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Mordfall Moshammer: "Herr Moshammer hatte keine Chance"

Nach dem Mord am Münchner Modezaren Rudolph Moshammer ist Haftbefehl gegen den geständigen Täter ergangen. Bei der Vernehmung des 25-Jährigen wurden weitere Details der Tat bekannt.

Im Fall des ermordeten Rudolph Moshammer ist am Sonntagabend Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen ergangen. Wie die Polizei in München mitteilte, hatten DNA-Spuren zur Festnahme des Täters am Samstagabend in München geführt. Der 25 Jahre alte Iraker Herisch A. hatte am Sonntag gestanden, den Modemacher in der Nacht zum Freitag in dessen Haus in Grünwald bei München erdrosselt zu haben. Moshammer und der Iraker hätten Streit um 2000 Euro als Bezahlung für sexuelle Handlungen bekommen, erklärte der Leiter der "Sonderkommission Moshammer", Harald Pickert.

Bei dem Streit hat der 25-Jährige nach Polizeiangaben ein auf einem Tisch liegendes Kabel genommen, es Moshammer "blitzschnell" um den Hals gelegt und zugezogen. "Herr Moshammer hatte keine Chance", sagte Pickert.

Moshammer war zu unvorsichtig

"Herr Moshammer war in seinen sexuellen Kontakten offensichtlich sehr unvorsichtig, er war immer wieder unterwegs, um Männer anzusprechen - ob gezielt im Strichermilieu, wissen wir nicht. Es scheint öfters der Fall gewesen zu sein, dass er junge Männer nach Hause mitgenommen hat", bestätigt Pickert Vermutungen über das Doppellleben von Rudolph Moshammer.

Seine Gewohnheit wurde ihm in der Nacht zu Freitag zum Verhängnis. Nach eigener Aussage war der 25-Jährige von Moshammer, der mit seinem Rolls-Royce unterwegs war, am Münchner Hauptbahnhof angesprochen worden und mit in dessen Haus nach Grünwald gefahren. Dort sei es drei Stunden zu sexuellen Handlungen gekommen, bei denen Harisch A. den Modeschöpfer mit der Hand befriedigt habe.

Als Moshammer den angeblich vereinbarten Liebeslohn verweigerte und mit der Polizei drohte, kam es zur tödlichen Attacke. Danach habe er das Opfer nach Bargeld durchsucht, aber nichts gefunden, sagte der Iraker aus. Panikartig habe er dann das Haus verlassen und sei mit der ersten Straßenbahn nach München gefahren. Zur Tarnung rasierte er sich die Kopfhaare ab.

Habgier als Tatmotiv

Die Polizei nannte Habgier als Motiv der "heimtückischen Tat". Der Tatverdächtige lebt seit 2001 in Deutschland, seit 2002 wohnt er in München. Er hat den Angaben zufolge einen Asylantrag gestellt und besitzt eine gültige Aufenthaltserlaubnis. Er arbeitete als Koch in einem Münchner Lokal. Der 25-Jährige spricht nur gebrochen Deutsch, deshalb ist bei den Verhören stets ein Dolmetscher anwesend.

Bei der Vernehmung berichtete der Iraker von finanziellen Problemen und erheblichen Schulden. Der 25-Jährige sei ein Automaten-Spieler, der "sämtliche Spielotheken in der Bahnhofsgegend abklappert", sagte Pickert zu den Gründen für die Finanznot des Mannes. Der Iraker zeige bei den Vernehmungen großes Selbstmitleid. Er klage, "dass er sich in seinem Leben nichts leisten kann" - während andere Menschen im Luxus lebten. "Er sagt, er ist kein Stricher", betonten die Ermittler. "Aber wir wissen nicht, aus welchem Milieu er kommt." Der 25-Jährige hat nach eigenen Angaben eine Freundin und ist nicht homosexuell.

Termin für Beerdigung noch offen

Drei Tage nach dem Mord ist ein Termin für die Beisetzung noch offen. Derzeit werde geklärt, wer darüber verfügen dürfe, sagte der Geschäftsführer des Bestattungsinstituts Denk Trauerhilfe, Karl Denk, am Montag. Der Leichnam ist von der Gerichtsmedizin bereits freigegeben worden. Moshammer solle auf dem Münchner Ostfriedhof neben seiner 1993 verstorbenen Mutter Else seine letzte Ruhestätte finden.

Wer erbt die Millionen?

Ebenfalls offen ist die Erbfrage. Nach Angaben seines Anwalts Lutz Libertz hat Moshammer ein Testament hinterlassen. Offenbar sollen den Münchner Obdachlosen mehrere Millionen Euro zufallen. Wann das Testament eröffnet wird, steht noch nicht fest.

DPA / AP / AP / DPA