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Jackson-Prozess: Das Gericht ist keine Talkshow

Reden ist sein Beruf. Trotzdem kam er vergeblich ins Gericht. Im Prozess gegen Michael Jackson hat der Richter Talkmaster Larry King nicht als Zeugen zugelassen - dafür aber die Freundin eines Schauspielers.

Der prominente US-Talkmaster Larry King, der als Entlastungszeuge für Michael Jackson in den Zeugenstand treten sollte, darf nicht aussagen. Richter Rodney Melville entschied am Donnerstag, dass Kings Aussage für das Verfahren nicht relevant sei, berichtete die "Los Angeles Times".

Jackson ist wegen sexuellen Missbrauchs eines heute 15 Jahre alten Jungen angeklagt. Außerdem wird dem Popstar vorgeworfen, den Jungen und dessen Familie gegen deren Willen auf dem Neverland-Anwesen festgehalten zu haben. Zudem soll er sie unter Druck gesetzt haben, sich in einem Video positiv über ihn zu äußern.

King war zum Verhandlungsbeginn vor dem Gericht in Santa Maria erschienen. Nach einer Unterredung mit dem Richter unter Ausschluss der Jury sprach sich Melville gegen Kings Aussage aus. Prozessbeobachter werteten den Verlust des prominenten Zeugen als schwere Niederlage für die Verteidigung.

Private Unterredung

Jacksons Anwälte wollten King zu einem Gespräch mit Larry Feldman, einem früheren Anwalt von Jacksons Beschuldiger, befragen. Bei dieser privaten Unterredung soll Feldman die Mutter des Jungen als verrückt ("wacko") beschrieben haben. Sie sei hinter Jacksons Geld her, soll der Anwalt weiter ausgeführt haben. Feldman hatte Anfang April als Zeuge für die Anklage ausgesagt und dabei negative Äußerungen über seine früheren Mandanten in einer privaten Unterredung abgestritten.

Für die Verteidigung sagte Azja Pryor, die Freundin des Schauspielers Chris Tucker, aus. Sie stellte die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers und seiner Familie in Frage. Pryor sagte, die Mutter des Jungen habe Anfang März 2003 geklagt, sie und ihre Kinder würden von Jackson ferngehalten. Vor Gericht hat die Mutter ausgesagt, die Familie sei zu dieser Zeit gegen ihren Willen auf Jacksons Neverland Ranch festgehalten worden.

Prior sagte, sie habe mit der Mutter manchmal stundenlang telefoniert. Bei ihren langen gemeinsamen Gesprächen habe sich die Frau nie über Missetaten Jacksons und eine angebliche Gefangenschaft auf Neverland beschwert. Die Mutter habe ihr vielmehr erzählt, dass sie sich auf eine von Jackson organisierte Reise nach Brasilien freue. Als Zeugin der Anklage hatte die Mutter die geplante Reise als Teil einer Verschwörung dargestellt. Der Popstar habe sie und ihre Kinder außer Landes schaffen wollen.

AP/DPA / AP / DPA