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Heidi Klum auf Werbetour in Hamburg: Dick aufgetragen

Heidi Klum ist zurzeit auf Werbetour in Deutschland, um eine neue Kosmetiklinie zu promoten. Doch Termine mit der eigenwilligen Topmodel-Jurorin haben so ihre Tücken. Ein Ortstermin mit Pin-up-Look.

Von Björn Erichsen

Auf einen Superstar wie Heidi Klum warten wir natürlich alle gern", ruft Ben von der kleinen Bühne. Der Mann im schwarzen Anzug, das weiße Hemd einen Knopf offen, ist Moderator von Klums Werbeveranstaltung im großen Saal des feinen Empire Riverside Hotels am Rande der Reeperbahn, dort wo die Gentrifizierung den Kult- und Kneipenstadtteil St. Pauli besonders erbarmungslos heimsucht. "Heidi soll schon im Haus sein, also ein Grund nervös zu werden", meint der Mittdreißiger nun sicher schon zum vierten Mal und verschenkt zur Überbrückung ein paar Mascara-Stifte. Und das erinnert dann doch ein wenig an "Aale-Dieter", jenes Hamburger Unikum, das jeden Sonntag ein paar Meter weiter auf dem Fischmarkt seinen Frischfisch unters Volk wirft.

Doch natürlich geht es im Riverside um ästhetischere Angelegenheiten. "Schönheit leben" steht in großen Buchstaben auf der pinkfarbenen Plastikwand mit dem Großporträt von Deutschlands berühmtestem Model. Auf ihrer Werbetour für die altehrwürdige Kosmetikkette "Astor" macht Klum Station in Hamburg, und neben einem Rudel von Journalisten sind auch 40 Fans dabei, die die Teilnahme bei einem Preisausschreiben gewonnen haben. "Jetzt noch mal einen Riesenapplaus zur Probe", versucht Ben das müde Häuflein anzuheizen. Am Vortag war mehr los, als Klum bei ihrer Werbetour in einer Drogerie in einem Stuttgarter Einkaufszentrum auftrat und da für die größten Tumulte seit den Bahnhofsdemonstrationen sorgte.

"Bei mir war es die Oma"

"Heidi ist eine tolle Frau, so natürlich, und wie sie Kinder und Karriere unter einen Hut bringt", schwärmt Nicola, die mit ihrer neunjährigen Tochter Helena ins Riverside Hotel gekommen ist. Natürlich ist sie wegen Heidi da, aber die Produkte der Kosmetikfirma kennt sie auch: "Na klar, die hat meine Mutter immer benutzt", erinnert sich die 29-jährige Hamburgerin. "Bei mir war es die Oma", ruft eine andere Frau aus dem Hintergrund, und genau das ist die Crux der Marke: Vernünftige, solide Produkte, aber ein Image mit meterdicker Staubschicht.

Doch jetzt kommt ja Heidi. Gerade hat sich Ben den Vertriebschef auf die Bühne geholt, der betont, was für ein "Wahnsinnscoup" dem Unternehmen mit der Verpflichtung der Topmodel-Jurorin gelungen sei - da erscheint der neue Astor-Staubwedel leibhaftig auf der Bühne: Die Fans johlen, die Blitzlichter gewittern, und Klum kommt noch nicht einmal dazu, "Hallo" zu sagen. Sie trägt ein kurzes blaues Kleid, zwei Handbreit über dem Knie, dazu mächtige Schlangenleder-High-Heels, auf denen das Model fast das Gardemaß erreicht, das sie von den Kandidatinnen ihrer Sendung immer fordert. Müde sieht sie aus, zwischen ihr und der Heidi auf dem Großporträt im Hintergrund liegen augenscheinlich mindestens zehn Jahre.

"Mut zur Farbe", rät sie im Gespräch mit Moderator Ben auf der Bühne und verrät sogleich ihr Beauty-Geheimnis: "Ich finde es wichtig, dass eine Frau nicht immer gleich aussieht." Und legt sogleich Hand an drei junge Frauen, die bei dem Gewinnspiel den Hauptpreis gewonnen haben und sich von Klum nun schminken lassen dürfen: "Smoky-Eye-Look", "Joyful-Look", "Pin-up-Look", natürlich kommt die neue Produktlinie opulent zum Einsatz. "Wie lange brauchst du, um so etwas zu schminken", fragt Ben und wird von Heidi abgekanzelt: "Fünf Minuten, zumindest wenn ich nicht ständig unterbrochen werde."

Kein Wort zu Sarah Knappik

Auch sonst herrschen bei dem Beauty-Event raue Sitten: "Nicht die Absperrung verlassen", raunzt ein streng dreinblickender Bodyguard mit noch strenger zurückgekämmten Haaren einige Journalisten an. Und für die spannenden Fragen ist auch kein Platz: Etwa, was gerade in den USA los ist, wo Heidi Klum wegen ihres ruppigen Umgangs mit einigen Kindern bei ihrer neuen Show in der Kritik steht. Oder was sie von Sarah Knappik hält, unser aller Nervensäge aus dem Dschungel. Immerhin war es Klum, die dem neurotischen Lästermaul die – soll man sagen: Medienkarriere ermöglichte, weil sie sie damals bei Germany’s Next Topmodel mitmachen ließ.

Die Schminksession mit Heidi ist vorbei, jetzt setzt sich das Model brav an den Tisch auf der Bühne und schreibt Autogramme. Sie ist charmant, und lächelt dabei viel. Die kleine Helena jedenfalls ist selig, auch sie will nun Model werden, das hat die Neunjährige gerade beschlossen. Ihre größte Sorge: Dass ihr die Kinder auf dem Schulhof morgen die Autogrammkarte aus der Hand reißen. Auch Helenas Mutter meint: "Aus der Nähe sieht Heidi ja noch mal besser aus als im Fernsehen", und vielleicht liegt das ja wirklich an ihrem Beauty-Geheimnis. Nach nicht mal einer Stunde, die Wartezeit nicht mitgerechnet, ist der Hamburger Heidi-Spuk vorüber, und lässt eigentlich nur noch eine Frage offen: Worum ging es bei dem Termin noch mal genau?