Jackson-Prozess "Er hat die ganze Welt hereingelegt"


Letzte Woche musste sie kleinlaut zugeben, Falschaussagen gemacht zu haben. Jetzt hat die Mutter des angeblichen Missbrauchsopfers erneut schwere Vorwürfe gegen Michael Jackson erhoben.

Die Mutter des Jungen, der Michael Jackson des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, hat den Popstar scharf attackiert. "Ich habe herausgefunden, dass er sich überhaupt nicht um Kinder kümmert, sondern nur darum, was er mit den Kindern tun konnte", sagte die 36-jährige Frau vor der Jury im Gericht von Santa Maria (Kalifornien). Jackson habe "die ganze Welt hereingelegt", sagte sie aus. Richter Rodney Melville griff auch am zweiten Tag des Kreuzverhörs durch Jacksons Anwälte häufig in die ausschweifenden Ausführungen der Zeugin ein und ließ nicht relevante Passagen aus dem Protokoll streichen.

Falschaussagen zugegeben

Jackson-Anwalt Thomas Mesereau setze seine Strategie fort, die Frau als Lügnerin und Trickbetrügerin darzustellen, die sich von Behörden und Prominenten Geld für ihren ehemals krebskranken Sohn erschwindeln wollte. Am Freitag hatte die Frau in einem scharfen Verhör durch den Verteidiger frühere Falschaussagen unter Eid zugegeben. Am Montag machte sie nach Angaben der "Los Angeles Times" ihren Ex-Ehemann für umstrittene Geldgeschäfte verantwortlich. Den Vater des Jungen stellte sie als geldgierig dar.

Dem 46-jährigen Jackson wird in dem Prozess vorgehalten, den seinerzeit 13-jährigen Sohn der Zeugin auf seiner Neverland-Ranch sexuell missbraucht und ihn dafür mit Alkohol gefügig gemacht zu haben. Zudem muss er sich wegen Freiheitsberaubung und Kindesentführung vor Gericht verantworten. Die Mutter hatte in der vergangenen Woche ausgesagt, sie sei im Frühjahr 2003 von Jacksons Mitarbeitern bedroht und festgehalten worden. Der Sänger hätte sie und ihre Kinder in dieser Zeit genötigt, sich in einem Entlastung- Video positiv über den Popstar zu äußern.

Mesereau fragte die Zeugin, warum sie niemanden um Hilfe gebeten habe, als sie sich angeblich von Jacksons Mitarbeitern bedroht fühlte. Die Mutter des jetzt 15 Jahre alten Teenagers räumte ein, dass sie Bekannte hatte, darunter einen Anwalt und einen Polizisten, diese aber nicht informierte. Sie habe in Telefonaten mit Freunden Andeutungen über ihre Lage gemacht und gehofft, "die Leute würden selber die Polizei rufen", sagte die Frau.

Mutter am Dienstag erneut vor Gericht

Am Dienstag wurde die Mutter wieder im Zeugenstand erwartet. Die Staatsanwaltschaft will nach Angaben der "Los Angeles Times" einen Experten für häusliche Gewalt vor Gericht zitieren, der Ungereimtheiten im Verhalten der Frau mit früherem Missbrauch durch deren Ehemann erklären könnte. Der Vater des Jungen soll die Frau vor der Trennung in 2001 über Jahre hinweg geschlagen haben.

AP, DPA AP DPA

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