Mabel und Johan Friso "Mabelgate" und der Verzicht aus Liebe


Der niederländische Prinz Johan Friso verzichtet aus Liebe auf den Thronanspruch. Seine Auserwählte ist wegen einer angeblichen Affäre mit einem Drogenboss am Hof in Ungnade gefallen.

Die niederländische Königin Beatrix hat es derzeit schwer mit ihrer Familie. "Dies sind nicht die leichtesten Tage für sie", meinte Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, als er die Lösung für die jüngste Familien-Affäre bekannt gab. "Mabelgate" war entstanden, weil Mabel Wisse Smit, die Braut von Prinz Johan Friso, nicht die volle Wahrheit über einen dunklen Fleck ihrer Vergangenheit gesagt hatte. Aus Liebe schwieg ihr Bräutigam mit ihr.

Regelung soll Schaden fern halten

"Mabel fällt vom Thron", verkündete "De Telegraaf" am Samstag die Konsequenz einer Regelung, die von der niederländischen Monarchie Schaden fern halten soll. Der Prinz gab nämlich seinen derzeit zweiten Platz in der Thronfolge (hinter Kronprinz Willem-Alexander) auf, als er auf Zustimmung des Parlaments zu seiner Heirat verzichtete. Ohnehin hätte sich noch der im Januar erwartete Nachwuchs des älteren Bruders vor Johan Friso geschoben.

Dennoch: Mabel Wisse Smit, die vor mehr als einem Jahrzehnt mit Gangsterkönig Klaas Bruinsma mehr als nur oberflächlich befreundet war, hätte theoretisch Reserve-Königin der Niederlande werden können. Diese Möglichkeit war schon zur Horror-Vision vieler Royalisten geworden. Jetzt können beide wie geplant heiraten, ohne dass jemand kriminelle Einflüsse auf den Thron befürchten muss.

Gesichtsverlust für Beatrix

Auch die Königin hat offensichtlich bisher nicht alles gewusst. Als sie im Juni die Verlobung von Johan Friso und Mabel bekannt gab, lobte sie noch in hohen Tönen die "sehr liebe und begabte Schwiegertochter", die sich durch ihre natürliche Art einen Platz in der königlichen Familie erobert habe. Jetzt erleidet die Chefin des Königshauses nicht nur im eigenen Land einen Gesichtsverlust. "Beatrix fürchtet auch, dass in den anderen europäischen Fürstenhäusern über sie geschmunzelt wird", schrieb das "Algemeen Dagblad". Die schweigende Schwindelei auch ihres Sohnes habe eine Vertrauensbasis unwiderruflich beschädigt, meinen die Medien.

Ein wirklicher Schaden für die Monarchie wurde allerdings nach allgemeinem Urteil vermieden. Der wäre entstanden, wenn im Einvernehmen mit Königin und Ministerpräsident das Parlament um Zustimmung zur Heirat aufgefordert worden wäre - und angesichts der Gerüchte über Mabels Liebesleben die Mehrheit den Antrag abgelehnt hätte. Signale dafür gab es in Den Haag. Der Regierungschef nahm sie zur Kenntnis und reagierte entsprechend.

"Gegen Unwahrheit ist kein Kraut gewachsen"

Wie schon beim vorigen Oranier-Problem, dem nach der Beatrix-Nichte benannten "Margaritagate", sind allerdings die staatlichen Sicherheitsdienste ins Gerede gekommen. Bei der Nichte sollen sie in königlichem Auftrag besonders eifrig in der Vergangenheit des Partners geforscht haben.

Diesmal wird ihnen der Vorwurf gemacht, zu wenig nachgeprüft zu haben. Deshalb wurde eine Extra-Untersuchung angeordnet. Bis das Ergebnis vorliegt, verteidigt Balkenende amtliche Unwissenheit über Mabels wirkliche Vergangenheit mit der Feststellung: "Gegen Unwahrheit ist kein Kraut gewachsen."

Edgar Denter DPA

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