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Geburtstag von "Didi" Hallervorden: 75 Jahre "im positiven Sinne verrückt"

Dieter Hallervorden hat am Samstag beim 10. Kleinkunstfestival in seinen 75. Geburtstag hineingefeiert. Dem Chef der Berliner "Wühlmäuse" gratulierten neben dem gesamten Ensemble auch Bundespräsident Christan Wulff und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

"Nachhilfe" für das Staatsoberhaupt in schwierigen Fragen von unerwarteter Seite: Bundespräsident Christian Wulff hat die sich selbst auferlegte "Denkpause" im Fall Thilo Sarrazin genutzt, um sich erst einmal kabarettistischen Rat zu holen. Anlass war am Samstag das 10. Kleinkunstfestival der Berliner "Wühlmäuse", bei dem ihr Chef Dieter "Didi" Hallervorden gleichzeitig in seinen 75. Geburtstag (5. September) hineinfeierte. Dort stellte Moderator Dieter Nuhr den Comedian Kaya Yanar ("Was guckst du?") vor, der als erster die "deutsch-ethno-Comedy" eingeführt habe, "weit vor Sarrazin".

Der habe ja bekanntermaßen vor einer "Verdummung der Gesellschaft" gewarnt - "die Frage ist nur, ob Sarrazin nun derjenige ist, der gewarnt hat, oder ob er schon das Ergebnis ist". Yanar sieht sich selbst als "voll integrierten Türken, entweder Anstalt oder Komiker". Und in seiner Familie sei es auch kunterbunt zugegangen: "Ich war evangelisch, mein Bruder Katholik, meine Mutter Muslimin, und meinem Vater war alles scheißegal."

Um Punkt Mitternacht betrat nach dem vierstündigen und vom RBB Fernsehen live übertragenen Kleinkunstfestival Bundespräsident Wulff höchstpersönlich die Bühne, um zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und dem gesamten Ensemble Hallervorden ("Nonstop Nonsens") für sein "wirklich eindrucksvolles Lebenswerk" zu gratulieren, "und Bundespräsidenten müssen die Wahrheit sagen". Wulff erinnerte an die zahlreichen Rollen Hallervordens auf der Bühne, der Leinwand und dem Bildschirm.

"Mancher hat auch in der Politik Verwendung genommen von bestimmten Zitaten, wie zum Beispiel "Schreiben Sie's auf, dann beschäftige ich mich später damit" oder "Das ist jetzt aber Ihre Meinung", also Zitate, mit denen man gut durch das Leben kommt." Als Neuberliner freue er sich darauf, Hallervorden noch öfter zu begegnen, betonte Wulff und fügte sich erinnernd hinzu: "Immer wenn ich ihn getroffen habe, schon vor ganz vielen Jahren, als mich niemand kannte, war er immer nett, zugänglich und bescheiden...und diese Art von Ehrlichkeit und Bescheidenheit ist es, warum wir alle Dieter Hallervorden so verehren."

Wowereit würdigte Hallervorden als einen "im positiven Sinne Verrückten", der mit den nunmehr seit 50 Jahren bestehenden "Wühlmäusen" und dem vor einem Jahr übernommenen Schlossparktheater die Theaterlandschaft bereichert habe. "Berlin sagt Danke, nachdem es der Bundespräsident für ganz Deutschland getan hat."

Den Jurypreis des Kleinkunstfestivals erhielt Christoph Sieber, den Publikumspreis der "Puppet-Comedian" und Bauchredner Sascha Grammel. Mit dem Ehrenpreis wurde der Schauspieler Wolfgang Stumph ("Go, Trabi, Go") ausgezeichnet.

Wilfried Mommert, DPA / DPA