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Interview mit Colin Farrell: "Ich habe ordentlich in die Fresse gekriegt"

In "Dead Man Down" spielt Colin Farrell einen Vater, den es nach Rache dürstet. Im Interview mit stern.de spricht der Ire über Vatersorgen, Askese und ein Leben ohne Drogen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Herr Farrell, in ihrem neuen Film sind Sie süchtig nach Rache. Wie weit würden Sie gehen, um sich für etwas zu rächen?
Das ist schwierig zu beantworten. Du hoffst immer, dass es nie zu einer solchen Situation kommen mag. Besonders als Vater stellst du dich natürlich immer schützend vor deine Familie. Und sollte meiner Familie etwas zustoßen, dann würde ich sicherlich alles tun, um sie zu beschützen.

Früher waren Sie wild und unberechenbar. Heute sind Sie selbst Papa - und viel ruhiger geworden.


Früher habe ich die Kerze an beiden Enden gleichzeitig angezündet. Das war ein Rezept für Disaster. Heute bin ich voller Liebe für meine Kinder. Sie ist unbeschreiblich, fabelhaft!

War es schwer in die Rolle von "Victor" zu schlüpfen. Ein Mann, der den Tod seiner Familie rächen will?


Nun, Victor ist kein besonders glücklicher Mensch. Da musst du schon die dunkle Seiten in dir suchen und finden. Es war nicht leicht, weil dich die Charakterzüge auch nach Feierabend nicht so einfach los lassen.

Viele Colin-Farrell-Fans wird es freuen, wenn wir an dieser Stelle verraten, dass Sie im Film ihr Hemd auziehen. Sie sehen fit und durchtrainiert aus.


Ich hab auch gelebt wie ein Mönch. Yoga, kein Zucker, kein Alkohol. Ich hab noch nie so gesund gelebt. Victor lebt in einer Welt der Askese. Und diese Welt wollte ich erleben. Es war meine eigene Wahl.

Das war nicht immer so. In der Vergangenheit galten Sie als Alkoholiker und Drogensüchtiger.


Das Leben kommt in Zyklen auf dich zu. Ich werde jetzt nicht sagen, dass es einen ganz besonderen Zeitpunkt gab, der mein Leben verändert hat. Aber heute genieße ich mein Leben mehr. Mir macht meine Arbeit mehr Spass denn jeh. Und ich freue mich über jeden Tag, den ich mit meinen Kindern verbringen darf.

Die Frau, in die Sie sich in "Dead Man Down" verlieben wird dargestellt von Noomi Rapace. Nach einem Autounfall hat sie viele Narben im Gesicht. Victor scheint das nicht zu stören. Ist wahre Liebe wirklich blind?


Das sollte sie sein. Schönheit kann man in keiner Sprache dieser Welt wirklich definieren. Ein Moment kann schön sein und alle Sinne gleichzeitig überwältigen. So nehme ich Schönheit wahr.

Sie wirken heute ein bisschen ernster als früher.


Vielleicht. Ich habe ordentlich in die Fresse gekriegt als ich jünger war. Es war Zeit, eine kleine Kurskorrektur vorzunehmen. Ich habe meine Lektion gelernt.

Frank Siering
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