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KARRIEREMACHER: Angst vorm schwarzen Mann

Seit er die No Angels in die Charts hievte, ist er die Hoffnung aller Teenies, die Popstars werden möchten. Aber Vorsicht: Dee ist knallhart. Aus stern Nr. 8/2002

Seit er die No Angels in die Charts hievte, ist er die Hoffnung aller Teenies, die Popstars werden möchten. Aber Vorsicht: Dee ist knallhart.

Der Drill-Sergeant der Popszene

Wer die Erfolgsserie »Popstars« bei RTL 2 verfolgt hat, kennt solche Szenen, kennt Detlef Soost, 31, genannt Dee. Der 105-Kilo-Koloss hat sich als Drill-Sergeant der Popszene einen Namen gemacht. Er entscheidet, wer auf die Karriere-Rampe geschoben wird und wer nicht. Alle, die Popstar werden wollen, haben Angst vorm schwarzen Mann Dee - und hoffen auf ihn.

Mehr Transparenz der Stars

Detlef-Dee brachte die Retorten-Girls von No Angels (900000 verkaufte Alben) in die Charts, hievte als Jury-Mitglied die Klonband Bro'Sis (350000 verkaufte Alben in einer Woche) in die Hitparaden. »Früher sind Pop- und Rockbands ein Mysterium gewesen«, meint Soost. »Woher kommen die? Was passiert auf den Hotelzimmern? Was nehmen die für Drogen?« Jetzt herrsche mehr Transparenz. Du glaubst, du hast Rhythmusgefühl und kannst singen? Geh zum Casting, so kommst du an die Plattenfirmen ran. Wenn du an dir arbeitest, sind deine Chancen noch größer. Blamierst du dich, hat es wenigstens das Publikum unterhalten.

Fahndung nach frischem Show-Blut

Dee hat sich nach seinem TV-Erfolg mit einem Coach- und Castingcenter in Berlin selbstständig gemacht. Einmal im Monat fahndet er nun nach frischem Show-Blut, egal, ob Tänzer, Schauspieler, Moderatoren oder eben Boygroup.Bei der ersten Audition hält sich der Ansturm in Grenzen. 700 wurden erwartet (bei Bro'Sis waren es 11000), rund 150 kommen, nur drei bekommen einen Plattenvertrag.

Dee ist ehrgeizig, hat selbst »wie ein Schwein« geschuftet. Der arme, einst schmächtige Ossi Detlef Soost aus Berlin-Pankow, der tagsüber Werkzeugmacher lernte, im Mittelfeld bei Dynamo Lichtenberg kickte, verwandelte sich des Nachts in Michael Jackson. Bald schwang er für die Junior Company des Ost-Berliner Metropol-Theaters die Hüften, tingelte mit der eigenen Truppe durch die DDR-Nachtboutiquen und sortierte Talente für Modenschauen und kleinere Events. Sarah Connor, Right Said Fred, die verunglückte Melanie Thornton: alles seine Schäfchen.

Vom ungeliebten Heimkind zum Idol

So wurde aus dem ungeliebten Heimkind, das sich rassistische Verbalprügel wie »Na, du Dachpappe« anhören musste, das den afrikanischen Vater nie kennen lernte und die ostdeutsche Mutter, tätig in einer Nähmaschinenfabrik, früh sterben sah, ein Idol für Tausende Kids.

Im August will der Aufsteiger Soost endlich auch den verlorenen Vater besuchen, Oberarzt in einem Militärkrankenhaus in Accra, Ghana. Weiß er schon, was er ihm als Erstes sagen wird? »Warten wir mal ab, was er mir sagt.«

Klingt beinahe wie ein Casting.

Autor: Matthias Schmidt

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