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Jackson-Prozess: Mittelalterliches Geschworenensystem

Es ist ein uraltes System, nach dem die Jury-Mitglieder für den Jackson-Prozess ausgewählt werden. Unter anderem bietet es der Anklage und der Verteidigung die Möglichkeit, Kandidaten "abzuwählen".

Die Vorauswahl der Geschworenen, die über Michael Jackson richten sollen, ist in Kalifornien unerwartet zügig über die Bühne gegangen. 250 Kandidaten sind in der engeren Wahl. Das System, nach dem sie ausgewählt wurden, ist älter als ihr Heimatland: Es basiert auf englischen Praktiken des 13. Jahrhunderts.

Insgesamt werden jedes Jahr etwa vier bis fünf Millionen US-Bürger anhand ihres Führerscheins oder ihrer Registrierung als Wähler zum Jury-Dienst einberufen. In der Regel müssen die Kandidaten zunächst Fragebögen ausfüllen, damit gleich jene herausgefiltert werden können, die keinesfalls in Frage kommen - etwa Anwälte oder Polizisten.

Die verbliebenen Anwärter werden dann von dem Richter, der Anklage und der Verteidigung noch genauer befagt. So auch im Jackson-Prozess. Die rund 250 Kandidaten werden in den nächsten Tagen von Staatsanwaltschaft und Jacksons Verteidiger einzeln ins Verhör genommen. Beide Seiten - die Anklage genauso wie die Verteidigung - können Kandidaten, die sie für voreingenommen halten, ablehnen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, eine bestimmte Zahl von Anwärtern ohne jede Angabe von Gründen "abzuwählen". Sind die 12 Geschworenen und die Ersatzjuroren festgesetzt, können die Eröffnungsplädoyers beginnen.

Unterschiedliche Vorgehensweisen

Allerdings gehen die einzelnen Bundesstaaten mit den Geschworenen sehr unterschiedlich um. In einigen Staaten ist es der Jury lediglich erlaubt, während des Prozesses Notizen zu machen. In anderen darf sie sogar direkte Fragen an Zeugen stellen. Außerdem ist es der Jury gestattet, schriftliche Fragen an den Richter einzureichen. Die Urteilsberatungen selbst erfolgen dagegen grundsätzlich hinter geschlossenen Türen.

Falls sich die Geschworenen nicht richtig an bestimmte Aspekte des Prozesses erinnern können, dürfen sie auch Abschriften von Zeugenaussagen einsehen. Der letztendliche Schuldspruch muss dann einstimmig erfolgen. Für diesen Fall muss dieselbe Jury auch über das Strassmaß entscheiden. Gelingt der Jury trotz aller Bemühungen kein einhelliges Votum, muss der Richter den Prozess für gescheitert erklären.

DPA / DPA
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