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Modesensation in Nasa-Kontrollzentrum: Amerika liebt den Mars-Irokesen

"Curiosity" schickt Bilder einer staubigen Einöde zur Erde. Die spannendste Mars-Entdeckung aber ist Flugdirektor Bobak Ferdowsi. Seine Frisur macht ihn in den USA zur Kultfigur.

Von Gernot Kramper

Die Bilder vom Mars sind eine Enttäuschung. Keine Aliens und eine staubige Einöde, die so aussieht wie ein Instagrammfoto vom Boden einer großen Baugrube. Ziemlich langweilige Angelegenheit, wenn da nicht dieser Typ im Kontrollzentrum mit seiner verrückten Frisur gewesen wäre. Inzwischen heißt der Nasa-Spezialist mit dem gewagten Haarschnitt nur noch "Mohawk Guy" - in Deutschland ist die Frisur seit den Punktagen unter dem Namen "Irokesenhaarschnitt" bekannt.

Anstatt die technische Meisterleistungen zu bewundern, fragten sich viele Zuschauer schon bei der Übertragung nur: Wer ist dieser Typ mit dem Iro und den ins Haar frisierten Sternen? Sein Name ist Bobak Ferdowsi - Absolvent der Washington University und des legendären Massachusetts Institute of Technology (MIT) - und er ist ein bisschen haarverrückt. Jüngst sprach er mit der "Los Angeles Times" über seinen Spleen, seine natürliche Kopfbedeckung nach oben zu bürsten. Mit der Aufmerksamkeit habe er nicht gerechnet, sagt Ferdowsi. "Ich dachte, es könnte irgendwo mal ein lustiger Kommentar stehen, oder ein Freund, der mir sagt: 'Oh Mann, ich habe dich im Fernsehen gesehen.'"

Unangepasster Patriot

Denn schon bei anderen Gelegenheiten hat Ferdowsi ähnliche Frisuren getragen, ohne dass sein Schopf so große Wellen geschlagen hätte. Beim Start der Rakete hatte er seinen Haarkamm sogar passend zum Raketenschweif eingefärbt. Rot, Orange und Gold an den Haarwurzeln, so dass sein ganzer Kopf wie eine Rakete glühte. Dagegen war der Stil zur Landung geradezu dezent: Rot-blaue Streifen schmückten den Haarkamm und weiße, gebleichte Sterne zierten die Seiten. Der Look im Stile des "star spangled banner" schlug ein wie eine Bombe. Unangepasst und doch patriotisch - so etwas lieben die USA. Kein Wunder, dass Ferdowsi jetzt zum Star wurde und vor allem im Internet gefeiert wird.

Tatsächlich nimmt Ferdowsi seine Haarpracht sehr ernst. Zu jeder Mission erarbeitet er Stylevorschläge, über die Kollegen und Freunde dann per Email abstimmen dürfen. Das weltweite Erstaunen erklärt er sich mit dem verstaubten Image der Nasa. "Das ist für viele ein Schock. Die meisten Leute kennen nur die Aufnahmen aus der Zeit von Apollo-13: Alle tragen ein traditionelles, weißes Hemd, dazu eine schmale, schwarze Krawatte und natürlich eine Hornbrille."

NASA kann auch cool

So gesehen hat die wilde Frisur auch ein ernstes Anliegen: Sie zeigt, auch coole Typen können bei der Nasa Karriere machen. Die größte Belohnung, die sich Ferdowsi vorstellen kann, gestand er der "Los Angeles Times", wäre es, wenn in zehn Jahren ein junger Kollege vor ihm stehen würde, der ihn als Kind gesehen hat und sagen würde: "Sie sind einer der Gründe, warum ich zur Nasa gekommen bin."

Die Zeiten des Einheitslooks seien lange vorbei, glaubt der "Mohawk Guy". Kollegen hätten schon Spock-Ohren bei Missionen getragen. "Diese Missionen sind für uns alle eine sehr harte Arbeit. Da sucht man nach Wegen, sie zu genießen und seinen Spaß an der Sache auszudrücken." Ein bisschen Auflockerungen könne nicht schaden, mit ihren blauen Hemden sähen sie sonst aus wie die Schlümpfe, findet Ferdowsi. Auch bei der Landung sei er nicht der einzige Verrückte im Team. "Direkt neben mir saß Steve Collins, die Leute nennen ihn jetzt den Hippie-Typ, weil er ganz lange Haare hat und einen Rauschebart trägt."

Aber der grauhaarige Hippie hat nicht so viele Follower auf Twitter gewonnen, wie der gutaussehende 32jährige, ungebundene Ferdowsi. Sein Account wird jetzt von heißen Liebesschwüren geflutet."@tweetsoutloud: Ich weiß, dass du viel zu tun hast, aber möchtest du mich vielleicht heiraten? Wenn ja, lande einfach noch etwas auf dem Mars." Bobak Ferdowsi hat leider keine Zeit zum Flirten, stöhnt über seinen Ruhm und twittert: "Wann hören meine Kollegen endlich auf, sich über mich lustig zu machen!"

Von Gernot Kramper