tödlichen Raubüberfall zu Haftstrafen zwischen zehneinhalb und 14 Jahren verurteilt worden. Die drei Berliner Männer wurden am Donnerstag ebenfalls als Zeugen vernommen. Einer von ihnen, der damals Geliebter von Kaufmanns - inzwischen gestorbener - Ehefrau Alexandra war, verweigerte die Aussage. Seine beiden Komplizen erklärten, dass allein Kaufmanns Frau mit ihrem Geliebten den Raubüberfall in München geplant habe.

Die beiden Mittäter sagten im Zeugenstand übereinstimmend aus, sie seien mit der Aussicht auf eine Beute von rund 10 000 Euro von dem Geliebten von Alexandra Kaufmann zu dem Raubüberfall in München angestiftet worden. Die Beute sollte zwischen den drei Tätern und der Frau geteilt werden. Bei dem Überfall sei der Steuerberater gefesselt und geknebelt worden. Dann hätten sie festgestellt, dass das Opfer "immer ruhiger" geworden sei und dann offenbar tot war, sagten die beiden Zeugen.

Falsches Geständnis aus Liebe

Kaufmann hat sein falsches Geständnis damit erklärt, dass er seine todkranke, an Knochenkrebs erkrankte Frau vor harten Polizeiverhören schützen wollte. Denn wegen der sechsstelligen Schulden seiner Frau bei dem Steuerberater habe er befürchten müssen, dass seine über alles geliebte Alexandra ins Visier der Polizei geraten könnte, hatte Kaufmann erklärt.

Offen blieb bei der Vernehmung der Täter, ob unmittelbar nach dem Raubüberfall Anfang 2001 noch jemand - möglicherweise Kaufmann - die Wohnung des überfallenen Steuerberaters betreten hat. An einer Tasse waren die Fingerabdrücke des Schauspielers gefunden worden.


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