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Münchner Partyvolk: Schickimicki? Aber bitte mit Klasse!

Promis wie Heiner Lauterbach, Friedrich von Thun oder Uwe Ochsenknecht waren dabei, als München zur Party-Metropole der Bussi-Bussi-Gesellschaft avancierte. Heute sind es die Kinder der einstigen Party-People, die es in der bayrischen Hauptstadt richtig krachen lassen.

Von Alexander Stilcken

Bekannte Gesichter und berühmte Namen: Die Grundzutaten sind geblieben. Trotzdem hat sich München verändert. Schuld ist der Nachwuchs, der dammich noch eins so überhaupt nicht depperte. Sophie zum Beispiel, die Tochter vom Wepper, die den Oscar, den Sohn vom Lauterbach, küsst. Oder die Nina, Tochter vom Eichinger Bernd, die sich mit viel Ehrgeiz und einem Hochschulstudium auf das vorbereitet hat, wofür sie aktuell bezahlt wird: mit Dieter Bohlen den nächsten Superstar zu suchen. Zu den erfolgreichen Königskindern gesellen sich dann noch die hübschen Kicker vom FC Bayern, ein paar Fernsehmoderatoren - fertig ist die Münchner Society 2.0.

Schickimicki? Aber bitte mit Klasse. Ugo Crocamo erklärt: "Schickimicki im klassischen Sinne ist Vergangenheit. Die Arroganz von damals ist komplett weg, die Leute sind viel respektvoller." Crocamo ist der vermutlich größte Experte auf diesem Gebiet. Zum einen, weil er 20 Jahre lang im legendären Nachtclub "P1" mit seinen ebenso berühmten Pizzen bereitstand, wenn nach dem dritten, vierten Glaserl Schampus der Hunger bei den Feiernden wuchs. Zum anderen, weil er mit seinem Restaurant "H'ugo's" vor anderthalb Jahren das inoffizielle Hauptquartier der Jungen, Wilden und Begehrten eröffnet hat.

Charles Schumann, der berühmteste Wirt der Stadt, gab bereits zu, dass seine Bar für das paarungswillige München nicht mehr der allergrößte Hotspot ist. FC-Bayern-Star Luca Toni komme zwar nach wie vor ab und an auf einen Cubra Libre vorbei, aber inzwischen habe auch der Zugereiste mitbekommen, "wo die Weiber sind". Seitdem sei er fast täglich im "H'ugo's". Das Erfolgsgeheimnis des In-Lokals am Promenadenplatz ist laut Crocamo "etwas Chaos und viel Spaß". Das Essen sei zwar wichtig - dem Erfolgsmodell Pizza Trüffel will er bald eine Variante mit Hummer zur Seite stellen -, aber eben nicht alles. Mindestens so bemerkenswert finde man es, dass die Kellner auch mal tanzen. Alles easy, alles München. Sandy Meyer-Wölden gehört zu den Stammgästen, so wie die vergleichsweise reifen Sport-Ikonen Boris Becker und Oliver Kahn.

Es ist letztlich eine Frage der Grundeinstellung: Sollen die Hollywood-Filme doch in Berlin Premiere feiern, soll doch die ganze Welt über die Hauptstadt reden, Minga bleibt die Partymetropole. Der größte Bonus des "Mir san mir"-Selbstbewusstseins: Fast jeder kennt fast jeden. Alles andere wäre auch verwunderlich, schließlich treffen sich die Nachtschwärmer zwangsläufig. Entweder im "P1", also im "Oanser". Am Maximiliansplatz in der "089"-Bar, im "Pacha", oder im "Baby!", dem zur Zeit angesagtesten Club der Stadt. Das Angebot an Edeldiskotheken dürfte in keiner Stadt Deutschlands größer sein - aber die Jungs und Mädels der Nacht bewegen sich meist in eng abgezirkelten Kreisen.

Zwei Spezies von Partygängern sind in München zu beobachten. Überschaubar die Gruppe der Rambazambas im Stil von Ben Tewaag, die keine Grenzen zu kennen scheinen. Auf der anderen Seite die Vernünftigen wie Max von Thun: Er schläft am Morgen danach bewusst länger, um neue Kräfte zu sammeln - nicht nur für den nächsten Feier-Abend. Der Blick auf die Karriere zwingt die meisten Mitglieder der jungen Bussi-Gesellschaft dazu, mit ihren Kräften hauszuhalten. Und es ist sogar schon vorgekommen, dass ein Münchner Star-Spross des Jobs wegen wegzog, siehe Hannah Herzsprung. Sicher nur vorübergehend.