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Regierung verdoppelt Ausgaben: Mehr Geld für die Queen und ihren maroden Palast

Die Fenster sind undicht, die Leitungen marode, der Putz bröckelt: Was klingt wie eine Bruchbude, ist in Wahrheit der Buckingham Palast. Der Wohnsitz der englischen Königin muss dringend renoviert werden. Das Geld dafür kommt vom Steuerzahler.

Die britischen Royals bei der Geburtstagsparade für die Queen

Die britischen Royals Mitte Juni bei der Geburtstagsparade für die Queen

Die Liebe zur Monarchie kommt die britischen Steuerzahler teuer zu stehen. Knapp 42 Millionen Pfund (47,8 Millionen Euro) gaben die Royals im vergangenen Jahr für Mitarbeiter, Reisen, Empfänge und zur Erhaltung von Schlössern und Gärten aus. Ab dem kommenden Jahr soll sich diese Rechnung beinahe verdoppeln. Das geht aus der Jahresbilanz hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Demnach soll der Zuschuss der Steuerzahler für das Königshaus auf 76,1 Millionen Pfund steigen. Im Jahr darauf könnte er Berechnungen zufolge sogar auf 82,2 Millionen Pfund klettern. Grund dafür sind Renovierungsarbeiten am Buckingham-Palast, der Residenz von Queen Elizabeth II. in London. Das imposante Gebäude hat 775 Räume, darunter 52 Schlafzimmer für die Königsfamilie und ihre Gäste, 78 Bäder und 92 Büros. Allein die elektrischen Leitungen, an denen seit gut 60 Jahren nichts mehr gemacht wurde, schlängeln sich 160 Kilometer lang durch den Palast.

Toiletten fallen im Buckingham Palast aus der Wand

Das Gebäude war zeitweise so heruntergekommen, dass das Personal eindringendes Wasser mit Eimern auffangen musste, um Kunstwerke zu retten. Als im Jahr 2015 ein Handwerker eine Privat-Toilette der Queen reparieren sollte, kam ihm das komplette Klo aus der Wand entgegen. Und ein Stück der alten Außenfassade brach vor einigen Jahren ab und verfehlte nur knapp eine Karosse des königlichen Fuhrparks. Die letzte größere Renovierung des Buckingham Palastes erfolgte in der Nachkriegszeit, als vor allem Bombenschäden beseitigt wurden.

Renovierungsarbeiten für fast 400 Millionen Pfund

In den kommenden zehn Jahren soll an und in dem Gebäude umfassend ausgebessert werden. Dafür ist eine Budget von mindestens 369 Millionen Pfund eingeplant. Angesichts heftiger Einschnitte bei öffentlichen Ausgaben in den vergangenen Jahren trifft der üppige Zuschuss für die Royals nicht bei allen Untertanen auf Zustimmung. Außerdem seien die hohen Kosten für den Schutz der Königsfamilie noch nicht eingerechnet, kritisieren Monarchiegegner dem "Guardian" zufolge.

Der königliche Schatzmeister Alan Reid findet die Ausgaben dagegen gerechtfertigt. Die jährlichen Kosten für die Monarchie hätten sich im vergangenen Jahr auf 65 Pence (74 Cent) pro Bürger belaufen. "Wenn man berücksichtigt, was die Queen für ihr Land tut und wie sie es repräsentiert, entspricht das aus meiner Sicht einem exzellenten Gegenwert für Geld", sagte Reid.

jum/DPA