HOME

Michael Jackson: Verdacht auf fahrlässige Tötung

Bei den Ermittlungen zum Tod von Michael Jackson gerät der Privatarzt des "King of Pop" immer stärker ins Visier der Behörden. Mehr als zwei Dutzend Ermittler haben die Praxis des Mediziners in Houston untersucht. Im Büro des verantwortlichen Gerichtsmediziners wurden unterdessen erhebliche Sicherheitslücken bekannt.

Vier Wochen nach dem Tod von Michael Jackson ermittelt die Polizei nun wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Drogen- und Kriminalexperten begannen am Donnerstag mit der Auswertung der Unterlagen, die am Tag zuvor in einer Praxis von Jacksons Privatarzt beschlagnahmt worden waren. Auch eine Schmerzklinik im kalifornischen Beverly Hills und Unterlagen einer früheren Krankenschwester des "King of Pop" werden geprüft, wie der Internetdienst "tmz.com" berichtete.

Bei Jacksons Privatarzt Conrad Murray hatten zwei Dutzend Beamte am Mittwoch in einer Großaktion im texanischen Houston einen Computer und 21 Dokumente beschlagnahmt. Die Ermittler hätten Beweise "für das Vergehen fahrlässige Tötung" gesucht, bestätigte Murrays Anwalt Ed Chernoff. Zugleich forderten die Ermittler von dem Mediziner weitere Patienten-Unterlagen an. Der Kardiologe gilt als eine Schlüsselfigur bei den Ermittlungen über die Umstände von Jacksons Tod am 25. Juni. Murray, der eine Zulassung für mehrere US-Staaten hat, war seit Mai bei Jackson angestellt. Er sollte ihn auf seiner geplanten Comeback-Tour nach London begleiten.

Die Polizei von Houston umstellte Murrays Klinik im Norden der texanischen Stadt. Nach Angaben einer DEA-Sprecherin hielten sich in der Armstrong Medical Clinic etwa 20 Personen auf, darunter mehrere Mitarbeiter. Murrays Anwalt, Ed Chernoff, teilte mit, die Beamten suchten Beweise "für das Vergehen fahrlässige Tötung". Eine Polizeisprecherin bezeichnete die Durchsuchung als "Teil der fortlaufenden Untersuchung von Michael Jacksons Tod".

Chernoff betonte auf der Webseite seiner Kanzlei, Murray sei selbst an einer Aufklärung interessiert und arbeite mit den Ermittlern zusammen. Dessen Beschreibung der letzten Tage in Jacksons Leben beweise, dass den Kardiologen keine Schuld treffe. Murray habe dem Popstar keine Medikamente verabreicht, die zu dessen Tod geführt hätten. Daher sei der Arzt frustriert über eine negative Berichterstattung, die dazu geführt habe, dass er rund um die Uhr von einem Leibwächter geschützt werden müsse, belästigt werde und nicht in seiner Praxis arbeiten könne.

Jacksons Vater beschuldigt Murray schwer

Der Arzt hatte sich zum Zeitpunkt von Jacksons Tod in dessen Haus aufgehalten und vergeblich versucht, den Sänger wiederzubeleben. Jacksons Vater Joe hat schwere Vorwürfe gegen Murray erhoben. Die Ermittler haben Murray bereits zwei Mal vernommen, aber betont, dass dieser nicht als Verdächtiger gelte. Nach Jacksons Tod wurde in seinem Haus das starke Sedativum Propofol gefunden, woraufhin es Spekulationen über einen möglichen Arzneimittelmissbrauch gab.

Auch von der früheren Ernährungsberaterin des "King of Pop" forderten Ermittler Patienten-Unterlagen an. Cherilyn Lee kooperiere mit der Untersuchung, teilte ihre Sprecherin Belinda Foster mit. Die Krankenschwester hat Jackson zwischen Januar und April 2009 behandelt. Lee erklärte, der Sänger habe sie in dieser Zeit immer wieder um das starke Beruhigungsmittel Diprivan angefleht, was sie ihm aber verweigert habe. Diprivan wurde nach Jacksons Tod in seinem Haus gefunden.

Im Büro des Gerichtsmediziners von Los Angeles sind unterdessen erhebliche Sicherheitslücken bekanntgeworden. Die "Los Angeles Times" berichtete, mindestens ein halbes Dutzend Mitarbeiter habe widerrechtlich Zugriff auf die Sterbeurkunde des Stars bekommen. Auch bei anderen Computersystemen mit sensibleren Informationen seien Schwachstellen entdeckt worden.

Einem US-Medienbericht zufolge ergab auch die zweite Untersuchung des Leichnams des Popstars Hinweise auf den vermuteten Medikamentenmissbrauch des Sängers. Auch bei der zweiten Autopsie seien Nadeleinstiche im Körper und Spuren des potenziell tödlichen Narkosemittels Propofol gefunden worden, berichtete der Internetdienst E!Online am Mittwoch unter Berufung auf eine angeblich sichere Quelle.

Die Familie des Sängers hatte die zweite Obduktion in Auftrag gegeben, nachdem die offizielle Autopsie die Todesursache nicht auf Anhieb klären konnte. Bei beiden Untersuchungen steht das Ergebnis der Bluttests jedoch noch aus.

AP/DPA / AP / DPA