HOME

Gerichtstermin: Jackson lässt Fans herankarren

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Popstar Michael Jackson will sich bei seinem ersten Gerichtstermin "nicht schuldig" bekennen. Vielen Fans, die für ihn vor dem Gericht protestieren, hat Jackson die Anreise bezahlt.

Unterstützt von hunderten Fans hat Michael Jackson vor seinem ersten Gerichtstermin wegen Kindesmissbrauchs noch einmal alle Vorwürfe zurückgewiesen. Der Pop-Star bekenne sich "nicht schuldig", erklärte sein Anwalt Mike Geragos vor der Eröffnung der von Demonstrationen, einem massiven Sicherheitsaufgebot und einem Medienauftrieb begleiteten Anhörung im Gerichtshof der kalifornischen Kleinstadt Santa Maria. Kurz zuvor kam heraus, dass Jackson die Anreise seiner Fans mit Bussen zu Protestaktionen im Rahmen der "Karawane der Liebe" bezahlt hat.

Im Gerichtssaal waren auf Anordnung von Richter Rodney Melville keine Live-Kameras zugelassen. Davor drängten sich die Moderatoren und Kamerateams von rund 40 amerikanischen und ausländischen Stationen auf engem Raum. Bereits vor Sonnenaufgang waren am Freitag zahlreiche Fans mit Spruchbändern wie "Keine Beweise!" und "Michael ist unschuldig!" erschienen. Einige sangen Jackson-Songs wie "Beat It" und forderten in Sprechchören die Einstellung des Verfahrens.

Scharfschützen in Stellung

Zum Großaufgebot von Polizei und FBI gehörten auch Scharfschützen, die in der Umgebung des Gerichtes in Stellung gingen. Spezialisten mit Sprengstoffspürhunden suchten die Gegend nach Bomben ab. "Wo es so einen Menschenauflauf und so viel Medienaufmerksamkeit gibt, muss man sich gegen Terroristen schützen", sagte ein Behördensprecher. Selbst der arabische Fernsehsender El Dschasira hatte ein Team zur Berichterstattung über Amerikas neuen "Jahrundertprozess" geschickt.

Ein zweiter "Simpson"-Prozess?

Kommentatoren verglichen die Medienaufmerksamkeit für das Jackson-Verfahren mit jener für den Doppelmord-Prozess gegen den US-Footballstar O.J. Simpson, der knapp zehn Jahre zuvor begonnen hatte. Die Staatsanwältin in dem damaligen Verfahren, Marcia Clark, ist auch beim Jackson-Prozess dabei, allerdings auf der Seite der Medien. Sie berichtet als hoch bezahlte Reporterin für die Show "Entertainment Tonight". Simpson war seinerzeit nach einem Monate langen Prozess frei gesprochen worden.

Mehr Anwälte

Ähnlich wie damals der Football-Star ist auch Jackson dazu übergangen, sein Verteidiger-Team zu vergrößern. Staranwalt Geragos, zu dessen Mandanten zahlreiche Hollywood-Größen gehören, arbeitet seit Freitag auf Wunsch Jacksons mit dem ebenfalls in Prozessen gegen Prominente sehr erfahrenen Verteidiger Ben Brafman zusammen. Sein New Yorker "Freund" werde ihm als Zweit-Verteidiger zur Seite stehen, sagte Geragos. Brafman hatte unter anderem einen Freispruch für den Rapper Sean "P.Diddy" Combs erwirkt, der in New York wegen Bestechung und unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht stand.

Jackson lässt die Fans in Bussen herankarren

Zahlreiche Busse, die bereitwillige Fans des einstigen "King of Pop" nach Santa Maria brachten, waren am Vortag sowie in der Nacht von Los Angeles und von Las Vegas aus gestartet. Zunächst hatte es geheißen, ein "anonymer Spender" habe die Busse bestellt. Doch am Freitag enthüllte der Fernsehsender CNN, dass Michael Jackson selbst für die Transportkosten des Fanrummels aufkommt.

Für den Multimillionär Jackson, der einst zu den erfolgreichsten Pop-Stars der Welt gehörte und dessen Alben rund 165 Millionen Mal verkauft wurden, steht viel auf dem Spiel. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45-jährigen vor, im Februar und März vergangenen Jahres einen damals 13-jährigen Jungen sieben Mal sexuell missbraucht zu haben. In zwei Fällen soll er das Kind unter Alkohol gesetzt haben.

20 Jahre Haft drohen

Bei einer Verurteilung drohen dem Pop-Star mehr als 20 Jahre Haft und damit das Ende seiner Künstlerkarriere. Wie CNN erfahren haben will, verfügt die Staatsanwaltschaft unter anderem über Aussagen des betreffenden Jungen, wonach Jackson in seinem Beisein onaniert "und ejakuliert" habe. Sollte der heute 14-Jährige diese Aussage vor Gericht wiederholen "könnte dies für Michael Jackson verheerend sein", berichtete der Sender.

DPA / DPA