Japanisches Königshaus Countdown für den neuen Kaiser


In wenigen Tagen bringt Prinzessin Kiko ihr Kind zu Welt. Ist es ein Junge, wird er der neue Kaiser Japans. Zwar wäre die Thronfolge dann endlich gesichert, dennoch sehen viele Japaner Kronprinzessin Masako weiter in der Pflicht.

Der Countdown läuft. An diesem Mittwoch wird die japanische Prinzessin Kiko ihr drittes Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringen. Das Volk harrt in gespannter Erwartung, schließlich ist es gut möglich, dass die 39-jährige Frau von Prinz Akishino den zukünftigen Kaiser von Japan in sich trägt. Manche japanische Medien gehen bereits davon aus, dass es ein Junge wird.

Ein Junge reicht nicht

Die Freude würde bei vielen groß sein, schließlich wäre es der erste Junge seit über 40 Jahren, womit die Nachfolgekrise in der ältesten Monarchie erst einmal beendet wäre. Andere dagegen könnten gemischte Gefühle haben, wenn sie daran denken, wie sehr Kronprinzessin Masako jahrelang darunter gelitten hatte, einen Thronfolger gebären zu müssen - ohne Erfolg. Das ist eigentlich vorrangig ihre Aufgabe - und bleibt es, sagt mancher.

Während das erzkonservative Haushofamt dafür sorgt, dass ihre Schwägerin Prinzessin Kiko - abgeschirmt wie in einem undurchdringlichen Kokon - die letzten Stunden vor ihrer Niederkunft in Ruhe verbringt, wird in manchen japanischen Medien weiter die Nachfolgefrage am Hofe thematisiert. "Selbst wenn ein Junge geboren wird, würden Rufe nach einem weiteren Jungen aufkommen, damit auch die zukünftige Thronfolge gesichert ist", zitierte das Polit-Magazin "Aera" unlängst einen Gesellschaftskritiker. Das Kind wäre die Nummer drei in der Erblinie hinter seinem Vater Prinz Akishino (40). Erster Thronanwärter ist Kronprinz Naruhito (46). Doch langfristig sei dies immer noch keine Lösung, sagt auch Professor Ko Takahashi, ein Befürworter der Einführung der weiblichen Thronfolge.

Kann Kiko den Druck von Masako nehmen?

Jahrelang hatte diese entscheidende Aufgabe, männlichen Nachwuchs für die Monarchie zu bekommen, auf Kronprinzessin Masako gelastet, was zu ihrer Erkrankung maßgeblich beitrug. Denn die strenge Hierarchie schreibt vor, dass in erster Linie die Frau des ältesten Sohns des Kaisers einen Thronfolger gebärt. Doch da diese bisher "nur" Tochter Aiko (4) hat, richtet sich nun die Erwartungshaltung an ihre Schwägerin. Dennoch wollen manche Kronprinzessin Masako noch längst nicht aus ihrer Pflicht entlassen. "Auch wenn Prinzessin Kiko einen Jungen bekommt, wäre es besser, wenn Kronprinzessin Masako noch ein Kind bekäme", sagt die Hofkennerin Midori Watanabe in "Aera".

Er könne sich vorstellen, dass Prinzessin Kiko und Prinz Akishino sich entschlossen hätten, ein weiteres Kind zu bekommen, um Kronprinzessin Masako von ihrem Druck zu befreien, und dafür die Zustimmung aus dem Umfeld des Kaisers bekamen, erklärte der Hofreporter Toshiya Matsuzaki im Fernsehen. Andere sagen, Prinz Akishino sei verärgert über seinen älteren Bruder, seit dieser im Mai 2004 erklärt hatte, es habe "Bestrebungen" am Hof gegeben, die Karriere und Persönlichkeit seiner Frau Kronprinzessin Masako zu negieren. Auch deswegen wünsche sich Prinz Akishino einen Jungen, hieß es.

Neue Debatte droht

Andererseits würde damit die festgeschriebene Hierarchie am Hofe zwischen dem älteren und dem jüngeren Sohn des Kaisers gekippt, erklärte Atsushi Yamada von der Zeitung "Asahi Shimbun" am Tag nach der Bekanntgabe des Geburtstermins für Prinzessin Kiko im japanischen Fernsehen. Die Diskussion um eine Einführung der weiblichen Thronfolge würde zwar erstmal wegfallen. Dafür aber käme eine neue Debatte darüber auf, ob es akzeptabel sei, dass die Thronfolge entgegen der Tradition auf die Familie von Prinz Akishino übergeht, gab auch der Parlamentsabgeordnete Koichi Kato unlängst zu bedenken.

Lars Nicolaysen/DPA DPA

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