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MONARCHIE: Belgiens Premier überholt »Prinz Vollgas«

Der Königssohn und der Premierminister von Belgien sind schlechte Vorbilder in einer Nation mit außergewöhnlich vielen Toten im Straßenverkehr. Beide müssen sich jetzt wegen Raserei verantworten.

»Prinz Vollgas« wird der jüngste Sohn des belgischen Regentenpaars Albert II. und Paola in der Boulevardpresse genannt. Jetzt drohen Prinz Laurent eine Geldbuße und Führerscheinentzug. Laut Medienberichten lässt Justizminister Marc Verwilghen zurzeit prüfen, warum Prinz Laurents massive Geschwindigkeitsübertretung vom Oktober 2000 ohne Folgen blieb. Auch Flanderns Verkehrsminister Steve Stevaert forderte gleiches Recht für alle Raser: »Wenn der Prinz 139 gefahren ist, wo nur Tempo 70 erlaubt war, dann muss Laurents Führerschein eingezogen werden.«

Premier zieht mit dem Prinzen gleich

Außer der Akte des Königssohns prüft Belgiens Justizminister Marc Verwilghen nun auch eine Geschwindigkeitsübertretung seines eigenen Chefs, Premierminister Guy Verhofstadt. Das verlautete aus Verwilghens Ministerium.

Regierungschef kein Vorbild

Wie Laurent hatte auch Regierungschef Verhofstadt laut Zeitungsberichten das erlaubte Höchsttempo 120 auf Belgiens Autobahnen deutlich überschritten. Dabei hatte der Regierungschef den Prinzen wegen dessen Tempo-Exzessen ungewöhnlich scharf gerügt. »Mitglieder der königlichen Familie haben eine Vorbildfunktion«, mahnte Verhofstadt den jüngsten Sohn von König Albert II. mit seiner Schwäche für schnelle Autos.

Mit 180 km/h zum Dinner

Der Wagen des Premierministers sei mit 179 Sachen in die Radarkontrolle gerast, berichteten »Gazet van Antwerpen« und »Het Belang van Limburg«. Nach kurzer Zwangspause habe Verhofstadts Chauffeur weiterfahren dürfen.Die Erklärung des Regierungschefs, sein Dienstwagen sei mit Blaulicht und Sirene ausgerüstet und dürfe deshalb schneller fahren als die erlaubten 120 Kilometer pro Stunde, zieht nach Darstellung des belgischen Rundfunks nicht: Zum Zeitpunkt des Vorfalls seien beide Geräte ausgeschaltet gewesen - Verhofstadt war auf dem Weg zu einem Essen mit liberalen Parteifreunden.

Belgien nach Griechenland höchste Zahl von Verkehrstoten

Die Vorfälle haben die Diskussion um die hohe Zahl der Verkehrstoten in Belgien angeheizt. Jährlich sterben rund 1500 Menschen auf den Straßen des 10-Millionen-Einwohner-Landes. Bezogen auf die Bevölkerungszahl stehe EU-weit nur Griechenland schlechter da, berichtete die Zeitung »De Standaard« unlängst.