Happy Birthday, Harald Barfuß oder Lackschuh


Entertainer, Komiker, Schauspieler und Sunnyboy Harald Juhnke wird heute 75 Jahre alt. Dem Star geht es schlecht. Er sei hilflos und ein Häufchen Elend, so Ehefrau Susanne.

"Glück ist, wenn mein Mann mich erkennt. Doch das kommt immer seltener vor". Noch im Januar dieses Jahres tanzte Susanne Juhnke mit ihrem Harald Walzer in der Klinik, nur kurz, denn plötzlich rief er nach dem Regisseur und beschwerte sich über die zu niedrige Gage. "Mein eigener Mann, der strahlende Sonnyboy auf der Bühne, der über alle Maßen geliebte Entertainer, so hilflos, dieses Häufchen Elend", sagt Ehefrau Susanne.

Harald Juhnke ist unheilbar krank. Sein letzter Vollrausch liegt rund vier Jahre zurück, damals hat der Alkohol sein Gehirn vollends geschädigt, diagnostiziert wurde das so genannte Wernicke-Korsakow-Syndrom: eine degenerative Hirn-Erkrankung, die vor allem bei Alkoholikern auftritt. Susanne Juhnke sagt, sein Zustand verschlechtere sich dramatisch.

Er murmelt von Vorhang, Applaus und Bühne

Am heutigen Donnerstag feiert der Liebling der Deutschen seinen 75. Geburtstag, in einem Heim für Demenzkranke bei Berlin. Dort im brandenburgischen Fredersdorf murmelt er vor sich hin, von Vorhang, Applaus und Bühne, auf der der Star mit der knarrenden Stimme auch in dem Trinker- und Sozialdrama im Schauspielermilieu "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill Erfolg hatte.

Triumph und Absturz liegen bei Harald Juhnke eng beieinander - "Barfuß oder Lackschuh", wie er gerne sang. Auch in Zeiten, als der Wodka noch in Strömen floss, verziehen die Deutschen ihrem Lieblingsentertainer mit der Berliner Schnauze gern. Der ewige Sonnyboy: Er könne als "Schauspieler des Jahrhunderts" in die Geschichte eingehen, wenn er nur "trocken" bleibe, prophezeite ihm sein Arzt.

Doch die Abstürze kamen meist gerade nach den größten beruflichen Triumphen wie nach seiner Bühnenrolle in "Der Hauptmann von Köpenick" 1997 im Berliner Maxim Gorki Theater. Oder nach der beklemmend authentischen Fallada-Fernseh-Verfilmung "Der Trinker" 1995. Er empfinde dann immer eine "entsetzliche Leere" und falle in ein tiefes Loch, sagte er einst.

Der "deutsche Frank Sinatra", wie Juhnke sich gerne sah, sang früher: "Ich nahm, was ich bekam und nahm manches nicht so wichtig" – eben "I Did It My Way" (Ich hab's auf meine Weise getan). Der kleine Harry aus einem Berliner Arme-Leute-Viertel hat tatsächlich viel gelebt. Der Sohn eines Polizeibeamten, 1929 geboren als Harry Heinz Herbert Juhnke, stand 1948 im heutigen Maxim Gorki Theater in Berlin zum ersten Mal auf der Bühne. In zahlreichen Theater-, Film- und Fernsehrollen ("Harald und Eddie") begeisterte er ein Millionenpublikum, auch mit seinen Gesangs-Tourneen ("New York, New York").

Doch Juhnke, der Lebemann, wurde mit dem Erfolg nicht fertig. Vor allem, wenn er mit sich alleine war. "Ich weiß manchmal gar nichts mit mir anzufangen, auf deprimierende Weise wenig anzufangen", offenbarte Juhnke in seinen Memoiren ("Meine sieben Leben", Rowohlt 1998). Das Buch sei ein Blick zurück auf die "Achterbahnfahrten meines Lebens, mein Testament".

Diese Achterbahnfahrten taugten wie bei kaum einem anderen deutschen Star für Schlagzeilen. Gute Schlagzeilen und böse Schlagzeilen. 1999 etwa, erschienen insgesamt 394 Juhnke-Geschichten in Funk, Fernsehen, Zeitungen und Magazinen. Mehr als eine pro Tag. Und auch in diesem Jahr ist beinahe täglich irgendwo eine Geschichte über zu lesen. 121 Storys erschienen über ihn in 2004 bislang.

Als der Entertainer pflegebedürftig wurde, kündigte sein Manager Peter Wolf an: "Harald Juhnke wird nie wieder auf einer Bühne oder vor einer Kamera stehen." Die Hoffnung, er würde sich an seinem 75. Geburtstag vielleicht doch noch einmal den Millionen Fans zeigen, etwa auf der großen Geburtstagsgala im ZDF (Donnerstag, 20.15 Uhr), erfüllt sich wohl nicht. Susanne Juhnke möchte das ihrem Mann nicht mehr zumuten: "Das Publikum soll ihn so in Erinnerung behalten, wie er früher war."

DPA/Niels Kruse DPA

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