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Eurovision Song Contest 2016: ARD entscheidet: Xavier Naidoo fährt zum ESC

Neues Konzept bei der Vorauswahl zum Eurovision Song Contest: Der NDR wird Xavier Naidoo ohne Vorentscheid direkt nominieren. Nur den Song sollen die Zuschauer bestimmen dürfen.

Von Jens Maier

Xavier Naidoo singt

Nach den zuletzt enttäuschenden ESC-Teilnahmen soll Xavier Naidoo Deutschland in Stockholm wieder einen Spitzenplatz sichern

Das gab es zuletzt 2011: Beim Heim-Grand-Prix in Düsseldorf war Lena Meyer-Landrut als Titelverteidigerin direkt nominiert worden. In zwei Shows durften die Zuschauer lediglich bestimmen, mit welchem Song sie antritt. Damals fiel die Wahl auf "Taken By A Stranger". Lena wurde damit Zehnte.

Ein ähnliches Konzept soll im kommenden Jahr den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest zurück auf die Erfolgsspur bringen. Der bei der ARD zuständige Sender NDR wird den Sänger Xavier Naidoo ohne Vorentscheid direkt nominieren. Demnach sollen die Zuschauer bei einer Show im kommenden Februar lediglich das Lied auswählen dürfen, mit dem Naidoo in Stockholm antritt.


"Unser Song für Xavier"

Die ARD und Naidoo haben mehrere Komponisten um Vorschläge für Songs gebeten. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, sollen sechs Lieder bis Jahresende von einer Jury, der auch Naidoo angehört, bestimmt werden. Vermutlich wird der Sänger auch mit einem eigenen Lied antreten. Der Name für die Show, in der dann die Zuschauer die Wahl haben, steht bereits fest: Sie wird "Unser Song für Xavier" heißen und am 18. Februar 2016 ausgestrahlt werden.

Nach dem erfolglosen Abschneiden bei den vergangenen drei ESC-Teilnahmen - Ann-Sophie wurde 2015 mit Null Punkten Letzte, Elaiza erreichten 2014 nur Platz 18 und Cascada 2013 lediglich den 21. Platz - hatte der NDR bereits im Sommer Änderungen beim Konzept angekündigt. So stand frühzeitig fest, dass es das sogenannte Clubkonzert, bei dem Newcomer gesucht wurden, nicht mehr geben wird.

Auch Naidoo, der derzeit mit seiner Band Die Söhne Mannheims auf Tournee ist, hatte sich früh in Stellung gebracht. Bereits im Juni hatte der Soulsänger angekündigt, Deutschland beim ESC vertreten zu wollen. Damals brachte er sich zusammen mit Kool Savas ins Spiel, mit dem er 2012 bei dem von Stefan Raab ins Leben gerufenen Bundesvision Song Contest erfolgreich war. "Ich glaube, wir könnten etwas von Deutschland repräsentieren, was sehr positiv ist. Wir sind beides Deutsche, die nicht typisch deutsch sind“, sagte Savas seinerzeit mit Blick auf den Migrationshintergrund beider Musiker.

Naidoo gilt als umstritten

Aus dem Duo ist mittlerweile ein Solo geworden. "Der ESC ist derzeit kein Thema für ihn", sagte ein Sprecher von Kool Savas dem stern. Somit wird Naidoo beim Finale am 14. Mai 2016 in Stockholm alleine auf der Bühne stehen. Obwohl der Sohn südafrikanischer Einwanderer mit seinen letzten sechs Studioalben Platz eins der Charts belegte und auch als Juror von "The Voice of Germany" und mit der Show "Sing meinen Song" erfolgreich war, gilt er als umstritten. Vor allem seine politische Gesinnung sorgt für Schlagzeilen.

Im vergangenen Jahr trat Naidoo am 3. Oktober bei einer Veranstaltung der "Reichsbürgerbewegung" in Berlin auf. In einer Rede vertrat er Verschwörungstheorien um die Anschläge vom 11. September 2001 und kritisierte die Amerikaner. Außerdem wolle er auf die NPD zugehen. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz sagte dazu im "Mannheimer Morgen", Naidoo vertrete "radikal libertäre, anti-staatliche Positionen, mit denen wir uns als Stadt in keiner Weise identifizieren können“.

Im kommenden Jahr vertritt Naidoo nun also ganz Deutschland. "Dieser völkerverbindende Wettbewerb“ sei für ihn "etwas ganz Besonderes", sagte Xavier Naidoo. Er trete selbstverständlich an, um "das Ding nach Hause zu holen". "Ich verspreche, so schön und so gut zu singen wie noch nie in meinem Leben." Er wolle außerdem zeigen, dass in Deutschland Musik mit Leidenschaft gemacht werde und wofür er stehe - "Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander“.