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Magier Hans Klok: Zaubertricks am laufenden Band

Er sieht aus wie Linda de Mol, klingt wie Rudi Carrell und zeigt seine Zauberkunststücke am laufenden Band: Ein Besuch in der Show des niederländischen Magiers Hans Klok.

Pamela Anderson, Hans Klok

Magier Hans Klok und Schauspielerin Pamela Anderson bei der Premiere der Show "House of Mystery" in Hamburg

Picture Alliance

Ein Toaster, eine Kaffeemaschine, ein Kofferradio… Erinnern Sie sich? Fernsehabende vor vierzig Jahren mit Rudi Carrell und seiner TV-Show "Am laufenden Band": Ein paar Dutzend Preise fuhren in einer Minute an den Kandidaten vorbei. Die hatten dann dreißig Sekunden Zeit, sich an so viel wie möglich zu erinnern. Was sie behalten hatten, durften sie mit nach Hause nehmen als Preis. Tolle Sache, und Kofferradios waren auch noch modern.

Pamela Anderson kam nur zur Premiere

Letzte Woche im "Mehr! Theater" am Hamburger Großmarkt, das seinen Status als größtes Theater der Hansestadt durch das Ausrufezeichen im Namen unterstreicht. Der niederländische Magier Hans Klok tritt mit seiner Show "House of Mystery" auf. Es ist der dritte Abend, der Saal ist halbvoll. Aber wo ist Pamela Anderson? Zur Premiere war die ehemalige "Baywatch"-Nixe noch nach Hamburg gekommen, um sich von Klok in Luft auflösen zu lassen. Die "Bild" titelte "SimsalaPAM". Aber nun: keine Spur mehr von der bezauberten Berufsblondine.

Dann tritt Klok auf: schwarze Magie, blendend weiße Zähne. Er sieht aus wie Linda de Mol und klingt wie Rudi Carrell und er zeigt seine Zauberkunststücke am laufenden Band. Fünfzehn Tricks in fünf Minuten, das ist ein Kinderspiel für Klok, der auch als "schnellster Zauberkünstler aller Zeiten" firmiert und in dieser Disziplin sogar Weltrekorde aufgestellt haben soll.

Eine Tänzerin ohne Oberkörper hüpft wie ein geköpftes Huhn

Jetzt bitte nicht die Rede von einem Feuerwerk der Illusionen, von Gänsehaut und Hochspannung und "magischem Feeling". Vieles von dem, was Klok in den nächsten zwei Stunden zeigt, ist faszinierend. Assistentinnen verschwinden in Fluchtkisten und tauchen wieder auf, Schwertmönche toben auf Rollerblades über die Bühne und eine Tänzerin ohne Oberkörper hüpft wie ein geköpftes Huhn umher.

Die Tricks sind nicht neu, aber rasant und überwältigend inszeniert mit opulenten Kostümen und digitalen Effekten. Mal schwebt eine Glühbirne durch den Saal, mal liefern sich der Zauberer und sein Kontrahent ein Duell mit Laserstrahlen. Die Show lebt auch von den verblüffenden Einlagen von Zirkus-Artisten wie dem ukrainischen Duo La Vision, dem italienischen Laserman Andrea Prince oder dem Schlangenmädchen Jordan McKnight aus den USA. Aber wenn Klok dazwischen Zeitungen zerreisst und mit magischen Ringe hantiert, dann wirkt das seltsam lieblos und wie ein Griff in Opas Trickkiste.

Die Programmierer des Silicon Valley sind die Magier unserer Zeit

Dass Zaubern, die Kunst der Illusion, nicht mehr zeitgemäß sein soll, ist natürlich ein Gerücht. Kaum eine Zeit ist je so faszinierend doppelbödig gewesen wie unsere Gegenwart, das frühe 21. Jahrhundert mit seinen digitalen Paralleluniversen und Augmented Reality-Visionen. Die Programmierer des Silicon Valley sind die Magier unserer Zeit, ihre Algorithmen die Alchemie der Gegenwart. Talentierte Erzähler und Filmemacher wie Dave Eggers oder Christopher Nolan geben Einblicke in diese faszinierende Welt. Aber Hans Klok ist kein Erzähler, und deshalb wirkt "House of Mystery" mit seinen renovierten Routinen am Ende doch nur wie ein Kofferradio mit Digitalanzeige.