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Autobiografie "Ein scheinbar perfektes Leben": "An Sex nicht mal denken": Michelle Hunziker über ihre Zeit in einer Sekte

Moderatorin Michelle Hunziker hat ihre Autobiografie veröffentlicht. In dem Buch berichtet die 41-Jährige, wie sie als junge Frau in die Fänge einer Sekte geriet und ihre eigene Persönlichkeit völlig aufgab.

Moderatorin Michelle Hunziker

Moderatorin Michelle Hunziker

Getty Images

Für ihr Leben in einer Sekte musste sich Michelle Hunziker nach eigenen Worten komplett aufgeben - das berichtet die 41-Jährige in ihrer Autobiografie "Ein scheinbar perfektes Leben". In ihren Zwanzigern habe sie für die vermeintliche Liebe der Sektenführerin ihr Urteilsvermögen und ihren freien Willen geopfert: "Ich glaubte, dass es außerhalb dieses Zirkels für mich nichts mehr gäbe, dass ich krank werden und sterben würde", zitiert die "Bild"-Zeitung aus dem Buch der Moderatorin.

Mit Anfang 20 sei sie in die Fänge der Sekte "Krieger des Lichts" gelockt worden. Hunziker lernte die Sektenführerin kennen, als diese als so genannte Pranatherapeutin ihren damaligen Ehemann Eros Ramazzotti angeblich von einer Halsinfektion heilte. Hunziker soll sie geholfen haben, sich das Rauchen abzugewöhnen. Ab dem Zeitpunkt war sie der Frau verfallen und glaubte ihr jedes Wort.

Auf bedingungslose Liebte folgte Zurückweisung der Sektenführerin

Michelle Hunziker  "Ein scheinbar perfektes Leben"  335 Seiten  Bastei Lübbe  20 Euro

Michelle Hunziker

"Ein scheinbar perfektes Leben"

335 Seiten

Bastei Lübbe

20 Euro


Zunächst habe sie von der Sektenführerin bedingungslose Liebe, Fürsorge und Aufmerksamkeit erfahren. "Ich konnte ihr alles sagen, und sie nahm mich ernst, jederzeit. [...] Wochenlang half sie mir, mein schwaches Selbstwertgefühl aufzupäppeln, sodass ich mich besonders, einzigartig und wichtig fühlte", schreibt Hunziker. Die Zurückweisung, die darauf gefolgt sei, sei für sie unerträglich gewesen: "Ich hätte alles getan, um die symbiotische Verbindung wiederherzustellen, die in meinen Augen die einzig wahre Liebe meines Lebens war. [...] Ich brach den Kontakt zu meiner Mutter ab, zu lieben Freunden und Kollegen. Ich gefährdete meine gesamte berufliche Karriere."

Die Regeln innerhalb der Sekte waren laut Hunziker sehr streng: "Man durfte nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, kein Fleisch, keinen Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte essen. Eine Pizza war nichts anderes als ein Konzentrat dämonischer Kräfte."

Nach fünf Jahren schaffte Michelle Hunziker den Ausstieg

Auch Sexualität habe die Sekte verdammt: "Masturbation war verboten [...] Wenn ich meine künstlerische Kreativität nicht zerstören wollte, durfte ich an Sex nicht mal denken."

Nach fünf Jahren schaffte Hunziker nach eigenen Worten den Ausstieg, weil sie erkannte, dass sie sich komplett von ihrem Umfeld isoliert hatte und zu vereinsamen drohte. "Ich saß einfach nur in einer Seifenblase. Ein Pikser mit dem Finger genügte, um sie platzen zu lassen", schreibt die Moderatorin.

jum/DPA