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Michael Jacksons Leibarzt: Der mysteriöse Dr. Murray

Er bestreitet jede Mitschuld an Michael Jacksons Tod: Dr. Conrad Murray war der Leibarzt und ein enger Vertrauter des "King of Pop". Die Polizei hält ihn bisher für unschuldig - noch. Denn eine weiße Weste hat der Kardiologe aus Tennessee nicht.

Von Frank Siering und Jens Maier

Die Zivilbeamten des Los Angeles Police Departments (LAPD) waren nach einer dreistündigen Vernehmung zufrieden. "Alles in Ordnung mit dem Arzt", sagte ein Sprecher am Sonntag. Joseph Jackson, der Vater des verstorbenen King of Pop, sieht das anders: "Wenn Du eine Wunde heilen willst, dann musst Du zuerst das Glas aus dem Fuß ziehen. Und Murray ist das Glas."

Dr. Conrad Murray, Leibarzt von Michael Jackson, begeisterter BMW-Fahrer und einer der letzten Zeugen, die Jackson noch lebend gesehen haben, gerät trotz der Aussage der Polizei immer weiter in die Schusslinie. Nach Medienberichten soll er Jackson regelmäßig mit Schmerzmitteln, Antidepressiva und Beruhigungsmitteln versorgt haben. Jeden Tag habe der 51-jährige Kardiologe Jackson eine Spritze mit Demerol verabreicht, auch noch am Tag seines Todes, heißt es.

Das starke Schmerzmittel könnte demnach eine der möglichen Todesursachen sein. Dieser Umstand bringt Dr. Murray in Bedrängnis. Noch am Sonntag hat er deshalb über seinen Anwalt eine Erklärung abgeben lassen. Berichte, Murray habe Jackson morphiumähnliche Schmerzmittel verabreicht, seien "absolut falsch", sagte Edward Chernoff der "Los Angeles Times". Auch habe Murray Jackson nicht mit dem starken Schmerzmittel Demerol versorgt oder es ihm verschrieben, behauptet er.

Leibarzt soll Jackson Adrenalin-Spritzen ins Herz gesetzt haben

Die Rolle des Leibarztes beim Tod von Michael Jackson bleibt trotzdem fraglich. Am Todestag müssen sich dramatische Szenen in der Jackson-Villa abgespielt haben. Nach britischen Medienberichten habe die Leiche zahlreiche Verletzungen von den erfolglosen Wiederbelebungsversuchen aufgewiesen. Außerdem sollen in der Herzregion vier Einstichstellen von Spritzen gefunden worden sein. Dr. Conrad Murray wollte das Herz des Sängers offenbar mit ins Herz injiziertem Adrenalin wieder zum Schlagen bringen.

Wie professionell er bei den Wiederbelebungsversuchen vorging, ist allerdings fraglich. Aus dem Telefonprotokoll des Notrufs, der am Donnerstagmittag bei der Polizei eingegangen war, geht hervor, dass Jackson auf seinem Bett wiederbelebt wurde. Dabei lehrt jeder Erste-Hilfe-Kurs, dass nur ausreichend Druck bei der Herzmassage aufgebaut werden kann, wenn die zu behandelnde Person auf einem harten Untergrund liegt.

Warum leistet sich ein ausgewiesener Herzspezialist einen derartigen Schnitzer? Hat Murray deshalb am Donnerstag, kurz nach Jacksons Abtransport durch eine Ambulanz, still und heimlich die Residenz in den Holmby Hills verlassen? Was hat Murray zu verbergen? Wer den Lebenslauf von Dr. Murray kennt, wird die Flucht aus Bel Air nicht überraschen.

Dr. Murray war hoch verschuldet

Murray ist ein Mann, der mit Michael Jackson mehr gemeinsam hat, als viele Vertraute bisher erahnen konnten. Am Meharry College in Tennessee hat er Medizin studiert, als Arzt genießt er einen guten Ruf. Privat jedoch, hat er massive finanzielle Probleme.

So steht ein Gerichtsurteil aus, nach dem Dr. Murray privaten Kreditgebern in San Diego mehr als 400.000 Dollar schuldet. Außerdem berichtet die "Los Angeles Times", dass gegen "Dr. Dubiosus" und seine in Las Vegas ansässige Firma "Global Cardiovascular Associates" allein im vergangen Jahr drei Urteile verhängt wurden, die einen Schuldspruch im Wert von 435.000 Dollar nach sich ziehen. Murrays Büro in Las Vegas ist noch immer mit einer Rezeptionistin besetzt. Die allerdings kann nur die Auskunft erteilen, dass sie ihren Boss "schon seit Wochen nicht mehr gesehen hat. Keine Ahnung, wo er im Moment ist."

Schon 1992 meldete Murray im kalifornischen Riverside Insolvenz an. Fünf Steuerpfändungen wurden in den Jahren zwischen 1993 und 2003 gegen ihn persönlich ausgesprochen. Trotzdem lebte Murray auf großem Fuß. Er besitzt Häuser in Nevada, Texas und in Kalifornien, fuhr stets nur mit dicken Limousinen durch die Gegend, zuletzt mit einem 6er-BMW-Cabrio. Vor allem seine Geldsorgen dürften den Ausschlag gegeben haben, Jacksons persönlicher Leibarzt zu werden.

Wie und wo sich Jackson und Murray kennengelernt haben, ist bisher ungeklärt. Fest steht, Murray war weder von den neuen Finanziers Jacksons noch von der Jackson-Familie anerkannt und respektiert. Gegen den Willen des Londoner Konzertveranstalters AEG, der die "This is it"-Tour mit 50 Konzerten in London verantwortet, wurde Murray von Jackson eingestellt.

Jackson-Familie zweifelt an Murray

Den King of Pop kümmerte das wenig. Tohme Tohme, eine Sprecherin der Jackson-Familie bestätigt, dass Murray seit einem Jahr als persönlicher Arzt für Jackson gearbeitet hat. Andere Insider, so auch Randy Phillips, der Präsident und CEO des Konzert-Promoters AEG, sagen, dass Murray schon seit drei Jahren an der Seite von MJ tätig gewesen sei. Wie viel Jackson dem Arzt aus Tennesse bezahlt hat und was genau seine Aufgabe war, ist bisher nicht bekannt.

Doch offenbar konnte auch das Geld von Jackson Murrays finanzielle Schwierigkeiten nicht lösen. Erst im vergangenen Monat wurde erneut Klage gegen Murray eingereicht. Dieses Mal in Texas. In Houston ist Murray zusammen mit seiner Schwester Mitinhaber des Acres Home Heart & Vascular Institues. Mit den Mietzahlungen für sein Bürogebäude nahm es der private Jackson-Arzt aber nicht so genau. Die Leasing Company Rogers Northwest verlangt derzeit 201.898 US-Dollar für noch ausstehende Mietkosten.

Sah sich Murray deshalb gezwungen, alles zu tun, um seinen Boss, glücklich zu machen, auch wenn dies medizinisch vielleicht nicht geboten war? Die Jackson-Familie ist sich da offenbar sicher. "Mir gefällt nicht, was passiert ist", sagte Vater Joseph dem US-Nachrichtensender CNN, machte aber ansonsten keine näheren Angaben. Erst das in Auftrag gegebene toxikologische Gutachten wird wohl Klarheit über die genaue Todesursache Michael Jacksons und ein eventuelles Verschulden des Arztes bringen.

Von:

Frank Siering und