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Comedian starb mit 52 Jahren "Ein einziges surreales Gesamtknautschwerk": zum Tod von Mirco Nontschew

Mirco Nontschew ist im Alter von 52 Jahren gestorben.
Mirco Nontschew ist im Alter von 52 Jahren gestorben.
© imago/Eventpress
Er wurde nur 52 Jahre alt: Mirco Nontschew wird von vielen Kritikern als einer der größten Komiker des deutschen Fernsehens gewürdigt - und einer der häufig übersehenen.

"Meistens belehrt uns erst der Verlust über den Wert der Dinge." Dieser Satz des Philosophen Arthur Schopenhauer trifft häufig auch auf Menschen zu. Ganz sicher war dies bei Mirco Nontschew der Fall - einem der größten Comedians des deutschen Fernsehens, der nach seiner größten Zeit bei "RTL Samstag Nacht" in Vergessenheit geraten war. Zu Unrecht. 

Nach seinem Tod mit nur 52 Jahren wird er nun vom deutschen Feuilleton gebührend betrauert: "Die linke Augenbraue riss er fast bis zum Haaransatz hoch, das Gesicht, der ganze Körper folgte dieser mimischen Akrobatik, ein einziges surreales Gesamtknautschwerk, aus dem dann auch noch der größte lebende Blödsinn herauspolterte", schreibt Willi Winkler in seinem Nachruf in der "Süddeutschen Zeitung". "Dem Zuschauer wurde doch recht bang dabei: Würde er dieses wandelbare Gesicht auch bestimmt wieder einfangen können, oder bleibt ihm das?"

In ihrem Nachruf rühmt Judith Liere auf "Zeit Online" vor allem Nontschews Beteiligung an "RTL Samstag Nacht". Die Comedy-Sendung sei so prägend für eine Fernsehgeneration, dass die Running Gags und Sketche auch fast drei Jahrzehnte später noch vertraut seien. Innerhalb der Crew von Talenten wie Olli Dittrich, Esther Schweins oder Wigald Boning habe Mirco Nontschew herausgestochen. "Sein Humor erzählte sich weniger über Inhalte wie gut geschriebene und vorgetragene Gags oder treffend ausgefeilte Figurendarstellungen. Das Lustige an ihm war Nontschew selbst. Er trat auf und noch bevor er einen Laut von sich gab, lachte das Publikum, weil allein sein kantiges Gesicht, seine Augenbrauen, seine Mundwinkel da schon ein halbes Comedyprogramm abgeliefert hatten."

Viele würdigen das Gesicht von Mirco Nontschew

"Mirco Nontschew war ein Spontan-Humorist, ein Sympathieträger, den das Publikum sehen wollte, ein Teamplayer, keine One-Man-Rampensau, bei Kolleginnen und Kollegen hochgeachtet", schreibt Michael Hanefeld in seiner Würdigung auf "faz.net" und bezeichnete ihn als "hypermotorischen Schnellsprecher, Grimassenkünstler und Geräuschemacher".

Sein Gesicht - auch der Nachruf auf "Spiegel-Online" verweist auf diesen Körperteil als eine seiner größten Qualitäten: "Scharfe Wangenknochen, eine Nase wie aus Stein gemeißelt und Augenbrauen, die ein Eigenleben zu haben scheinen. Mit diesem Gesicht zieht Nontschew völlig überzogene Grimassen, wechselt von einer Sekunde auf die nächste die Gemütslage, von entspannt zu erschrocken zu entrüstet."

Auf dieses Gesicht wird das deutsche Fernsehen künftig verzichten müssen. Das Bedauern darüber ist groß - doch es kommt zu spät. "Mirco Nontschew hat sich für sein Publikum zerrissen", beschließt Willi Winkler seinen Text. "Das Publikum, ahnungslos, wie es seit je bei großer Kunst reagierte, hat es ihm nicht gedankt."

che

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